25. Mai 2021 / 17:50 Uhr

Als dem TuS Garbsen 2008 ein famoser Coup im Bezirkspokal gegen Eilvese gelingt

Als dem TuS Garbsen 2008 ein famoser Coup im Bezirkspokal gegen Eilvese gelingt

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In Partystimmung: Die TuS-Spieler lassen es als frisch gebackener Pokalsieger 2008 ordentlich krachen.
In Partystimmung: Die TuS-Spieler lassen es als frisch gebackener Pokalsieger 2008 ordentlich krachen. © Hanke
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In unserer Serie "Das ganz große Ding" erinnern wir dies mal an den TuS Garbsen und seinen großen Pokaltriumph gegen den STK Eilvese. Diesen unvergesslichen Moment feierte das Team damals bis 7 Uhr am nächsten Morgen. Ein Rückblick.

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Es gibt Momente im Sportlerleben, die vergisst man nie. Spiele, bei denen man jetzt noch genau weiß, wo man sie damals verfolgt oder wie man sie erlebt hat. Geschichten, die von Jahr zu Jahr ein bisschen mehr ausgeschmückt werden, aber immer gleich anfangen: „Weißt du noch …“ In unserer Serie „Das ganz große Ding“ haben wir die Vereine im Umland nach ihrem ganz besonderen Ereignis der vergangenen Jahre gefragt. Heute erinnert sich der *TuS Garbsen *an seinen großen Pokaltriumph gegen den STK Eilvese.

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Einen unvergesslichen Moment erlebte der TuS Garbsen an einem sonnigen Samstagnachmittag im Mai 2008. Sebastian Bedrunka löste damals mit seinem verwandelten Elfmeter einen Jubelsturm aus. Chefcoach Martin Kummer, Kapitän Lennart Dobravsky, Torwart Marc Windhorn und ihre Teamkollegen lagen sich glücklich in den Armen und feierten gemeinsam mit den Fans ausgelassen den Gewinn des Bezirkspokals. Dieser Pokalsieg ist ein denkwürdiger Erfolg in der Geschichte des 1928 als SV Garbsen gegründeten Klubs. Es war das ganz große Ding. Nahezu gleichbedeutend mit diesem famosen Coup sind die zwei Saisons auf Landesligaebene. Und genau da möchte der TuS gern wieder hin.

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Zuversicht sei groß gewesen

„Wir hatten für die Pokalspiele extra einen Linienbus von den Garbsener Verkehrsbetrieben gechartert und sind ab dem Viertelfinale im voll besetzten Bus durch die Gegend gefahren. Es gab damals eine große Fangruppe, die uns immer begleitet und lauthals unterstützt hat, das war echt cool“, erinnert sich Dobravsky. In der Runde der letzten acht warf die Kummer-Elf auswärts den TSV Pattensen aus dem Wettbewerb, auch die Halbfinalhürde beim ASC Nienburg nahm der Bezirksligist. Das Finale stieg am heimischen Kochslandweg, Gegner war der Staffelkonkurrent STK Eilvese mit Trainer Jürgen Wagner. „Am Abend zuvor sind wir mit dem gesamten Team über das Spielfeld marschiert und haben uns eingestimmt. Unser Platzwart Ottel Mohnike hatte gezaubert und uns einen Teppich bereitet“, erzählt Dobravsky. Die Zuversicht, den Pott zu holen, sei groß gewesen. „Die vermeintlich schweren Brocken, darunter Landesligisten, hatten wir ja schon in den ersten Runden ausgeschaltet. Außerdem waren wir fest von unserer spielerischen Überlegenheit überzeugt. Und wir hatten den Heimvorteil.“



Torhüter Windhorn lief an jenem Pokaltag in einem ungewöhnlichen Dress auf, verantwortlich dafür war seine Freundin Jennifer Offenhausen. „Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dass ich zu diesem Spiel etwas Besonderes anziehen soll und einfach das TuS-Garbsen-Trikot aus meiner Sporttasche rausgenommen. Stattdessen hatte sie mein neongelbes Torwartshirt vom FC Barcelona eingepackt“, erzählt Windhorn. In dem Trikot des spanischen Topklubs habe ein Zettel gesteckt mit den Worten: „Das fällt auf und soll dir Glück bringen. Toi, toi, toi.“ Die Rückennummer 1 wurde kurzerhand mit Tapeband aufgeklebt.

Und wo war eigentlich Elhad?

Beide Mannschaften agierten lange Zeit vorsichtig verhalten. Als Sascha Pohl dann in der 81. Minute das Garbsener Führungstor erzielte, schien das Ding gelaufen zu sein. „Das dachten wir zumindest. Aber drei Minuten später hat Bertan Topuz nach einer Ecke gepennt und seinem Gegenspieler Önur Isik den Ausgleich ermöglicht, nur deshalb mussten wir ins Elfmeterschießen“, schildert Innenverteidiger Dobravsky. Keeper Windhorn parierte im Elfmeterschießen den Versuch von Sven Göth, Christoph Adam schoss neben das Gehäuse. Den finalen Elfer versenkte Bedrunka im Netz.

Schon am Kochslandweg ging es hoch her. „Marc hat sich als Elfmeterkiller feiern lassen, dabei hat er gerade mal einen gehalten, wenn überhaupt“, sagt Dobravsky augenzwinkernd. „Von wegen“, entgegnet Windhorn, „wir haben uns alle kräftig gefeiert. Insbesondere Elhad Sadiku, geradezu so, als habe er mindestens drei Tore erzielt. Den haben wir später immer aufgezogen, nach dem Motto: ,Mensch Elhad, wir hatten ein schweres Pokalspiel gegen Eilvese, wo warst du eigentlich zwischen 16 und 18 Uhr?’“

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Party mit Pokal bis um 7 Uhr

So richtig krachen ließen es die Pokalsieger dann im Biergarten der Windhornschen Gaststätte Zur Eiche in Altgarbsen. Anschließend drehten die TuS-Akteure auch noch eine Runde durch mehrere hannoversche Clubs – mitsamt der Trophäe. „Der Pokal wurde immer wieder gefüllt, mit Bier und was auch immer. Morgens um 7 Uhr habe ich dann ein Taxi nach Hause genommen“, sagt Windhorn.

„Das war eine tolle Zeit damals, sehr intensiv und prägend. Ein kunterbunter Haufen an Spielern, eine sehr heterogene Truppe, viele spezielle Charaktere – und mit dieser verrückten Bande haben wir den Pott geholt“, sagt Trainer Kummer, der bereits seit 2004 beim TuS Garbsen die sportlichen Fäden zieht. „Spieler wie ,Mister’ Kapitän Lennart Dobravsky, Benjamin Weiß, Sascha Pohl oder die Hepner-Brüder Max und Paul sind bis heute Kult in Garbsen“, sagt der TuS-Coach.

TuS setzt noch immer auf Spaß und gute Gemeinschaft

Fast ebenso hoch zu bewerten wie der Pokalsieg sei der Aufstieg in die Landesliga in der Saison 2013/2014, betont Kummer: „Gerade vor dem Hintergrund, dass bei uns im Verein kein Geld fließt, wir uns also keine Mannschaft zusammenkaufen. 70 Prozent unserer Akteure aus der Meisterelf kamen aus der eigenen Jugend. Wir setzen auf unseren Nachwuchs, auf ehrgeizige und talentierte Garbsener Kicker. Und auf Tugenden wie Spaß und gute Gemeinschaft. Aus meiner Sicht ist das der einzig gesunde Weg im Amateurfußball.“

Nach zwei Spielzeiten in der Landesliga ging es für den TuS wieder zurück in den Bezirk. Seinem aktuellen Team, in dem noch einige Aufstiegshelden von einst wie Justin Fehder, Tobias und Dustin Quast am Ball sind, traut Kummer den erneuten Sprung auf Landesligaebene unbedingt zu. Vor dem Saisonabbruch führten die Grün-Weißen das Klassement der Staffel 4 an.

Der Kontakt von Kummer zu seinem langjährigen Kapitän Dobravsky ist nie abgebrochen, obschon der Führungsspieler den TuS berufsbedingt vor elf Jahren verließ. Einige der legendären Pokalsieger von 2008 sind noch im näheren Blickfeld am Ball: Sascha Pohl und die Hepner-Brüder etwa kämpfen jetzt für Kreisligist Lohnder SC 96 um Punkte. Und Marc Windhorn ist Torwarttrainer beim TSV Havelse.

Das Pokalfinale mit allem Drum und Dran haben die Beteiligten noch so gut im Kopf, als wäre es gestern gewesen. Ein Spielervater – der Vater von Christopher Hilbert – hielt das Endspiel mit seiner Videokamera fest. „Mir ist letztens diese DVD in die Hände gefallen“, erzählt Dobravsky – „allerdings habe ich keinen DVD-Player mehr.“ Aber er werde Abhilfe schaffen und sich nun schnellstens ein Gerät anschaffen, um ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen. Sei die Qualität auch noch so schlecht, die selbst gebrannte DVD von damals ist ein wohlgehüteter Schatz. Und die glänzende Pokaltrophäe hat einen Ehrenplatz in der Vereinsgaststätte des TuS Garbsen.