14. Mai 2021 / 11:44 Uhr

TV-Experte Meijer über Wolfsburg-Knipser-Weghorst: "Wout ist mehr Goalgetter, als ich es je war"

TV-Experte Meijer über Wolfsburg-Knipser-Weghorst: "Wout ist mehr Goalgetter, als ich es je war"

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Lobt den VfL Wolfsburg und Wout Weghorst: Ex-Profi Erik Meijer.
Lobt den VfL Wolfsburg und Wout Weghorst: Ex-Profi Erik Meijer.
Anzeige

Erik Meijer - der 51 Jahre alte Ex-Profi ist als Experte Kult und wird für seine Analysen geschätzt. Im SPORTBUZZER-Interview schaut er auf den VfL Wolfsburg und auf seinen Landsmann Wout Weghorst - und erinnert sich gern an gemeinsame Tage mit Jörg Schmadtke.

Erik Meijer - er ist Metzgermeister, hat mal für die holländische Nationalmannschaft gespielt und war Profi in der Fußball-Bundesliga. Danach machte er Karriere als TV-Experte bei Sky. Seine Analysen werden geschätzt. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Fußball-Experte über seinen Landsmann und VfL-Torjäger Wout Weghorst, den Wolfsburger Höhenflug und gemeinsame Tage mit VfL-Manager Jörg Schmadtke bei Alemannia Aachen.

Anzeige

Herr Meijer, Frank de Boer hat gerade im niederländischen Frühstücksfernsehen mit der Aussage überrascht, dass er mit dem VfL-Angreifer Wout Weghorst für die EM plant. Mit Verlaub: Hat man in den Niederlanden endlich verstanden, dass Weghorst ein richtig guter Torjäger ist?

Ich denke, dass im Sommer 2018, als Wout von Alkmaar nach Wolfsburg gewechselt ist, einige Leute bei uns in den Niederlanden ein bisschen darüber geschmunzelt und sich die Frage gestellt haben: Was will der eigentlich in der Bundesliga?

Mehr zum VfL Wolfsburg

Gehörten Sie auch zu diesen Menschen?

Nein. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass das gut passen könnte.

Was hat Sie da so sicher gemacht?


Schauen Sie sich ihn doch an. Er hat einen guten Charakter, ist groß, physisch stark und er kann gut Fußballspielen. Auch mit dem Rücken zum Tor ist er gut. Viel wichtiger aber noch: Wout ist torgeil. Deshalb habe ich gedacht, dass das mit Wout und Wolfsburg funktionieren könnte. Und allmählich merkt man in den Niederlanden, dass der Wout Weghorst jetzt nicht mehr der Wout Weghorst ist, der damals bei Heracles Almelo und AZ Alkmaar gespielt hat, sondern dass er sich weiterentwickelt hat.

Kennen Sie ihn eigentlich persönlich?

Nein, aber das macht es mir einfacher, eine Analyse abzugeben. Denn ich sage, was ich sehe. Und das, was ich bei ihm sehe, ist einfach gut und wird immer mehr zu einem Top-Paket. Weghorst hat in seiner ersten Bundesliga-Saison 17 Tore geschossen, im Jahr danach waren es 16 und jetzt steht er bei 20 Treffern. Dass unser Bondscoach jetzt verstärkt auf ihn schaut, ist daher nicht überraschend. Ich finde, Wout hat in diesem Jahr noch mal einen Sprung gemacht.

In welchem Bereich?

Klar hat er in den ersten zwei Jahren in Wolfsburg immer Tore geliefert, aber in diesem Jahr ist er auch ein Spieler, der seinen Kollegen Bälle auflegt. Ich finde, er ist im Wolfsburger System extrem wichtig – auf der einen Seite ist Wout Zielspieler, andererseits ist er einer, über den viele VfL-Angriffe erst starten, weil er sich auch mal fallen lässt. Man sieht, dass er von seinen Kollegen wertgeschätzt wird. Und dass er nicht mehr so oft auf dem Platz durchdreht…(grinsend).

VfL-Manager Jörg Schmadtke und Sie kennen sich aus gemeinsamen Tagen bei Alemannia Aachen. Jüngst hat Schmadtke mal in einem SPORTBUZZER-Interview gesagt, dass Weghorst ihn an Sie erinnere. Schmadtke sagte: „Meijer ist schon ein ähnlicher Typ gewesen – einer, der die Massen bewegen konnte. Nicht unbedingt mit seinen Toren. Was die Tore betrifft, da ist Wout stärker. Aber wenn es um Einsatz und Willen geht, kann man sie vergleichen. Meijer war einer, der ein Stadion mit einer Grätsche in Wallung bringen konnte.“ Hat er Recht?

Das hat Jörg schon sehr gut gesagt. Ja, er hat Recht. Wout ist mehr Goalgetter, als ich es je war. Er macht einfach viel mehr Tore, ist effizienter als ich es früher. Ich war etwas mehr der Teamspieler, weil ich mit vielen Spielern zusammengespielt habe, die einfach besser waren als ich. Ob das ein Ronaldo in Eindhoven, Michael Owen und Robbie Fowler in Liverpool oder Ulf Kirsten in Leverkusen waren – ich hatte immer einen Torjäger neben mir, da musst du dich halt anpassen. Wout ist dieser Torjäger – einer, den auch die ganz kleinen Fans schon lieben. Wenn du ein Kind fragst, welches Trikot es haben möchte, dann denke ich, dass das Weghorst-Shirt gern genommen wird.

Die Top-Torjäger der Bundesliga-Geschichte des VfL Wolfsburg:

Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. Zur Galerie
Wolfsburgs Legende Roy Präger liegt mit 24 VfL-Bundesliga-Toren auf Platz 11. ©

Sie haben in der Premier League gespielt: Raten Sie ihm auch zum Schritt auf die Insel?

Anzeige

Ganz generell ist ein groß gewachsener Stürmer, der Tore macht, überall gefragt. Ich glaube, Wout möchte gern Champions League spielen – und das am liebsten mit Wolfsburg. Beim VfL weiß er, was er hat. Da weiß er, dass das System auf ihn zugeschnitten ist. Natürlich hast du als Profi immer mal wieder den Reiz, dich zu verändern, da zu spielen, wovon du vielleicht schon als Kind geträumt hast. Ich wollte immer schon mal in England spielen. Und bei Wout ist das nicht anders. Ich vermute: Wenn eine richtig gute Anfrage kommt, bekommt er weiche Knie.

Also Premier League und Weghorst – das könnte passen?

Ja, das denke ich schon. Ich denke, er könnte sich da behaupten. Vielleicht reicht es nicht für die Top-Vier, aber danach gibt es sehr viel Platz für einen wie Weghorst in dieser Liga. Aber wie gesagt: Erst einmal sollte er noch in Wolfsburg bleiben.

Mit dem VfL klopft Weghorst als Tabellendritter ans Tor zur Champions League – Hand aufs Herz: Hätten Sie den VfL vor der Saison so weit oben erwartet?

Nein! Aber wir haben ja im Oktober, November schon gesehen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Plötzlich passten die Puzzleteile, der VfL hat eine starke Defensive, mit Jungs drin, die auch vorn gefährlich sein können. Im Mittelfeld haben sie Maximilian Arnold, der eine Hammer-Saison spielt, der mit Xaver Schlager einen starken Nebenmann hat – und vorn haben sie eben Wout als Anspielstation und Goalgetter.

"Ich schätze Schmadtke sehr, obwohl er Torwart war…"

Wie gut ist Ihr Draht noch zu Schmadtke?

Wenn man sich sieht, ist es immer gesellig. Seine Frau und meine Frau kennen sich auch gut. Aber weil jeder seine beruflichen Dinge zu erledigen hat, haben wir nicht jeden Tag Kontakt zueinander. Dennoch: Ich schätze ihn sehr, obwohl er Torwart war… (lacht).

Was wollen Sie damit sagen?

Torhüter sind immer anders. Sie schauen immer, dass ihre Sache gut funktioniert, dass der Strafraum und das Tor sauber bleiben. Jörg war und ist ein Perfektionist. Er versucht, seine Aufgaben bis ins Detail gutzumachen und will nicht, dass sich da jemand anderes einmischt. Er selbst macht das bei anderen aber auch nicht.

Schauen wir kurz vorm Saisonende noch auf die Tabelle: Wer zieht neben den Bayern und Leipzig in die Champions League ein?

Wolfsburg und Dortmund.

Frankfurt ist also raus aus dem Rennen?

Ja, das ist zwar schade, aber ich glaube: Dortmund hat spätestens mit dem Sieg am Wochenende gegen Leipzig Blut geleckt. Sie werden das, wie der VfL auch, schaffen.