11. September 2020 / 08:00 Uhr

TV-Gelder: Ex-DFL-Boss Andreas Rettig plädiert für Revolution in Bundesliga und Champions League

TV-Gelder: Ex-DFL-Boss Andreas Rettig plädiert für Revolution in Bundesliga und Champions League

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Andreas Rettig war von 2013 bis 2015 Geschäftsführer der DFL.
Andreas Rettig war von 2013 bis 2015 Geschäftsführer der DFL. © imago images / Philipp Szyza / Montage
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Nach Ansicht des ehemaligen DFL-Chefs Andreas Rettig könnte der Wettbewerb in der Bundesliga durch einen neuen Verteilungsschlüssel für die TV-Gelder wieder erhöht werden. Dabei bezieht er sich auch auf durch die Champions League generierte Einnahmen.

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Der ehemalige DFL-Boss Andreas Rettig plädiert für eine drastische Änderung bei der Verteilung der TV-Gelder in Bundesliga und Champions League. Besonders mit Blick auf die Königsklasse käme der Vorschlag des 57-Jährigen einer Revolution gleich. "Die jetzige Regelung – von der in erster Linie die Großen profitieren – ist Gift für die nationalen Wettbewerbe. Sie bringt Serienmeister wie Bayern, PSG oder Juventus hervor. Das viele Geld, das ein Klub dort verdienen kann, ist ein falscher Anreiz. Und falsche Anreize führen zu einer Hasardeur-Mentalität", sagte Rettig im SPORTBUZZER-Interview: "Die Gelder sollten an die nationalen Verbände insgesamt bezahlt werden und nicht an die teilnehmenden Klubs. Davon würde die Breite in jedem Land profitieren, das gesamte Niveau würde steigen – und damit die Spannung."

Dabei ist dem ehemaligen Bundesliga-Manager bewusst, dass ein solches Modell, bei dem jeder Verein einer nationalen Liga von den internationalen Erfolgen eines Konkurrenten finanziell profitieren würde, unter den gegebenen Umständen nur schwer umsetzbar wäre. "Klar ist, dass die Kleinen international fast keine Lobby haben. Die ECA (Interessenvertretung der europäischen Fußballvereine, Anm. d. Red.) ist aus der G-14 entstanden, da haben sich die großen Klubs formiert und gut aufgestellt – und haben am Ende ihre Interessen durchgesetzt. Ein Gegengewicht fehlt. Das heißt, die kleineren Vereine müssten lauter werden, aber auch die Fans. Und da tut sich ja teilweise auch schon was."

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Auch in Bezug auf die Bundesliga regt Rettig für eine größere Chancengleichheit Veränderungen an und schlägt eine Lösung vor. "Wir dürfen nicht nur nach dem Tabellenplatz schauen, nicht nur danach, welche Mannschaften oben stehen. Wir müssen fragen, wie viel Kapital für welche Punkteausbeute eingesetzt wird. Ich sage ganz klar: Leistung muss sich lohnen. Und damit meine ich nicht die Leistung, wer am meisten Geld einsammelt. Trainerarbeit, Managerarbeit, das muss stärker belohnt werden. Es bräuchte also eine Kennziffer, die anzeigt, was ein Punkt kostet. Dann würde übrigens wirklich jeder Punkt zählen."

Die Umsetzung eines solchen Systems müsste die Deutsche Fußball Liga (DF) forcieren. "Die DFL hat alle Zahlen, alle Personalkosten. Leistung muss vergleichbar werden – und dann belohnt werden. Ich wünsche mir dringend, dass das Umdenken, das hier und da in den Raum gestellt wird, auch mal stattfindet. Es braucht jetzt einen Grundsatzbeschluss, wie man schrittweise mehr Wettbewerbsgleichheit herstellen kann. Nicht nur für die nächsten vier Jahre, sondern darüber hinaus", erläuterte Rettig: "Die Verteilung muss langfristig ausgeglichener werden, über einen Zeithorizont von zehn bis 15 Jahren. Und dieser Wille muss da sein, damit wir dahin kommen, wo wir mal waren: nämlich bei gleich großen Kuchenstücken."