11. November 2020 / 07:58 Uhr

"Nie damit gerechnet": Badenstedter A-Juniorinnen fiebern Zwischenrunde entgegen

"Nie damit gerechnet": Badenstedter A-Juniorinnen fiebern Zwischenrunde entgegen

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Freude pur:
 Die A-Juniorinnen des TV Hannover-
Badenstedt jubeln nach dem Sieg gegen Bad Schwartau.
Freude pur: Die A-Juniorinnen des TV Hannover- Badenstedt jubeln nach dem Sieg gegen Bad Schwartau. © Jörg Zehrfeld
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Mit einer ganz jungen Mannschaft hat die weibliche A-Jugend des TV Hannover-Badenstedt noch kurz vor dem Lockdown sensationell die Zwischenrunde der Bundesliga erreicht. "Wir hätten nie damit gerechnet", sagt Trainerin Nadine Große, die bereits voller Vorfreude auf die Duelle mit großen Namen im Januar ist.

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Nach vergeblichen Anläufen in den beiden vergangenen Jahren hat die weibliche A-Jugend des TV Hannover-Badenstedt endlich wieder den Sprung in die Bundesliga-Zwischenrunde geschafft. Im entscheidenden Gruppenspiel gab es zwei Tage vor dem Lockdown ein 24:22 gegen den VfL Bad Schwartau, nachdem die Mannschaft von Nadine Große kurz vor Schluss noch mit 21:22 in Rückstand gelegen hatte.

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In einem Kraftakt machte der TVB sogar den Ausfall Carolin Werners wett, die eine Woche zuvor in Schwerin einen Kreuzbandriss erlitten hatte. Vor im Oktober noch erlaubten 70 Fans in der Halle am Salzweg explodierte nach dem Abpfiff die Stimmung. Die Spielerinnen schrien ihre unbändige Freude heraus. „Wir hätten nie damit gerechnet weiterzukommen“, sagt die Trainerin.

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Bis auf vier ihrer Mädchen sind alle anderen noch B-Jugendliche. Die Gegnerinnen waren damit im Schnitt zwei Jahre älter. In dieser Altersstufe eine Welt. „Wir wollten aber unbedingt in der Bundesliga starten“, verrät Große. Mit Nieke Kühne, Merja Wohlfeil (beide U16) und Emma Reinemann (Beach) gibt es zwar drei Nationalspielerinnen im Kader, aber keine Stars.

Dafür lebt die Mannschaft von ihrer Ausgeglichenheit. Alle Spielerinnen sind individuell sehr stark und machen auf dem Feld viele verrückte Sachen. Die Trainerin hat in jedem Spiel die Qual der Wahl. „Das ist für mich echt cool“, freut sich Große. Auch wenn es für die Mädels natürlich nicht so schön sei, wenn sie mal nicht spielen dürfen.

Sportinternat als großer Vorteil

In jeder Einheit geben alle Vollgas, und auch außerhalb des Spielfeldes investieren die Mädchen viel für den Handball. So sind Mieke Kühne und Emma Reinemann aus Northeim beziehungsweise Wolfsburg nach Hannover gezogen, um das Sportinternat besuchen zu können. „Durch den Stützpunkt haben wir eine Super-Unterstützung. Es ist ein Vorteil, weil wir im Verein nur Nachmittagstraining anbieten können“, sagt Große.

Mit Standorten wie Buxtehude und Dortmund könne sich der TVB wegen der fehlenden Bundesliga-Mannschaft zwar längst nicht vergleichen, aber trotzdem wird in Badenstedt seit vielen Jahren eine überragende Nachwuchsarbeit geleistet. Hinter den aktuellen Erfolgen der A-Jugend steht auch ein sehr engagiertes Funktionsteam. Co-Trainerin Janina Thiemann ist die perfekte Ergänzung zu Nadine Große. Nicht zu vergessen Jolanda Bombis-Robben. Die Mentaltrainerin ist Großcousine des Fußballstars Arjen Robben. „Gerade in Corona-Zeiten ist ihre Arbeit Gold wert“, betont Große.

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In der Zwischenrunde, die Ende Januar beginnen soll, warten jetzt der HC Leipzig und Bayer Leverkusen. Da käme das Erreichen des Viertelfinales einer Sensation gleich. Schade sei es, dass dann keine Fans dabei sein dürfen. Erinnerungen werden wach an 2014, als der TVB vor 250 Fans am Salzweg den Einzug ins Final Four der Deutschen Meisterschaft perfekt machte.

Leider erhöht der Lockdown nicht die Chancengleichheit. Nach der Einschätzung des Deutschen Handballbundes soll die Jugend-Bundesliga dem Profisport gleichgesetzt sein, zumindest in Niedersachsen gilt diese Regelung noch nicht. In Leverkusen und Leipzig dürfen die Talente dagegen in der Bundesliga-Trainingsgruppe da­bei sein. Den Spaß lassen sich die Badenstedterinnen trotzdem nicht nehmen. „Aber die Mädels können das genießen und werden daran wachsen“, sagt Große.