16. April 2020 / 17:51 Uhr

Sie dürfen wieder nicht hoch: Coronavirus stoppt Badenstedts Handballfrauen

Sie dürfen wieder nicht hoch: Coronavirus stoppt Badenstedts Handballfrauen

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Handballerinnen des TV Badenstedt-Hannover.
Die Handballerinnen des TV Badenstedt-Hannover. © Zehrfeld
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Sportlich ist der Aufstieg für die Handballerinnen des TV Badenstedt-Hannover in die 2. Liga zum Greifen nah. Doch die aktuelle Corona-Pandemie macht der Riege einen Strich durch die Rechnung.

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Am Mittwoch ist der Stichtag für die Abgabe der Lizenzunterlagen für die 2. Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) gewesen. Der TV Hannover-Badenstedt hat als Tabellenführer der 3. Liga Nord nach absolvierten 17 von 22 Spieltagen bis zur Unterbrechung der Saison Mitte März sportlich absolut seine Hausaufgaben gemacht.

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Und doch verzichtete der Vorstand darauf, die Dokumente einzureichen. „Auf welcher Grundlage hätten wir es machen sollen?”, fragt Uwe Lehmann, Geschäftsführer der Badenstedter Spielbetriebsgesellschaft. Noch Ende 2019 wähnte er den Verein auf einem guten Weg bei der Sponsorensuche, um einen möglichen Aufstieg wahrnehmen zu können.

Corona-Krise macht dem TV Hannover-Badenstedt einen Strich durch die Rechnung

Die Corona-Krise machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. „Es wäre ein unwägbares Risiko gewesen. Wenn wir es trotzdem gewagt hätten, hätten wir die Saison wohl kaum überstanden“, sagt Lehmann – und gibt zu: „Das tut schon weh.” Bis zuletzt hoffte der 63-Jährige auf eine Lösung. Vergebens. Nach Ostern musste er der Mannschaft mitteilen, dass – wie schon im vergangenen Jahr – nichts aus dem Aufstieg wird. „Die Spielerinnen haben es gefasst aufgenommen”, berichtet der Geschäftsführer.

Bilder vom Spiel der 3. Handball-Liga Nord zwischen dem TV Badenstedt und dem Hannoverschen SC

Volle Körperkontrolle beim Abschluss von Badenstedts Marie Kristin Gerber. Zur Galerie
Volle Körperkontrolle beim Abschluss von Badenstedts Marie Kristin Gerber. ©

Für Trainer Christian Hungerecker ist die Entscheidung nachvollziehbar: „Es ist ein existenzielles Problem. Außerdem geht es nicht nur uns so.“ Auch die Tabellenführer der Staffeln Ost (Germania Fritzlar) und West (TV Aldekerk) hatten bereits eine Woche vor Ostern den Aufstiegsverzicht erklärt.

Hungerecker befürchtet, dass der Frauenhandball der große Virus-Verlierer sein könnte und es „bei vielen Vereinen an die Existenz geht“. Der Coach räumt ein, dass seine Mannschaft von der abrupten Unterbrechung der Saison durchaus noch angegriffen sei, die Situation aber mittlerweile richtig einschätzen könne.

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Ob es allerdings gelingen wird, Topspielerin Mia Lakenmacher zu halten, vermag der TVB-Trainer nicht einzuschätzen: „Mia hat etliche Angebote, aber bei den anderen Klubs hat sich die Situation auch geändert.“

In jedem Fall erwartet Hungerecker im Sommer Bewegung auf dem Transfermarkt. Badenstedts Trumpf könnte sein, dass sich die Jugendnationalspielerin („Eine Runde um den Maschsee geht schon wieder ohne Probleme“) nach ihrem Kreuzbandriss noch im Aufbautraining befindet.

Hungerecker: "Wir greifen wieder an!"

Nachdem sich bereits im März die HBF sowie vergangene Woche auch der Handballverband Niedersachsen positioniert haben, erwartet Hungerecker vom Deutschen Handballbund (DHB) die längst überfällige Entscheidung, wie die aktuelle Saison gewertet wird. Obwohl sicher scheint, dass der Ball im Ligabetrieb nicht mehr fliegen wird, hat der DHB die Spielzeit für die 3. Liga immer noch nicht für beendet erklärt.

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Auch die Verantwortlichen der HBF spielen für Lehmann keine glückliche Rolle, denn trotz der negativen wirtschaftlichen Folgen von Corona wurde am Lizenzierungstermin starr festgehalten. „Es kommen wenig Zugeständnisse”, ärgert sich Lehmann, dessen Wunsch eine Verlängerung der Frist bis zum 15. Mai, dem Meldeschluss für die 3. Liga, gewesen wäre. Zeit, die den Vereinen möglicherweise geholfen hätte.

So steht Badenstedt vor einem weiteren Jahr in Liga drei. Der Trainer gibt sich trotzig: „Wir greifen wieder an. Das sind wir unseren Talenten schuldig.“