14. Februar 2020 / 09:47 Uhr

TV-Ikone Reinhold Beckmann sieht „Mini-Chance" für Werder gegen RB Leipzig

TV-Ikone Reinhold Beckmann sieht „Mini-Chance" für Werder gegen RB Leipzig

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Glaubt an eine Chance für Werder Bremen gegen RB Leipzig: TV-Moderator Reinhold Beckmann.
Glaubt an eine Chance für Werder Bremen gegen RB Leipzig: TV-Moderator Reinhold Beckmann. © imago images / Stephan Wallocha
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Reinhold Beckmann brennt seit seiner Kindheit für Werder Bremen. LVZ-Sportbuzzer traf sich mit dem TV-Journalisten. Der Sport1-Experte hofft auf einen Sieg der Grün-Weißen gegen RB Leipzig. Zudem baut er auf die göttliche Rettung durch Werder Bremens Superstar Claudio Pizarro.

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Leipzig/Hamburg. 8.Mai 1965, Bremer Weserstadion. Reinhold Beckmann ist 30 Kilometer von Bremen entfernt aufgewachsen, neun Jahre alt, sitzt auf dem Schoß seines Vaters und guckt Bremen gegen Dortmund. Es ist Liebe auf den ersten Blick. „An diesem Tag hat sich mein Leben verändert“, sagt Beckmann knappe 55 Jahre später. Torschützen des Bremer 3:0 am vorletzten Spieltag? „Matischak, Klöckner, Zebrowski. Der berühmt, berüchtigte Tschenscher hat gepfiffen. Werder war damit Meister.“ Der TV-Journalist, Musiker und Sport1-Experte, 63, über sein schwer angeschlagenes Herzblatt Werder, das am Sonnabend, 15.30 Uhr, bei RB Leipzig antritt.

Herr Beckmann, was verleiht Ihnen Zuversicht für Sonnabend?

Es gibt eine Mini-Chance, wenn Leipzig Bremen brutal unterschätzt. Und außerdem ist es ein Spiel, das nicht im Weserstadion stattfindet. Bremen tut sich auswärts ein wenig leichter, in den Heimspielen dagegen geht gar nichts mehr. Nur ein Sieg. Die Heimspiele sind von seltsamer Schwere und Emotionslosigkeit, die Spieler wirken wie paralysiert, haben größte Schwierigkeiten, sich Torchancen zu erspielen.

Wurde Platz acht in der Vorsaison falsch einsortiert?

Platz acht war eigentlich ein Aufruf zu besseren Zeiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Werder viele knappe Spiele auf seine Seite gezogen, auch Spielglück hatte.

Krise ohne Kruse?

Max Kruse war ein wesentlicher Faktor. Er hat das Stadion angeschoben, war immer für ein Tor gut, hat seine Kollegen besser gemacht. Er wollte einen Zweijahres-Vertrag und mehr Geld. Werder wollte nur ein Jahr verlängern. Schade, dass er nicht mehr in Bremen spielt. Kruse hätte auf Jahre hinweg eine der prägenden Persönlichkeiten sein können, für die Werder ja immer stand. Verlässliche Typen wie Bratseth, Rufer, Votava, Bode, Burdenski, Schütz oder Höttges.

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Andere Vereine hätten den Trainer wahrscheinlich schon vor die Tür gesetzt. Ist der Bremer Weg mit Florian Kohfeldt ein besonderer und unendlich?

Kohfeldt ist für Werder viel mehr als ein Trainer. Er ist das junge, sympathische und selbstbewusste Aushängeschild des Zukunftsmodells Werder Bremen. Er ist Kadermanager, Visionär, treibt strukturelle Entwicklungen nach vorne, ist für die Außendarstellung zuständig. Das Ganze hat auch eine finanzielle Komponente, Kohfeldts Vertrag läuft bis 2023.

Was waren Ihre schönsten Zeiten als Werder-Fan?

Werder steht nicht umsonst auf Platz drei der ewigen Bundesliga-Tabelle. Es gab unter Otto Rehhagel und Thomas Schaaf eine lange Erfolgsgeschichte. Und damals gab es noch keine zwölfseitigen Matchpläne, wurden keine Zettel aufs Spielfeld gereicht. Otto war einmalig. Er hat die Spieler mit Wahnsinnsstorys unterhalten, ihnen Verantwortung übertragen, sie wachsen und in einen Rausch spielen lassen. Heute schleppen Spieler oftmals einen Rucksack an taktischen Aufgaben mit sich rum. Manchmal habe ich den Eindruck, die Spieler sind ein wenig übercoacht.

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Wie nehmen Sie RB Leipzig wahr?

Ich mag den Highspeed-Fußball, den sie spielen. Augenblicklich gönnen sie sich ja – Stichwort Frau Forsberg – eine Luxus-Krise. Vielleicht hat ja Uli Hoeneß diesen englischen Friseur nach Frankfurt einfliegen lassen… Ich wünsche mir nach all den Jahren, dass eine Mannschaft, die nicht Bayern München heißt, Meister wird. Das darf gerne auch RB sein.

Julian Nagelsmann?

Großartiger Trainer, irgendwie echt, unterhaltsam und extrem ehrgeizig.

Ralf Rangnick in jung?

Könnte man so sagen, wobei Rangnick nie ein Entertainer war. Ich habe großen Respekt vor Rangnick, er ist ein Fußball-Wissender, ein 24-Stunden-Fußball-Denkender. Interessant wird sein, wie der Verein ohne Rangnicks Netzwerk auskommt. Das Scouting bei RB war bisher ein Wettbewerbsvorteil, die Pipeline immer gut gefüllt mit jungen Klasse-Fußballern.

Wo sehen Sie Timo Werner perspektivisch?

Er wird seinen Lebensabend nicht in Leipzig verbringen, passt mit seinen Fähigkeiten super zu Liverpool, Jürgen Klopp und seinem rasenden Umschaltspiel.

Bleibt Werder drin?

Werder muss drei Mannschaften hinter sich lassen. Und das, was sich gerade bei der Hertha getan hat, gibt mir eine kleine, zarte Hoffnung, dass da noch was gehen könnte. Jürgen Klinsmanns Bundesliga-Karriere wird nach dieser Nummer keine Fortsetzung haben. Ein Totalschaden. Für alle bei Hertha. Und dass der ewige Claudio Pizarro in seiner letzten Saison absteigt, lässt der Fußball-Gott hoffentlich nicht zu.