18. Juni 2019 / 08:39 Uhr

So tickt U21-Matchwinner Marco Richter: Vom Faulpelz zum EM-Helden

So tickt U21-Matchwinner Marco Richter: Vom Faulpelz zum EM-Helden

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Marco Richter erzielt beim EM-Auftakt der deutschen U21 einen Doppelpack gegen Dänemark.
Marco Richter erzielt beim EM-Auftakt der deutschen U21 einen Doppelpack gegen Dänemark. © dpa
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Für die deutschen Junioren-Nationalmannschaften war Marco Richter lange Zeit kein Thema – auch, weil er als faul galt. Er verzichtete aufs Frühstück, um länger zu schlafen. Doch eine Lebensumstellung und seine Bolzplatzmentalität sorgten dafür, dass der Profi des FC Augsburg zur entscheidenden Figur beim 3:1 zum Auftakt der U21-EM gegen Dänemark werden konnte.

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Selbst dem Man of the Match gestattete die UEFA keine Ausnahme. Auch Marco Richter musste den offiziellen Spieler-Ausgang in Richtung Mannschaftsbus nehmen, vorbei an den vielen Journalisten, die nur auf ihn warteten. Richters Familie und die Freundin hatten das Nachsehen. "Leider – sie waren hier im Stadion", sagte der U21-Nationalspieler, der als Doppeltorschütze und Vorlagengeber maßgeblichen Anteil am 3:1-Sieg beim deutschen EM-Auftakt gegen die Auswahl Dänemarks hatte.

Immerhin hatte der 21-Jährige seine Liebsten bereits direkt nach dem Spiel auf der Tribüne treffen können. Das führte zwar dazu, dass die Journaille eben nochmal etwas länger auf ihren Protagonisten warten musste. Richter im ARD-Hörfunk: "Sie haben alle nur gegrinst."

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Jonathan Tah, Maximilian Eggestein, Mahmoud Dahoud und Alexander Nübel stehen im finalen EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.  ©
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Als er endlich auch in der Mixed Zone aufgeschlagen war, ergab sich – natürlich – ein ähnliches Bild; diesmal war es der Offensivmann des FC Augsburg selbst, der nach besten verbliebenen Kräften strahlte. So wirklich glauben konnte er das, was sich an diesem Montagabend im Stadio Friuli in Udine ereignet hatte, alles noch nicht. Seinen ersten Einsatz bei einem Turnier, seine ersten Pflichtspieltreffer für die Nationalmannschaft – einfach seine ganze Entwicklung.

Doch wer ist dieser Typ überhaupt? "Klar ist Marco Richter noch etwas unbekannt", erklärte er, "aber ich will natürlich auch auf mich aufmerksam machen bei so einem Turnier." Dabei ist es gerade mal eineinhalb Jahre her, dass er noch regelmäßig in der Regionalligatruppe des FCA spielte.

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Für Junioren-Nationalteams wurde er, bis auf einmal für die U20 nach seinem Bundesligadurchbruch gegen Ende 2017, nie eingeladen. "In der Kreisauswahl habe ich früher mal gespielt, aber ansonsten war ich in solchen Teams nie groß gefragt", erinnert er sich. Dass er noch ein "das hier war schon immer ein Traum" hinterher schiebt, könnte man als erwartbar erachten – doch bei ihm, dem Spätstarter, wirkt es irgendwie anders: echt.

Manuel Baum war sein Förderer

Er hat sich dieses Erlebnis hart erarbeitet. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Richter als faul galt; aufs Frühstück verzichtete er lieber, um zehn Minuten länger schlafen zu können. Und den Kraftraum? Den mied er so gut es ging. Seitdem er jedoch von seinem Förderer Manuel Baum, der ihn schon im Augsburger Nachwuchsleistungszentrum unter seine Fittiche genommen hatte, zu den Profis hochgezogen wurde, nimmt er geregelte Mahlzeiten ein und arbeitet beständig an seiner Fitness. "Und das war nicht leicht, das weiß ich", sagt U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz anerkennend.

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Der 56-Jährige hat sich in der letzten Zeit oft mit Richter ausgetauscht. "Wir haben eine interne Story." Als der Junioren-Nationalspieler im März beim 2:1-Sieg gegen England nicht zum Einsatz kam, hatte er Rückschlüsse auf seine Chancen für eine EM-Nominierung gezogen und war enttäuscht. "Wir haben dann Kontakt zu ihm aufgenommen, nachdem ich gehört hatte, dass er wohl alles abgeschrieben hat", berichtete Kuntz. Richter hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Saisontor erzielt.

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Richter mit Bolzplatzmentalität

Doch dann platzte der Knoten. Am 29. und 30. Spieltag gelang ihm jeweils ein Doppelpack. "Er hat in Augsburg einen klasse Schlussspurt hingelegt, das war überragend", lobt der DFB-Coach, der vor allem die Bolzplatzmentalität Richters schätzt. Warum er so lange etwas unter dem Radar der besten deutschen Nachwuchsspieler geflogen ist, das müsse man die Trainer der jeweiligen Mannschaften fragen, scherzte Richter. Übrigens, der DFB hat sich dieser Tage Verstärkung in Person eines neuen U20-Nationaltrainers ins Haus geholt: Manuel Baum. Vielleicht gibt es da draußen ja noch viel mehr Marco Richters.

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