27. Juli 2020 / 19:27 Uhr

"Selbst die Bundestrainer waren verblüfft": Zwei DRC-Talente qualifizieren sich für U23-EM

"Selbst die Bundestrainer waren verblüfft": Zwei DRC-Talente qualifizieren sich für U23-EM

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Aaron Erfanian (links) und Lena Osterkamp (rechts) posieren mit Stützpunkt-Coach Thorsten Zimmer. 
Aaron Erfanian (links) und Lena Osterkamp (rechts) posieren mit Stützpunkt-Coach Thorsten Zimmer.  © Julius Peschel
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Lena Osterkamp und Aaron Erfanian vom DRC Hannover haben das Ticket für die U23-Ruder-Europameisterschaft in Duisburg gelöst. Vor allem Osterkamp hinterließ mächtig Eindruck.

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Lena Osterkamp hat keiner so richtig auf dem Schirm gehabt in Hamburg. Immerhin war die 22-jährige Ruderin gerade erst in ein anderes Boot umgestiegen. Vom Zweier mit Riemen nämlich, also nur einem Ruder, in den Einer mit Skulls – zwei Rudern. Bei der nationalen Leistungsüberprüfung auf der Regattastrecke in Allermöhe fuhr Osterkamp ins A-Finale und auf Position drei.

Damit löste die Athletin vom DRC Hannover das Ticket für die U23-Europameisterschaft in Duisburg (4. bis 6. September). „Mit diesem tollen Ergebnis haben wir nicht gerechnet, sogar die Bundestrainer waren verblüfft“, sagte Thorsten Zimmer, Coach am Bundesstützpunkt in Hannover. Aus ei­nem DRC-Quintett schafften zwei die EM-Qualifikation.

Erfanian lässt es erst gefährlich langsam angehen

Schon im Vorlauf hatte Osterkamp eine der Favoritinnen hinter sich gelassen, im Finale drehte sie richtig auf. „Lena war dicht dran an den Siegerinnen“, lobte Zimmer. Am Mittwoch trifft sich der deutsche U23-Kader in Leipzig, dann geht es um die Besetzung der Boote. Die Gewinner von Hamburg sind im Einer gesetzt, die weiteren Crews für die anderen Bootsklassen werden dann ermittelt.

Mit dabei ist dann auch Aaron Erfanian aus Hannover, der es im Vorlauf allerdings gefährlich langsam angehen ließ. Im Finale wählten er und Zimmer eine andere Taktik mit deutlich mehr Risiko. „Gleich voll raus, die Gegner schocken, einfach durchpowern und hoffen, dass es reicht“, so Zimmer. Mit Rang zwei in seinem ersten U23-Jahr überzeugte Erfanian voll.

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Engelbracht ist Trainingsrückstand anzumerken

Erfanian, U19-Europameister von 2019 im Doppelzweier, ließ im Vorlauf unter anderem DRC-Vereinskamerad Malte Engelbracht hinter sich. Der wurde im B-Finale Zweiter und enttäuschte nicht. „Im Gegenteil, das war technisch sehr gut. Aber der Trainingsrückstand war Malte anzumerken“, so Zimmer. Weil für die Ansetzungen der ersten Läufe lediglich die letzten Ergometerresultate berücksichtigt wurden, hatten zwei weitere DRC-Weltmeister einen schweren Stand.

Ryan Smith und Leon Knaak, die im letzten Jahr im deutschen U19-Achter triumphiert hatten, sind eher schwach auf dem Ergometer. Daher bekamen sie bei ihrem Einstand in der neuen Altersklasse sehr starke Konkurrenz vorgesetzt und erreichten im Zweier nur das C-Finale, das sie jedoch für sich entschieden. „Sie haben gute Rennen gefahren, ihre Zeit war auch sehr gut. Von daher können sie zufrieden sein“, betonte Zimmer.

"Viele merken, dass sie hier ganz anders Gas geben müssen"

Die U23 gilt sozusagen als Haifischbecken der Ruderer, die Konkurrenz ist enorm und der Druck groß. Etliche Talente steigen aus, die vorher große Erfolge gefeiert haben. „Viele merken nach einem Bauchklatscher, dass sie hier ganz anders Gas geben müssen“, so Zimmer. Für die Ruderer war es der erste Auftritt in diesem Jahr, im Herbst könnte noch eine norddeutsche Meisterschaft folgen. Die Rudersaison ist ohnehin kurz und in diesem Jahr durch die Corona-Krise noch kürzer. „Es war daher schon wichtig, überhaupt mal wieder unter Wettkampfbedingungen zu fahren“, sagte Zimmer.