23. April 2019 / 17:39 Uhr

Über 4400 Fans von RB Leipzig auf dem Weg nach Hamburg

Über 4400 Fans von RB Leipzig auf dem Weg nach Hamburg

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Im Fanbus nach Hamburg herrscht Bomben-Stimmung.
Im Fanbus nach Hamburg herrscht Bomben-Stimmung.
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Dienstag Mittag haben sich über 4400 Fans von RB Leipzig in zahlreichen Bussen auf den Weg in den Hohen Norden gemacht. Ihr Ziel: das DFB-Pokal-Halbfinale gegen den Hamburger SV. Es winkt das Finale in Berlin

Leipzig/Hamburg. Die Mannschaft von RB Leipzig steht kurz vor ihrem ersten Halbfinale im DFB-Pokal in der noch jungen Vereinsgeschichte. Die Spieler sind heiß auf die Partie im Hamburger Volksparkstadion – nur der HSV steht dem Traum vom Finale im Berliner Olympiastadion noch im Weg.

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Mindestens genauso motiviert wie die Spieler zeigen sich auch die Fans. 4400 von ihnen reisen ihren Stars und Idolen in die Hansestadt hinterher, um sie hier lautstark zu unterstützen – und natürlich siegen zu sehen.

14.00 Uhr

Anpfiff der Fanreise für einen Großteil der Leipziger Schlachtenbummler. In knapp 20 Bussen machen sich Tausende Fans in rot-weißen Outfits, bewaffnet mit Schals, Bannern und Fahnen ihrer Rasenballer, auf den Weg. Zehn der Busse werden von den Leipziger Verkehrsbetrieben gestellt, in denen zahlreiche Fanclubs von „Holy Bulls“ über „Rebellen LE 2.0“ bis zu den „Rolling Bulls Lipsia“ unterwegs sind. Die Fahrt des Inklusions-Fanclubs wurde von RB Leipzig als Verein organisiert. Die Stimmung passt, erste Lieder werden angestimmt, die ersten alkoholischen Kaltgetränke genossen und für die Rückfahrt steht im Kühlschrank bereits der Sekt für die Siegesfeier bereit.

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Die Anhänger besteigen den Reisebus gen Hamburg. Zur Galerie
Die Anhänger besteigen den Reisebus gen Hamburg. © Tilman Kortenhaus

16.20 Uhr

Stau auf der Autobahn, noch kurz vor Hannover. Busfahrer Ingo macht eine besorgte Durchsage: „Wir werden eine Pause einlegen, sobald wir hier durch sind. Hoffentlich sind wir trotzdem pünktlich zum Anpfiff da.“ Bestätigung bei den Fans. Das Spiel möchte keiner verpassen.

16.45 Uhr

Getrennt von den anderen Bussen, im eigenen Tempo unterwegs, fährt auch der Bus der Fangruppe für Fans mit Handicap Richtung Hamburg. Die Pausen der 38 Schlachtenbummler sind etwas länger, insgesamt sechs ehrenamtliche Helfer von den „Freunden“ von RB sind dabei. Viele der Rollstuhlfahrer werden von zusätzlichen Begleitpersonen unterstützt.

Mit an Bord ist auch Heiko Thiem, der als Dolmetscher für Gebärdensprache für einen gehörlosen RB-Fan heute übersetzen wird, was im Stadion gesagt wird. Durchsagen, Wechsel und Fangesange werden von Thiem weitergegeben. Auch alle RB-Stars haben eigene Gebärden bekommen. „Ich bin kein extremer Fan, weiß nicht über alles in der Bundesliga bescheid. Aber ich will schon, dass RB gewinnt“, sagt Thiem, der als einer von drei Dolmetschern bei RB-Heimspielen auch auf der Stadionleinwand zu sehen ist.


18.20 Uhr

Bis zum Anpfiff im Volksparkstadion sind es noch knapp zwei Stunden. Der Bus, in dem auch die „Leipzig Unified Bulls“, der Inklusions-Fanclub der Rasenballer, mitfahren, muss eine weitere Pause einlegen. „Von hier aus sind es dann noch 65 Kilometer – zweite Halbzeit müssten wir schaffen“, scherzt Busfahrer Ingo.

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19.15 Uhr

Der Weg nach Hamburg ist frei, keine Staumeldungen liegen mehr vor und rund eine halbe Stunde vor Anpfiff sollte der Bus am Stadion halten. Die Fans sind bestens drauf. Auch wenn keiner so richtig einen Tipp abgeben möchte, hoffen doch alle auf einen möglichst deutlichen Sieg. „Im Pokal weiß man es nie“, sagt auch Jan Pfeffer, zweiter Vorsitzender der Leipzig Unified Bulls. Seit etwa zwei Jahren ist er bei so vielen Auswärtsfahrten wie möglich dabei. Der 40-Jährige hat M.S. und sitzt selbst im Rollstuhl. „Seit ich im Rollstuhl sitze, habe ich als Fan sogar noch mehr Spiele sehen können“, sagt der Leipziger und lobt die Arbeit des Vereins im Inklusionsbereich.

Fast jedes Stadion der Bundesliga hat Jan Pfeffer bereits gesehen. Bei jedem Spiel sei jemand von ihrem Fanclub vertreten, die Zusammenarbeit mit RB dabei immer vorbildlich. „Umso mehr ich da reingerutscht bin und mitbekommen habe, wie alles organisiert ist und wie wir hier unterstützt werden, desto besser hat mir der Verein gefallen“, sagt Pfeffer. Er sei am Anfang auch skeptisch gewesen, jetzt ist er vom Leipziger Bundesliga-Fußball begeistert.

20.05 Uhr

Das Stadion ist noch nicht in Sicht. In Hamburg staut es sich. Zum Anpfiff wird es langsam knapp und die Fans etwas nervös. Heidi Sabisch ist noch ganz ruhig. Sie ist eine der Gründerinnen des Fanclubs, der seit dem Juli 2016 existiert. Fan von RB ist sie aber schon deutlich länger. Mit dem Aufstiegsspiel in die 3. Liga hatten sich die Rasenballer ihre Aufmerksamkeit gesichert. Inzwischen ist die 63-Jährige in Rente und hilft in dem kleinen Fanclub wo es geht. Vor allem die neue Fanfreundschaft mit Hertha BSC freut Sabisch.

Die Arbeit des Fanclubs und die Zusammenarbeit mit dem Verein halten alle im Bus für vorbildlich. „Da gucken sich alle anderen Vereine was ab“, erzählt Sabisch stolz. Die Dauerkarte sei für viele eine tolle Lösung. Bei Auswärtsfahrten seien aber immer etwas weniger dabei. Oft sind die langen Fahrten gesundheitlich zu belastend oder finanziell nicht erschwinglich. Das drückt die Stimmung aber nicht. Alle freuen sich auf das Spiel, hoffen nur, dass sie es auch von Anfang an erleben dürfen.