04. Mai 2020 / 14:35 Uhr

Über die schönste Nebensache der Welt – Fußball

Über die schönste Nebensache der Welt – Fußball

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Symbolbild Rasen.
Die Frage der Fragen: Was machen wir nun eigentlich mit der angebrochenen Saison? © Getty Images
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In Zeiten der Corona-Krise fällt es schwer den Überblick im Fußballkosmos zu behalten. Jeder Landesverband kocht sein eigenes Süppchen. Fehlende gesetzliche Regelungen machen Entscheidungen nicht leichter. Im Profi- und Amateurfußball geht es rund. Doch solche Szenarien sind keineswegs neu.

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Die schönste Nebensache der Welt bereitet landauf landab momentan mächtig Kopfzerbrechen. Denn die Corona-Krise und seine gravierenden Auswirkungen auf den Sport und insbesondere den Fußball beschäftigen alle Beteiligten in diesen Tagen und Wochen beinahe stündlich. Schlaflose Funktionärs-Nächte inklusive. Und manch einer kann sie wahrscheinlich gar nicht mehr hören – die ständigen Wasserstandmeldungen hinsichtlich einer möglichen Saisonfortsetzung vor allem in den Profiligen.

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Die Termine von Videokonferenzen und möglichen Neustarts überschlagen sich förmlich, den Überblick zu behalten fällt in der Tat alles andere als leicht. Doch auch im Amateurbereich gibt es ständig neue Entwicklungen hinsichtlich der Frage: Was machen wir nun eigentlich mit der angebrochenen Saison? Auf Bundesebene droht ein Flickenteppich, weil jeder Landesverband sein eigenes Süppchen kocht und somit seine eigene Entscheidung treffen wird oder schon getroffen hat.

Klärungsbedarf: Auf- und Abstieg

Fest steht, dass man in Bayern das Spieljahr fortsetzt – wann und wie (Thema Zuschauer) auch immer. Ebenso amtlich ist der Abbruch der Spielserie in Schleswig-Holstein. In anderen Verbänden ist ähnliches zu erwarten. Gerade in denen, wo sich Verband und Vereine darüber im Prinzip einig sind. Woanders sind die Verbände allerdings nach wie vor wankelmütig oder favorisieren sogar eine Weiterführung der aktuellen Saison. Was wiederum bei den Vereinen teilweise auf wenig Gegenliebe stößt beziehungsweise in diesen eine Positionierung noch nicht absolut klar zu erkennen ist. Obendrein gibt es Gebiete, in denen auf beiden Seiten überhaupt noch keine eindeutige Tendenz ersichtlich wird. Der Föderalismus treibt im Fußball momentan wirklich seltsame Blüten.

DURCHKLICKEN: Die Sportplätze rund um Borna ruhen derzeit still.

Zweigeteilte Tribüne des Dr. Fritz-Fröhlich-Stadion in Regis-Breitingen. Zur Galerie
Zweigeteilte Tribüne des Dr. Fritz-Fröhlich-Stadion in Regis-Breitingen. ©

In Sachsen geht es aktuell eher in Richtung Abbruch, wobei jedoch elementare Dinge wie gerade Auf- und Abstieg weiterhin auf ihre Klärung warten. Diesbezüglich machen derzeit mehrere (abenteuerliche) Modelle die Runde, Begriffe aus dem Mathematikunterricht wie Quotienten-Regelung geistern durch die Medien. Es jedem recht zu machen, wird ohnehin garantiert nicht gelingen.

Keine exakten Regelungen

Jetzt fällt es den Verbänden auf die Füße, dass in ihren reichhaltigen Satzungen (speziell in der Spielordnung) keine exakten Regelungen getroffen sind, wie bei einem möglichen Abbruch – oder neudeutsch Auslaufen – des Spieljahres zu verfahren ist. In Paragraph 7 ist lediglich festgehalten, dass eine Saison vom 01. Juli bis 30. Juni des Folgejahres dauert, Ausnahmen sind nur für den Nachwuchsbereich vorgesehen.

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Das in Paragraph 50/Absatz 1 beschriebene Szenario des gesetzlichen Verbots unter anderem wegen höherer Gewalt (Absatz 3 a) schafft ebenfalls keine weiterreichenden Fakten. Eine Gesetzeslücke, welche offensichtlich zu spät erkannt wurde und mit Blick auf die Zukunft einer Schließung bedarf. Auch weil in diesem Zusammenhang immer wieder das Stichwort Entschädigungsanspruch ins Spiel kommt. Klageerhebungen (selbst vor ordentlichen Gerichten) von sich sportlich und/oder finanziell benachteiligt fühlenden Vereinen ist praktisch Tür und Tor geöffnet. Dass ausgefallene Fußballspiele in Größenordnungen eine ordnungsgemäße Beendigung einer Saison vorübergehend gefährden oder sogar verhindern können, ist aus der Vergangenheit auch aus dem näheren Umfeld hinreichend bekannt.

Kein Fußball nach Jahrhunderthochwasser

So konnte das hiesige Kreisoberliga-Spieljahr 2012/2013 nach der verheerenden Sturzflut Anfang Juni nicht komplett über die Bühne gebracht werden. Vier Begegnungen (Sermuth gegen Borna, Kitzscher gegen Sermuth, Kitzscher gegen Frohburg und Roßwein gegen Sermuth) gingen als nicht ausgetragen in die Annalen ein. Es war zu verschmerzen, Meistertitel und Abstieg konnte das etwas windschiefe Klassement nichts anhaben.

2002/2003 trugen die Sermuther als damaliger Bezirksliga-Aufsteiger lediglich Pflichtfreundschaftsspiele aus, das unvergessene Jahrhunderthochwasser forderte eines seiner Opfer. Aber nicht immer sind Witterungsunbilden sowie deren Folgeerscheinungen Sportgelände und Wettkampfplätze betreffend für verschobene Fußballpartien verantwortlich.

Reisefreiheit statt Punktekampf

Dass Personalnöte in den Reihen der Mannschaften mitunter in enger Zusammenarbeit von Vereinen und Kommunen zu gesperrten Rasenflächen führen, sei da nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Wer da von einem bösen Gerücht spricht, wird über diese Aussage vermutlich selber schmunzeln müssen. Darüber hinaus hat es auch geschichtliche Gründe für Fußballfreie Wochenenden gegeben.

DURCHKLICKEN: Leipzigs Rasenplätze erholen sich gerade

Hier ist der SSV Stötteritz zu Hause: das Südost-Stadion. Zur Galerie
Hier ist der SSV Stötteritz zu Hause: das Südost-Stadion. ©

So hatten im November 1989 zahlreiche Kicker unmittelbar nach Mauerfall und Grenzöffnung zwischenzeitlich völlig anderes im Sinn, als dem runden Leder nachzujagen. Reisefreiheit statt Punktekampf war damals das Motto. Immerhin blieb hinterher noch ausreichend Zeit und Gelegenheit, das Versäumte nachzuholen. Allerdings brachten auch grassierende Krankheitserreger Spiel und Sport bereits vor dem Corona-Virus zum Erliegen. Zum Beispiel sorgte die Maul und Klauenseuche im Norden der DDR Anfang 1982 über einen längeren Zeitraum hinweg für nicht stattfindende Fußballspiele.

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Zu guter Letzt noch ein Blick über den Tellerrand. So bedeutend die schönste Nebensache der Welt auch ist, wichtig ist natürlich vor allem eines: Bleiben Sie gesund. Die Kugel wird früh genug wieder rollen. Je eher, desto besser – ist doch klar.