21. August 2017 / 14:52 Uhr

Überfall auf Dynamo-Profi Wachs: Täter zu lebenslanger Haft verurteilt

Überfall auf Dynamo-Profi Wachs: Täter zu lebenslanger Haft verurteilt

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Erste Trainingseinheit von Marc Wachs mit der Mannschaft (@ Imago) 7
Marc Wachs kehrte im Februar ins Mannschaftstraining zurück, nachdem seine Schussverletzung auskuriert war. © Imago
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Der 26-Jährige, der auf den Fußballer schoss und dessen Tante tötete, muss ins Gefängnis.

Wiesbaden. Innerhalb von 16 Sekunden zerstört der Todesschütze in dem Wiesbadener Kiosk das Leben der Familie von Dynamo Dresdens Fußballprofi Marc Wachs. Das Motiv des 26-jährigen Täters bleibt vorm Wiesbadener Landgericht bis zum Schluss im Dunkeln. Für den Richter besteht kein Zweifel, dass der arbeitslose, alkohol- und drogensüchtige Mann heimtückisch und mit hoher krimineller Energie vorging, als er eine Frau tötete und zwei Männer schwer verletzte. Gestern wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

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Der Mann war kurz vor Weihnachten 2016 maskiert in den Kiosk gekommen und hatte ohne Vorwarnung der 59-jährigen Besitzerin, der Tante von Marc Wachs, ins Gesicht geschossen. Wachs, der gerade den Weihnachtsurlaub angetreten hatte, bekam einen Schuss in den Hals. Fünf Millimeter von der Halsschlagader blieb das Projektil stecken. Er konnte sich durch einen Hinterausgang ins Freie retten und um Hilfe rufen. Der Ehemann des Todesopfers erhielt einen Schuss oberhalb des Schulterblatts in den Rücken, als er sich zu seiner Frau hinabbeugte. „Die Opfer hatten keine Chance zu reagieren“, betonte der Richter in seiner fast zweistündigen Urteilsbegründung. Innerhalb von 16 Sekunden feuerte der Täter vier Schüsse ab. Das belegen Aufnahmen einer Überwachungskamera.

Erinnerungslücken bei Tathergang und Motiv

Der Angeklagte ließ die Schilderung des Richters über den Tathergang mit regungslosem Gesicht und gesenktem Blick über sich ergehen. Nur aus den Augenwinkeln blickte er gelegentlich zu den Überlebenden, die ihm im voll besetzten Saal gegenübersaßen. Der Ehemann des Opfers und vor allem Fußball-Profi Wachs, der auch Monate nach der Tat noch Schluckbeschwerden hat, fixierten den Todesschützer dagegen mit versteinertem Gesichtsausdruck. Bei der Urteilsverkündung zeigten beide Männer kaum eine Regung. Der Ehemann kann nach der Bluttat nicht mehr im Kiosk arbeiten.

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Die tödlichen Schüsse hatte der Angeklagte in dem Verfahren zugegeben, sich aber beim Tathergang und dem Motiv auf Erinnerungslücken berufen. Als die Plädoyers gehalten wurden, hatte sich der 26-Jährige noch bei den Angehörigen des Opfers in kurzen Sätzen entschuldigt. Marc Wachs hat sich nach monatelanger Ausfallzeit sportlich mittlerweile wieder an den Dynamo-Kader herangekämpft. Mit den psychischen Folgen wird der 22-Jährige jedoch für immer leben müssen.

Bernd Glebe