06. März 2021 / 12:45 Uhr

"Ich kann mit der Überhöhung wenig anfangen": Das sagen Ex-Profis zum "Klassiker" zwischen Bayern und dem BVB

"Ich kann mit der Überhöhung wenig anfangen": Das sagen Ex-Profis zum "Klassiker" zwischen Bayern und dem BVB

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sprechen über den Klassiker und die Begrifflichkeit: Die Ex-Profis Thomas Helmer, Roman Weidenfeller und Dietmar Hamann.
Sprechen über den "Klassiker" und die Begrifflichkeit: Die Ex-Profis Thomas Helmer, Roman Weidenfeller und Dietmar Hamann. © Alexandra Beier/Getty Images, Sport1, IMAGO/RHR-Foto, Montage
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Wenn der FC Bayern Borussia Dortmund empfängt, herrschte oft ein wahrer Hype um das Spiel. In dieser Saison ist das etwas anders. Der "Klassiker" ist auf Normalmaß geschrumpft. Ex-Profis sprechen im SPORTBUZZER über die Begrifflichkeit zum Spitzenspiel und kritisieren die Superlative.

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Ein Duell auf Gipfel-Niveau ist die Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund am Samstagabend (18.30 Uhr, Sky) diesmal nicht. Dennoch "ist und bleibt" die Partie des Fünften aus Dortmund beim Ersten aus München nach Einschätzung von Bayern-Präsident Herbert Hainer "ein Spitzenspiel". Nach zuletzt sechs Bundesliga-Schlappen nacheinander in München mit einer Tordifferenz von 3:26 will der BVB eine weitere Lehrstunden diesmal vermeiden. Doch Sportdirektor Michael Zorc schwant, dass sich die Münchner mal wieder mächtig ins Zeug legen: "Ich habe immer das Gefühl, dann macht es beim FC Bayern immer noch besonders Klick".

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Aber ist es auch der "Klassiker", von dem immer gesprochen wird? Dieser Frage ging der SPORTBUZZER nach und sprach mit ehemaligen Spielern beider Vereine, die inzwischen auch für TV-Sender arbeiten. Konsens von allen: Es ist zwar eine etwas andere Konstellation als in den vergangenen Jahren, aber beide Teams brauchen jeden Punkt, um ihre Ziele zu erreichen. Aber ob Klassiker der richter Begriff für dieses Spiel ist? Da sind die Experten unterschiedlicher Meinung.

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Roman Weidenfeller, ehemaliger Torwart von Borussia Dortmund: "Für mich als Spieler war es früher immer besonders gegen den FC Bayern zu spielen. Das Spiel hat immer eine gewisse Brisanz gehabt, zumal es für uns oft im direkten Duell um die Meisterschaft ging. Es waren immer richtungsweisende Spiele. Ich würde das Spiel als Klassiker bezeichnen, zumal es auch aus dem Ausland so gesehen wird. International gesehen hat dieses Duell einen großen Stellenwert. Durch die internationale Vermarktung wurde dieses Spiel zum German Clasico gepusht, aber wir wären in Deutschland ja nicht intelligent, wenn wir nicht auf den Zug aufgesprungen wären. Vor allem in Asien hat dieses Spiel eine gewisse Bedeutung. Auch ganz Deutschland schaut auf dieses Spiel, wenngleich es in dieser Saison nicht ganz die Brisanz der vergangenen Jahre hat. Aber der BVB braucht die Punkte für die Champions League – und der FC Bayern kann sich keine Niederlage im Titelkampf erlauben."



Dietmar Hamann, ehemaliger Bayern-Profi und heutiger Sky-Experte: "Bayern gegen Dortmund ist nicht mit dem Spiel Real gegen Barca vergleichbar. Ich kann mit der Überhöhung zum Klassiker wenig anfangen. Es wurde zwanghaft versucht, einen Superlativ zu finden. Das ist viel zu häufig der Fall: alles muss immer höher, schneller, weiter sein. Der Begriff Klassiker trifft für mich nicht zu. Zu meiner Zeit als Spieler hatte diese Partie nie die große Bedeutung wie heute. In den vergangenen zehn Jahren haben diese Spiele oft die Meisterschaft entschieden. Aber zu meiner Zeit gab es viele gute Mannschaften in der Bundesliga und der FC Bayern war nicht so dominant. Die Zuspitzung auf dieses Duell gibt es erst seit den erfolgreichen BVB-Jahren seit 2010. Wir haben in Deutschland viele tolle Spiele. Sei es das Revierderby, das es wohl nächste Saison nicht mehr geben wird, Köln gegen Gladbach oder Bremen gegen den FC Bayern."

"Wir haben es nie als Klassiker angesehen"

Thomas Helmer, Ex-Profi für beide Klubs und Doppelpass-Moderator: "Klassiker ist vielleicht der falsche Begriff für dieses Spiel - aber die Wertigkeit ist extrem hoch. Beide Teams haben das letzte Jahrzehnt geprägt, der BVB war immer dicht dran. Von daher ist es zumindest in diesem Punkt vergleichbar mit dem Clasico in Spanien, wenngleich der Clasico eine ganz andere Tradition hat. Bayern-BVB ist historischer Klassiker - aber in den letzten Jahren einer geworden. Als ich beim BVB gespielt habe, waren die Partien gegen den FC Bayern immer besondere Spiele. Als ich beim FC Bayern gespielt habe, war die Partie gegen den BVB eine, die wir bloß nicht verlieren durften. Aber wir haben es nie als Klassiker angesehen. Zur damaligen Zeit waren die Derbys gegen Schalke oder 1860 wichtiger. Das Spiel am Samstag ist zwar kein Duell Erster gegen den Zweiten, aber es ist ein wichtiges Duell. Der BVB darf nicht verlieren, sonst wird es schwer mit der Champions-League-Quali. Der FC Bayern braucht die Punkte im Kampf um die Meisterschaft."

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