09. März 2021 / 07:43 Uhr

Überleben dank „Norweger-Modell": In Nordsachsen treten Teams regelmäßig nur zu neunt an

Überleben dank „Norweger-Modell": In Nordsachsen treten Teams regelmäßig nur zu neunt an

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Roland Belgern (rot) kickt nach dem Norweger Modell.
Roland Belgern (rot) kickt nach dem Norweger Modell. © Thomas Jentzsch
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Spielen in verminderter Teamstärke: Das ermöglicht das sogenannte „Norweger-Modell". Dabei beantragt der Verein vor der Saison beim zuständigen Verband nicht mit voller Kapelle antreten zu müssen. Der demographische Wandel und geänderte Freizeitinteressen stellen Clubs zunehmend vor Herausforderungen. Diese Methode bietet eine Möglichkeit, weiterhin am Wettbewerb teilnehmen zu können, wenn auch unter unter erschwerten Bedingungen

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Sachsen. Wenn einem Verein, einer Mannschaft die Fußballspieler ausgehen, dann können die Akteure, die noch da sind, normalerweise nicht mehr antreten. Wer keine elf Mann zum Anpfiff parat hat, gilt als „nicht voll“, wie es im Fußballerdeutsch heißt. Kleinen Dorfvereinen kann das schon mal passieren, wobei auch Teams in Städten nicht gegen „dünne Kader“ gefeit sind. Schon gar nicht angesichts des demografischen Wandels.

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Modell: Akzeptiert und bewährt

Abhilfe bringen meist sogenannte Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen. Man schließt sich für eine vereinbarte Zeit (für mindestens eine Saison) mit dem Nachbarn zusammen, um spielfähig zu sein. Das bringt zumindest organisatorisch einigen Mehraufwand. Eine andere Möglichkeit ist das sogenannte Norweger-Modell. Dabei beantragt der Verein vor der Saison beim zuständigen Verband, stets nur zu zehnt oder gar zu neunt antreten zu dürfen. Das wird allen Vereinen der Spielklasse angezeigt. Sie dürfen bei Bewilligung dann gegen den betreffenden Gegner ebenfalls nur in dessen Personalstärke antreten.

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„In untersten Spielklassen haben wir das seit Jahren in Anwendung, es wird akzeptiert und hat sich bewährt“, sagt Volkmar Beier, der Spielausschuss-Chef des Nordsächsischen (NFV) wie des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV) und meint damit Nordsachsen, wo er zugleich als Vizepräsident fungiert. „Es ist jeweils eine temporäre Entscheidung, die zu Beginn der Rückrunde auch geändert werden kann, falls sich die Personallage gebessert hat.“ Die „Reduzierung“ wird also stets für eine Halbserie fixiert, eine Änderung in kürzerer Frist oder gar von Spiel zu Spiel ist nicht erlaubt. Zumindest ist es in Nordsachsen so, andere Verbände, auch Landesverbände, handhaben es zum Teil anders.

Der DFB gestattet den Landesverbänden per Spielordnung in den untersten beiden Ligen, wenn nötig in verminderter Teamstärke zu spielen. Die Kreisverbände wenden das unterschiedlich an. In Nordsachsen ist zum Beispiel festgelegt, dass die unterbesetzten Teams zwar mitmachen, aber nicht aufsteigen dürfen. Das ist nicht überall so. In Bayern beispielsweise ist man trotz Unterzahl eventuell aufstiegsberechtigt, allerdings mit der Auflage, in der höheren Liga dann vollzählig anzutreten.

Vier Teams arbeiten mit Modell

„Auf jeden Fall dient das Modell der Flexibilisierung“, betont Beier, der schon einige Anfragen aus Nachbarkreisen zu Erfahrungen mit der Sache bekommen hat. In Sachsen ist die Anwendung des Norweger-Modells nur auf Kreisebene erlaubt, die Kreisverbände entscheiden selbst, ob sie es für bestimmte ihrer Ligen anwenden oder nicht. NFV-Geschäftsführer Ralph Mothes betont aber: „Bei uns ist die reduzierte Spieleranzahl in den zwei untersten Spielklassen zulässig. Am Kreispokal können diese Teams aber nur teilnehmen, wenn sie dort in voller Stärke antreten.“

In der laufenden Saison, sofern man derzeit von „laufend“ sprechen kann, nutzen im NFV-Bereich vier Männerteams das Norweger-Modell - mit je neun Spielern. Das sind FC Elbaue Torgau, FSV Oschatz II, SV Mügeln/Ablaß II und Roland Belgern.