09. Juni 2019 / 16:44 Uhr

Überragender Putera verhext die Löwen - SC DHfK Leipzig feiert 28:26-Sieg

Überragender Putera verhext die Löwen - SC DHfK Leipzig feiert 28:26-Sieg

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Milos Putera brachte die Werfer der Rhein-Neckar Löwen zur Verzweiflung.
Milos Putera brachte die Werfer der Rhein-Neckar Löwen zur Verzweiflung. © Alexander Prautzsch
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5394 Fans in der Arena Leipzig konnten einen sensationellen Heimsieg gegen die favorisierten Rhein-Neckar Löwen bejubeln.

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Leipzig. Was für ein Nachmittag! Was für ein Fest! Der SC DHfK Leipzig hat sich zum Saisonfinale selbst beschenkt, gewann am Sonntagnachmittag 28:26 (14:11) gegen die favorisierten Rhein-Neckar Löwen. 5394 Fans in der erstmals klimatisierten Arena Leipzig kamen ob des Geschehens auf dem Feld gehörig ins Schwitzen. Denn ihre grün-weißen Jungs zeigten zwischenzeitlich herrlichen Handball.

"Wir haben heute eine überragende Torhüterleistung gesehen", lobte Coach André Haber. "Dadurch hat die Abwehr mehr Sicherheit bekommen. In der ersten Halbzeit haben wir allein acht Tempotore geworfen. Das war überragend. Und dann wuchs ganz allmählich in der Halle und im Team das Wissen, dass da was gehen könnte."

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SC DHfK Leipzig - Rhein-Neckar Löwen © Alexander Prautzsch
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Es war das Spiel der Abschiede. Auf Seiten der Hausherren hatten Milos Putera, René Villadsen (verletzungsbedingt nur als Zuschauer), Timo Löser, Andreas Rojewski, Aivis Jurdzs und Co-Trainer Matthias Albrecht ihren letzten Einsatz. Auf Seiten der Gäste sagte Coach Nicolaj Jacobsen Servus. Der wurde schon bejubelt bevor es überhaupt losging, winkte nach dem Auswärmen auf dem Weg in die Kabine dem Löwen-Fanblock zu. "Es wäre schön, wenn mir meine Mannschaft zum Abschied einen Erfolg schenkt", hatte der Däne im Vorfeld gesagt. Daraus wurde nichts. Jacobsen war entsprechend bedient. "Unser Spiel heute war wie die gesamte Saison: in einigen Phasen gut, in größeren Phasen schlecht. Wir haben eigentlich genügend Chancen rausgespielt, aber viel zu viele Fehler gemacht."

Putera überragend

Kopfschmerzen bereitete den Löwen vor allem Putera.. Der Keeper brachte es auf saustarke 17 Paraden, darunter drei Siebenmeter. Irgendwo waren da immer noch ein Fuß oder eine Hand, die der „Kuzelnik“ (zu Deutsch Hexer) an den Ball kriegte. Seine Vorderleute investieren zunächst nicht ganz so viel Mühe wie gewöhnlich auf die Defensivarbeit. Das mochte auch der Tatsache geschuldet sein, dass Abwehrchef Bastian Roscheck zunächst draußen blieb. Er griff erst nach rund 17 Minuten ein. Für ihn begann mit Oehlrich der altgediente Turm in der Schlacht. Reichlich Spaß hatten die DHfK-Jungs dagegen im Spiel nach vorn. Vor allem Philipp Weber (sieben Treffer in den ersten 30 Minuten, zehn insgesamt) war nur schwer zu bremsen. Auch Rojewski drehte bei seinem letzten Einsatz in nicht zu hoffen gewagter Weise auf.

Ingesamt merkte man beiden Teams an, dass es hier und heute um nichts mehr ging. Auch die Jacobsen-Sieben agierte hinten inkonsequent und ließ vorn fast schon unfassbar viel liegen. Denn abseits der von Putera entschärften Versuche landeten zahlreiche weitere Würfe über oder neben dem Kasten. Gleich zwei Mal unterbrach Jacobsen das Geschehen in Hälfte eins per Auszeit, versuchte Ordnung ins Laissez-faire der Löwen zu bringen. Durchschlagenden Erfolg hatten seine Hinweise nicht. Mit einer 14:11-Führung für die Hausherren ging es in die Pause.

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Zahlreiche Kabinettstückchen

Auch nach Wiederbeginn änderte sich nichts an den Kräfteverhältnissen. Der SC DHfK blieb dank eines überragenden Torhüters, einer inzwischen starken Abwehrleistung und nicht zuletzt haarsträubender Fehler der eigentlich favorisierten Löwen am Drücker. Die Grün-Weißen erhöhten auf 16:11, dann auf 18:12. Zwischendurch war Zeit für das eine oder andere Kabinettstückchen, das die Zuschauer in Entzücken versetzte. Auf Seiten der Gäste war es vor allem Routinier Gudjon Valur Sigurdsson, der zusammen mit Keeper Mikael Appelgren die Rolle des Spielverderbers übernahm. Der Linksaußen setzte Treffer um Treffer, stemmte sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage.

Dem Isländer gelang es, sein Team mitzuziehen. Während sich die Fehler und Fehlwürfe auf Leipziger Seite nun eklatant häuften, wurschtelten die Löwen immer wieder Würfe ins Tor. In der 50. Minute stand nur noch ein 22:20 zu Buche. Jetzt war es vorbei mit dem Gute-Laune-Spiel. Jetzt war Beißen angesagt. Und genau das taten die von Coach André Haber betreuten Jungs. Sie erzwangen Tor um Tor, blieben konzentriert. Und feierten so völlig verdient den Sieg gegen den haushohen Favoriten.

Für Jacobsen war es ein bitterer Abschied. Traurig winkte er den Löwen-Fans zu, eilte dann in die Kabine. Immerhin, die DHfK-Verantwortlichen bereiteten ihm einen warmen Abschied. "Nico, dich lassen wir nicht so einfach aus der Halle", sagte Geschäftsführer Karsten Günther auf der Pressekonferenz, die am Sonntag nicht in einem extra-Raum sondern auf der Bühne des Fanfests stieg. "Du hast die Bundesliga bereichert. Seit Du da warst, war ich nicht mehr er Lauteste, wenn er den Schiris was gesagt hat." Kein Abschied ohne Geschenk. Einen Rucksack und einen Reiseführer nahm der Däne aus Leipzig mit. "Du bist hier bei uns jederzeit herzlich willkommen."

Statistik:

Leipzig: Vortmann; Putera; Semper (1); Wiesmach (4/2); Rojewski (6); Jurdzs (4); Krzikalla; Oehlrich; Binder (2); Janke; Seidler; Roscheck; Weber (10); Löser; Esche (1).

Löwen: Appelgren; Adanir; Schmid (4/1); Lipovina (1); Sigurdsson (8/2); Radivojevic (1); Tollbring (3); Abutovic; Fäth (1); Groetzki; Taleski (1); Guardiola (1); Kohlbacher (4).

Siebenmeter: Leipzig 2/3; Löwen 3/6

Strafen: Leipzig 3; Löwen 1.

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