04. April 2020 / 16:17 Uhr

"Überragendes Ereignis": Geschäftsführer Marco Stichnoth erinnert sich an Scorpions-Meisterschaft (Teil 1)

"Überragendes Ereignis": Geschäftsführer Marco Stichnoth erinnert sich an Scorpions-Meisterschaft (Teil 1)

Stephan Hartung
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Da ist das Ding: Trainer Hans Zach stemmt den Meisterpokal, Manager Marco Stichnoth (links) schaut gebannt zu. 
Da ist das Ding: Trainer Hans Zach stemmt den Meisterpokal, Manager Marco Stichnoth (links) schaut gebannt zu.  © Ulrich zur Nieden
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Der 25. April 2010 – die Hannover Scorpions werden unter Trainerlegende Hans Zach sensationell deutscher Meister. Zehn Jahre später blicken wir in einer Serie auf diesen historischen Triumph zurück. Als nächster im Fokus: Geschäftsführer Marco Stichnoth.

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Es kommt ihm so vor, als sei es gestern passiert. „Bei mir kommen derzeit automatisch Erinnerungen hoch, seit ich wieder im Eishockey tätig bin und alte Weggefährten wie Klaus Kathan und Youri Ziffzer treffe“, sagt Marco Stichnoth. Er ist seit fünf Monaten sportlicher Berater des Zweitligisten Dresdner Eislöwen, vor zehn Jahren besaß er als Geschäftsführer der Hannover Scorpions einen großen Anteil am Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

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"Mit der Verpflichtung von Hans Zach ging es los"

Damals wie heute gilt der Titel der Scorpions als sensationell. Doch von Zufall kann keine Rede sein – eher von strategischer Planung. Stichnoth erinnert sich, wie Scorpions-Eigentümer Günter Papenburg an ihn herantrat. „Es war sein Wunsch, mit der Mannschaft mal Deutscher Meister zu werden. Mit der Verpflichtung von Hans Zach ging es dann los“, sagt Stichnoth, der den späteren Meistertrainer im Jahr 2006 als Chefcoach holte.

Bilder vom Eishockey-Spiel der Oberliga Nord zwischen den Hannover Scorpions und Hannover Indians (Februar 2020)

Die Hannover Scorpions feiern die Derbysieg gegen die Hannover Indians. Zur Galerie
Die Hannover Scorpions feiern die Derbysieg gegen die Hannover Indians. ©

Ex-Spieler Dolak verrät Stichnoths Erfolgsformel

Zach – ein wichtiger Mosaikstein hinter der Bande. Nicht weniger wichtig: der Kader. „Der langfristige Plan war, mit vielen deutschen Spielern zu arbeiten. Die Mannschaft ist dann über die Jahre super zusammengewachsen“, sagt Stichnoth. Der ehemalige Spieler Thomas Dolak verrät dabei die Erfolgsformel des früheren Geschäftsführers. „Marco hat darauf geachtet, dass er eine Mannschaft mit Freunden bildet, die sich untereinander gut verstehen. Dann blockt man auch mal einen Schuss mehr, um seinem Kumpel zu helfen.“

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Stichnoth als Vaterfigur und Baumeister des Erfolgs

Aus heutiger Sicht unbestritten: Stichnoth war der Baumeister der Mannschaft und damit des Titels 2010. Die Spieler vertrauten ihm, auch weil er sich für sie einsetzte. Eine Art Vaterfigur, die es in Kauf nahm, mit dem „Alpenvulkan“ Zach aneinander zu geraten. Im Februar 2010 wurden die Scorpions beim Ball des Sports geehrt, der Geschäftsführer verweilte am Abend im Kuppelsaal auf ein Getränk mit ein paar Spielern. „Der Hans hat getobt, dass ich in meiner Funktion Abstand halten müsse. Der Kontakt zur Mannschaft war mir aber wichtig.“

Die Bilder der Derbys zwischen den Indians und Scorpions:

Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. Zur Galerie
Derby im Stadion am Pferderturm vom 16. Februar 2018: Brian Gibbons (Scorpions) guckt nicht begeistert, dahinter jubelt die torhungrige Mannschaft der Indians. ©

Stichnoth legt Veto bei Dolak ein

Als Zach im Sommer 2009 Dolak ausmustern wollte, scheiterte er am Veto des Geschäftsführers. „Auf seinen Wunsch mussten schon andere Spieler gehen. Aber auch Dolak? Da hat es mir gereicht. Denn Thomas war integriert und auch früher in Kassel immer ein Lieblingsspieler von Zach“, erzählt Stichnoth und weiß, „dass der Hans mit mir den ganzen Sommer über nicht mehr geredet hat. Er meinte später, ich sei der größte Sturkopf der Welt, noch schlimmer als sein Bruder.“

Dass Sturheit zum Erfolg führen kann, zeigte sich am 25. April 2010. Die Scorpions besiegten Augsburg mit 4:2 und krönten sich zum DEL- Meister. „Mit Berlin, Köln, München und Mannheim gab es vier Reiche in der Liga, der Rest folgte mit Abstand“, erläutert Stichnoth. „Daher ist alles aus heutiger Sicht natürlich immer noch ein überragendes Ereignis“.