23. September 2020 / 10:56 Uhr

Kommentar zum Supercup in Budapest: Der Fußball spielt mit seinem Ruf - mal wieder

Kommentar zum Supercup in Budapest: Der Fußball spielt mit seinem Ruf - mal wieder

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Konsequenz, mit der die UEFA an den Supercup-Plänen festhält, wirkt mal grotesk, mal ein wenig bockig, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.
Die Konsequenz, mit der die UEFA an den Supercup-Plänen festhält, wirkt mal grotesk, mal ein wenig bockig, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt. © dpa/imago images/Sven Simon/Montage
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Die UEFA hält stur an der Entscheidung, den Supercup am Donnerstag in Budapest und vor Zuschauern auszutragen, fest. Ein weiterer Beleg dafür, dass den Mächtigen des Fußballs der Bezug zu Vernunft und Vorbildfunktion verloren gegangen ist. Ein Kommentar von SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

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Man muss schon tief im Gedächtnis kramen, um die letzten drei Gewinner des europäischen Supercups zu benennen. Zu bedeutungslos war die jährliche Partie zwischen dem Champions-League- und dem Europa-League-Sieger. Klar, am Ende ging eine der beteiligten Mannschaften mit einem weiteren Titel nach Hause - nett für den Briefkopf, nicht viel mehr. Auch dass sich Fans des siegreichen Teams noch Monate später mit dem Supercup-Triumph ihres Klubs brüsten, ist eher unwahrscheinlich. Zu temporeich verläuft die Hetze der Vereine beim Kampf um (wichtigere) Erfolge. Aber dieses Mal ist nichts wie gehabt. Der Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla ist schon vor dem Anpfiff am Donnerstagabend in Budapest das Thema - weltweit.

Mit sportlichen Gründen lässt sich dies nicht erklären. Es geht um anderes, es geht um mehr. Die Corona-Pandemie hat die ungarische Hauptstadt nämlich fest im Griff. Allein dies wäre schon Anlass genug, die Partie abzusagen oder über eine Verlegung an einen anderen Ort zu nachzudenken. Die UEFA verzichtete auf beides. Stattdessen hält es Europas Fußball-Verband sogar für eine gute Idee, die Tribünen der rund 67.000 Zuschauer fassenden Puskas-Arena bis zu 30 Prozent (!) zu füllen. Ein "Pilotprojekt" für eine flächendeckende Fan-Rückkehr sei das alles, erklärte UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin. Ein Gedanke entgegen jeder Vernunft.

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Die Konsequenz, mit der man an diesen Plänen festhält, wirkt mal grotesk, mal ein wenig bockig. Dabei scheint es wie immer im Profi-Fußball vor allem um zwei Dinge zu gehen: Geld und Seilschaften. Der erste Punkt ist schnell erklärt. Fällt das Spiel aus, hätte eine Verlegung oder der Verzicht auf Zuschauer stattgefunden, wäre es der UEFA ans Portmonnaie gegangen. Der zweite Punkt ist komplizierter, aber nicht weniger bedenklich. Schon die Vergabe des Supercups an Budapest galt als eine Art Präsent an den mächtigen ungarischen UEFA-Vizepräsidenten Sandor Csanyi, die Zulassung von Zuschauern dann als weitere Aufwertung der Partie.

Das Ergebnis dieses Bauchpinselns sind die nun öffentlich geführten Debatten, um Sinn, Unsinn - und auch um die Vorbildrolle des Fußballs. Es ist an der Zeit, dass manch mächtiger Entscheidungsträger erkennt: Der Sport spielt mit seinem Ruf. Sei es in Budapest oder bei Sitzordnungen auf der Tribüne der Münchner Allianz Arena. Die Bayern-Bosse hätten nach ihrem Fauxpas vom vergangenen Wochenende mit dem Verzicht auf das Spiel in Ungarn nun ein starkes Zeichen setzen können.

Die letzten drei Supercup-Sieger hießen übrigens Real Madrid, Atlético Madrid und FC Liverpool.