15. März 2020 / 12:39 Uhr

Uli Hoeneß spricht Klartext in der Corona-Krise: "Wir müssen endlich der Realität ins Auge schauen"

Uli Hoeneß spricht Klartext in der Corona-Krise: "Wir müssen endlich der Realität ins Auge schauen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß blickt mit großer Sorge auf die aktuelle Coronavirus-Krise.
Uli Hoeneß blickt mit großer Sorge auf die aktuelle Coronavirus-Krise. © imago images/Sven Simon
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Der frühere FCB-Präsident Uli Hoeneß hat sich in die Diskussion um das weitere Vorgehen der Fußballwelt in der Coronavirus-Krise zu Wort gemeldet - mit gewohnt deutlichen Aussagen.

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Der frühere Bayern-Boss Uli Hoeneß hat die Fußballwelt mit klaren Worten vor den Coronavirus-Pandemie gewarnt und für eine Absage der EM 2020 plädiert. "Im Moment müssen wir alle lernen, Geduld zu haben. Wir müssen die Politik arbeiten lassen", sagte der Ex-Präsident des Rekordmeisters während einer Telefonschalte im "Doppelpass" von Sport1. Hoeneß nannte, ähnlich wie Leverkusens Sportchef Rudi Völler, auch Prioritäten für eine Fortsetzung der Saison.

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"Für diese Situation gibt es kein Handbuch", sagte Hoeneß, der sich im November aus der Führungsetage des FCB zurückgezogen hat, aber im Aufsichtsrat der Münchner weiter eine mächtige Stimme hat. Die Bundesliga und die Champions League haben für Hoeneß Priorität - anders als die für Juni/Juli geplante EM. Hoeneß: "Es macht überhaupt keinen Sinn, die EM zu spielen. Wir müssen endlich der Realität ins Auge schauen und vier Wochen alles auf Null fahren."

Es sei jetzt das Gebot der Stunde, dafür zu sorgen, "dass die Gesellschaft einigermaßen gesund aus der Krise herauskommt", sagte der frühere FCB-Boss. "Es ist wichtig, dass man innehält, sich Gedanken macht über den Tellerrand hinaus. Wir sollten die Probleme des Fußballs wichtig nehmen, aber es gibt auch andere Menschen auf der Welt." Man müsse jetzt alles, was im Fußball passiert, relativieren.

Die Karriere von Uli Hoeneß beim FC Bayern in Bildern

Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern.
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Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern. ©

Hoeneß fordert Solidarität und plädiert für "Vereinigtes Europa"

Hoeneß sprach sich auch für Solidarität im Fußball aus - sowohl innerhalb der Bundesliga als auch international, etwa gegenüber dem besonders betroffenen Italien. "Europa muss jetzt zusammenwachsen. Vielleicht ist die Krise ja die einmalige Chance, dass wir ein Vereinigtes Europa werden", sagte der 68-Jährige auch mit Blick auf das turbulente Krisenmanagement etwa von US-Präsident Donald Trump und dem britischen Premier Boris Johnson.

Ein Ende der Krise ist für Hoeneß noch nicht in Sicht. "Es kann sein, dass wir im Oktober noch auf 0 fahren müssen. (...) Ich finde es Scharlatanerie, jetzt zu sagen, was man in vier Wochen machen kann. Wir müssen endlich der Realität ins Auge schauen." Auch auf der Sitzung der DFL am Montag könne man wesentliche Punkte noch nicht beschließen, weil man gar nicht wisse, wie die Krise sich weiter entwickelt.