15. November 2019 / 23:08 Uhr

Kommentar zum Abschied von Uli Hoeneß beim FC Bayern: Rückzug heißt nicht Zurückhaltung

Kommentar zum Abschied von Uli Hoeneß beim FC Bayern: Rückzug heißt nicht Zurückhaltung

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß wird sich nicht aus der Öffentlichkeit herausziehen, ist sich SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser sicher.
Uli Hoeneß wird sich nicht aus der Öffentlichkeit herausziehen, ist sich SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser sicher. © Getty
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Uli Hoeneß ist nicht mehr Präsident des FC Bayern München. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters wurde der FCB-Macher am Freitagabend offiziell verabschiedet. Von einem Rückzug aus der Öffentlichkeit kann dennoch nicht die Rede sein, ist sich SPORTBUZZER-Reporter Patrick Strasser sicher.

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Endlich, endlich ist Uli Hoeneß nicht mehr Präsident! Kurz Luft holen, liebe Leserinnen und Leser, verehrte Uli-Fans, ich meine es anders, ganz anders.

Der (neue Ehren-) Präsident geht, der Aufsichtsratsvorsitzende auch. Hoeneß bleibt, der Emo-Uli in ihm kehrt zurück. Das Ventil zum Dampfablassen wird wieder komplett aufgedreht. Die „Abteilung Attacke“, über zehn Jahre hinter dem vornehmen Mantel der Diplomatie des Präsidentenamtes etwas verdeckt, feiert Wiederauferstehung. Welcome back!

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Sie werden jetzt einwenden: Aber gegen Mesut Özil („Hat seit Jahren einen Dreck gespielt!“) hat er doch gelästert. Oder gegen Juan Bernat („Hat einen Scheißdreck gespielt!“) und auch gegen Marc-André ter Stegen („Gehört vom DFB in die Ecke gestellt!“). Richtig. Und dabei verlor er den Instinkt für die Tonalität, die Zielscheibe der Kritik war falsch justiert. Zuletzt wollte er eigentlich gegen die Herren Bierhoff und Löw stänkern, um Manuel Neuer, seinen Torhüter, zu beschützen. Die Jobs Anwalt und Glucke - den Ausdruck benutzte er selbst - seines FC Bayern gibt Hoeneß keinesfalls auf. Künftig wird er wieder direkter poltern.

Pfiat di Uli. Hoeneß' beste Sprüche als Macher des FC Bayern

Auch mich hat Hoeneß schon angerufen und kam, ohne Luft zu holen, direkt zum Thema. Laut und bestimmt. Wehrte man sich, verteidigte seine Meinung und die verfassten Artikel, kam es zur Diskussion. Das Gespräch (kein Monolog!) endete stets versöhnlich. Kurzer, heftiger Schock zu Beginn. Langanhaltendes, gutes Gefühl am Ende. „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Alles Gute!“

Hoeneß wird wieder attackieren und poltern

Freunde, Kollegen und Voyeure einer (vermeintlichen) Hoeneß'schen Zur-Sau-Machung haben mich öfter gefragt: Na, hat ER denn mal wieder angerufen? So wie früher?! Die Antwort: Seltener. Und schon hieß es: Höhö, schreibst also nimmer so kritisch. Sehe ich nicht so.

Die Karriere von Uli Hoeneß beim FC Bayern in Bildern

Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern.
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Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern. ©

Vielmehr hatte Hoeneß in den letzten Jahren eben präsidiale Sendepause. Die ist nun vorbei, den Vorgeschmack zu seinem angekündigten Abschied (wer's glaubt!) lieferte er mit dem Anruf letzten Sonntag beim „Doppelpass“ in „Sport1“ - das hatte er zuletzt vor 19 Jahren getan. Er wird loslassen, lese ich immer – ja, hin und wieder eine Schimpftirade. Rückzug heißt nicht Zurückhalten von Meinung und Emotion. Kann er auch nicht. Offenes Visier ist mir auch lieber als hintenrum agieren.