13. November 2019 / 09:03 Uhr

Serie zum Abschied von Uli Hoeneß beim FC Bayern: So wurde er zum Münchner Macher

Serie zum Abschied von Uli Hoeneß beim FC Bayern: So wurde er zum Münchner Macher

Patrick Strasser
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß, der Genussmensch: Der langjährige Bayern-Funktionär zieht an einer Zigarre.
Uli Hoeneß, der Genussmensch: Der langjährige Bayern-Funktionär zieht an einer Zigarre. © 2017 Getty Images
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Uli Hoeneß legt am Freitag seine Ämter in der Führungsspitze des FC Bayern nieder. Zum Start einer dreiteiligen SPORTBUZZER-Serie blickt sein Biograf Patrick Strasser auf das Leben des Fußball-Managers. So wurde der Macher zu dem, was er ist.

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Es war sein letzter Wille, die letzte große sportliche Weichenstellung seiner Amtszeit als amtierender Präsident. Am Montagabend sprach der Aufsichtsrat des FC Bayern München ein letztes Mal unter dem Vorsitz von Uli Hoeneß die Empfehlung aus, Hasan Salihamidzic, bisher Sportdirektor, zu befördern. Dieses Anliegen konnte man Hoeneß nicht ausschlagen. Am 1. Juli 2020 soll der Vertraute und Zögling des Münchner Patriarchen neuer Sportvorstand werden. Was für eine Karriere, in nur drei Jahren.

Hoeneß: Schon seit seiner Jugend ein Macher

Und doch nur ein Klacks im Vergleich zu Hoeneß’ Lebenswerk. Am Freitag tritt der 67-Jährige nach 40 Jahren als Manager und Präsident beim deutschen Rekordmeister ab, zum Nachfolger wird Herbert Hainer gewählt – noch so eine Weichenstellung des Mr. FC Bayern, der schon in seiner Jugend gerne voranging. Als Macher. Als Schülersprecher. Wo andere Verantwortung scheuten, signalisierte der blonde Teenager, 1952 als Sohn des Ulmer Metzgermeisters Erwin Hoeneß und dessen Frau Paula geboren: Nur her damit!

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Irgendein Amt, irgendeine Rolle musste er immer innehaben, eine innere Stimme drängte ihn dazu. Er war Ministrant, Laienschauspieler und Klassensprecher, später die Stimme des gesamten Schubart-Gymnasiums in Ulm, einer reinen Jungenschule. Kraft-Otto Steinle, über mehrere Jahre Hoeneß’ Klassenlehrer, erzählt: „Er war eine Autorität im Klassenzimmer, weil er beides vereinen konnte: sich auf den Fußball konzentrieren und dennoch gut sein in der Schule.“

Die Karriere von Uli Hoeneß beim FC Bayern in Bildern

Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern.
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Uli Hoeneß und der FC Bayern - zwei Namen, die für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind. Das ist die Zeit des ehemaligen Nationalspielers seit seinem Amtsantritt als Bayern-Verantwortlicher in Bildern. ©

Den jungen Uli rechnete man tatsächlich zur Streber-Fraktion. Ein „Gscheitle“, wie man in Schwaben sagt, weil er eben sehr selbstbewusst auftrat. Im Vergleich zum fast auf den Tag genau ein Jahr jüngeren Bruder Dieter war er der bessere Schüler, fleißiger, gewissenhafter. Das Abitur machte er mit Note 2,4.

Weil er als 15-Jähriger wie ein „Anzeigenverwalter“ (Hoeneß) die nahezu pleite gegangene Schülerzeitung sanierte, lernte er dabei Susi von der Mädchen-Realschule kennen. Es funkte sofort. 1973, beide waren erst 21 Jahre jung, heirateten sie in Rottach-Egern am Tegernsee, nur wenige Kilometer entfernt vom heutigen gemeinsamen Anwesen in Bad Wiessee. Für ihn gab sie später ihren Beruf als Zahnarzthelferin auf. „Man kann nicht als Ehefrau von Uli Hoeneß nebenher noch einen Job haben“, sagte sie.

"Man kann nicht als Ehefrau von Uli einen Job haben"

Susi Hoeneß steckte also zurück, wurde Hausfrau und Mutter der gemeinsamen Kinder Florian und Sabine, denen heute die von Hoeneß 1985 gegründete Wurstfabrik „HoWe Wurstwaren KG“ in Nürnberg (bekannt für die Rostbratwürste) gehört.

Vor fünf Jahren bereits zog sich Hoeneß komplett aus diesem Geschäft zurück. In seiner schwärzesten Stunde. Die Steueraffäre nennt er rückblickend „meinen allergrößten Fehler, das bereue ich zutiefst“. Wegen Steuerhinterziehung, laut eigener Aussage litt er damals unter „Börsensucht“, wurde er 2014 zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Nach Verbüßung der halben Haftzeit wurde er 2016 entlassen. „Ich bin meiner Familie so dankbar, sie war ein ungeheurer Halt. Und ich weiß, dass ich das, was ich bin, nie ohne meine Frau geworden wäre“, sagt er heute.

Uli Hoeneß - seine besten Sprüche

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...zu Real Madrids Bemühungen um Franck Ribery: „Nächstes Jahr kommt eher der Gerichtsvollzieher nach Madrid als Franck Ribery.“ © imago

Das junge Glück wäre 1982 beinahe zerstört worden. Hoeneß war der einzige Überlebende eines Flugzeugcrashs. Auf dem Weg von München nach Hannover zu einem Länderspiel der DFB-Auswahl gegen Portugal stürzte die zweimotorige Propellermaschine kurz vor der Landung im Schwarzen Moor ab. Unter Schock stehend, orientierungslos und blutüberströmt kroch Hoeneß abends eine Stunde durch den dunklen Wald – bis ihn ein Förster fand.

Der 30-Jährige, damals bereits Bayern-Manager, erlitt lediglich Knochenbrüche und eine Gehirnerschütterung, seine drei Freunde waren tot. Später fand man heraus: In der Maschine gab es nur einen Platz, auf dem man diesen Absturz hatte überleben können: seinen. Ganz hinten rechts. Sein Leben verdankt er, dass er aus der Maschine geschleudert wurde. Hoeneß war nicht angeschnallt.