04. November 2019 / 21:26 Uhr

Uli Hoeneß zu Folgen von Enke-Selbstmord: "Umdenken hat nicht lange angehalten"

Uli Hoeneß zu Folgen von Enke-Selbstmord: "Umdenken hat nicht lange angehalten"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Uli Hoeneß (r) hat sich auf einer Podiumsdiskussion zum 10. Todestag von Robert Enke geäußert.
Uli Hoeneß (r) hat sich auf einer Podiumsdiskussion zum 10. Todestag von Robert Enke geäußert. © imago sportfotodienst/imago images / Michael Weber
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Zum 10. Jahrestag des Todes von Ex-Nationaltorwart Robert Enke war Uli Hoeneß in Hannover zu Gast. Die Robert-Enke-Stiftung lud zur Podiumsdiskussion mit dem Präsidenten des FC Bayern. Im Gespräch erinnerte sich Hoeneß an Enke und den ebenfalls an Despression erkrankten Ex-FCB-Star Sebastian Deisler - und mahnte zu einem respektvolleren Umgang im Internet.

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Uli Hoeneß hat sich emotional zum damaligen Tod von Robert Enke geäußert. "Das war natürlich ein Schock", sagte der Präsident des FC Bayern München am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion der Robert-Enke-Stiftung in Hannover. An der Diskussion nahm auch die Witwe Teresa Enke teil, die Gründerin der Stiftung und deren Vorsitzende ist.

Hoeneß erinnert sich noch genau, wie er sich gefühlt hat, als ihn die Nachricht vom tragischen Selbstmord Enkes am 10. November 2009 erreicht hat. "Wir haben auch an Sebastian gedacht in dem Moment", sagte der Bayern-Boss. Dabei spielte er auf Sebastian Deisler an, der im Herbst 2003 mit seiner Depression an die Öffentlichkeit gegangen war.

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Enke-Suizid: Hoeneß sah Parallelen zu Deisler

"Ich habe beim FC Bayern mit Sebastian Deisler einige Parallelen erlebt", erinnert sich Hoeneß. "Wir haben einen Menschen vorgefunden, der völlig verwirrt war. Zum Glück gab es in München eine Klinik, die uns sehr geholfen hat." Der ehemalige Bayern-Spieler Deisler war wie Enke ebenfalls an Depressionen erkrankt. Während der Saison 2003/04 setzte der vormalige Shooting-Star wegen akuten Depressionen mehrere Monate aus und machte seine Krankheit öffentlich. 2007 beendete Deisler die von vielen Verletzungen geplagte Karriere schließlich im Alter von nur 27 Jahren.

Der Profifußball war nicht ausschlaggebend für die Krankheit von Enke oder Deisler. Das machten Teresa und Hoeneß bei der Diskussion deutlich. Doch der Druck in der Branche mache den Umgang mit der Krankheit allerdings schwieriger. Was kann also getan werden, um Betroffenen zu helfen?

Eine Erinnerung an Robert Enke in Bildern

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Robert Enke: Eine Erinnerung in Bildern ©

Hoeneß prangert an: Internet "katastrophal"

Hoeneß erklärte: "Das Umdenken hat nicht lange angehalten. Wir gehen relativ respektlos miteinander um. Das Internet ist ein Mittel, dass dabei katastrophal ist. Wenn der Gesetzgeber nicht hinterher ist, Vergehen dort zu verfolgen, wird es noch schlimmer, als es jetzt schon ist." Von der Arbeit der Robert-Enke-Stiftung zeigte sich Hoeneß beeindruckt. Teresa Enke und die Organisation hätten „viel geleistet“, um den Umgang mit Depressionen zu verbessern.

Wir berichten in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden, gibt es Hilfe. Unter der kostenlosen Hotline 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 können Sie anonym mit der Telefonseelsorge sprechen, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnte.