12. März 2020 / 19:12 Uhr

Ultras der BSG Chemie Leipzig fordern "sofortige Aussetzung des Spielbetriebs"

Ultras der BSG Chemie Leipzig fordern "sofortige Aussetzung des Spielbetriebs"

Britt Schlehahn
Leipziger Volkszeitung
Fans der BSG Chemie Leipzig beim Spiel gegen den FC International im Oktober 2016
Die Chemie-Fans haben eine klare Meinung zum Vorgehen des NOFV. © Archiv
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Der Nordostdeutsche Fußballverband vermeidet in der Coronakrise klare Entscheidungen und schiebt die Verantwortung an die lokalen Behörden ab. Dem harten Kern der Fans des Leipziger Regionalligisten BSG Chemie stößt das sauer auf.

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Leipzig. Das Coronavirus hat den Fußball fest im Griff, zumindest in den oberen Ligen. Weiter unten sieht das ein wenig anders aus. Viele Verbände meiden klare Bekenntnisse. Auch der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) gehört dazu. Im Hinblick auf eine mögliche Verbreitung des Corona-Erregers hatte dieser empfohlen, dass sich die Regional- und Landesverbände an die Entscheidungen den örtlichen Gesundheitsbehörden orientieren.

Kuriose Neuansetzungen

Ansonsten geben sich die Verantwortlichen unerschrocken. Anders ist kaum zu erklären, warum der NOFV am Mittwochabend die Nachholtermine für die Spiele zwischen dem SV Lichtenberg und dem ZFC Meuselwitz (1. April) sowie BAK gegen den 1. FC Lok (9. April) bekanntgab. Zu dem Zeitpunkt hatte der Regierende Bürgermeister von Berlin bereits Veranstaltungen mit über 1.000 Menschen bis zum Ende der Osterferien in Berlin am 17. April abgesagt.

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Die Stadt Leipzig reagierte am Donnerstag und teilte mit, auf der Grundlage des Erlasses zum Umgang mit Großveranstaltungen seitens des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt alle Veranstaltungen bis Karfreitag (10. April) mit über 1.000 Menschen sowohl unter freiem Himmel als auch in geschlossenen Räumen abzusagen. Veranstaltungen ab 200 Teilnehmern müssen dem Ordnungsamt gemeldet werden.

Am Donnerstag konkretisierte der NOFV seine Aussagen zum Umgang mit dem Coronavirus und gab auf seiner Homepage bekannt, dass bei Spielausfällen "Heimvereine in begründeten Fällen kostenlose Anträge / Spielverlegung beim Spielleiter stellen, die der Verband wohlwollend prüft". Zudem können die Clubs die Verringerung der Zuschauerzahl anstreben, aber aufpassen, dass die Gastmannschaft zehn Prozent des Kartenkontingents erhält. Bei Geisterspielen müssen immerhin keine Spielabgaben an den Verband gezahlt werden.

Chemie-Ultras reagieren mit Unverständnis

Mehr als irritierend liest sich in diesem Zusammenhang unter anderem der empfohlene Umgang mit positiv auf Corona getesteten Akteuren, die sich im Hausarrest befinden. Eine Absetzung der Spiele der betroffenen Mannschaft erfolgt nämlich nicht, zumindest nicht ohne Weiteres. Erst am 31. März will der NOFV die Situation erneut bewerten und empfiehlt den Vereinen bis dahin immerhin "auf Handshake zu verzichten".

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"Die sofortige Aussetzung des Spielbetriebes auf unbestimmte Zeit" fordern stattdessen die Ultras der BSG Chemie Leipzig. Die Leutzscher müssten am Sonntag bei Hertha BSC II ran. Auf der Homepage der Diablos kritisieren die Fans die Vorgaben des Verbandes. Vielmehr sehen sie in der Fortführung des Spielbetriebes eine "soziale Verantwortungslosigkeit" gegenüber den Spielern und all denjenigen, die auf und neben dem Platz am Fußballspiel beteiligt sind. Zudem würden die von Verbandsseite empfohlenen Geisterspiele vor leeren Rängen für einige Vereine an die wirtschaftliche Grenze führen.

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