05. Mai 2020 / 17:55 Uhr

Brandenburger Spitzensportler über geplanten Bundesliga-Start: "Das ist unfair anderen Sportarten gegenüber"

Brandenburger Spitzensportler über geplanten Bundesliga-Start: "Das ist unfair anderen Sportarten gegenüber"

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Antonia Stautz, Ronald Rauhe, Sebastian Bendel (oben rechts) und Christopher Linke (unten rechts) äußern sich zum geplanten Neustart der Fußball-Bundesliga.
Antonia Stautz, Ronald Rauhe, Sebastian Bendel (oben rechts) und Christopher Linke (unten rechts) äußern sich zum geplanten Neustart der Fußball-Bundesliga. © dpa/K. Friedrich/J. Steiner/S. Henke/B. Gartenschläger
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Mitte Mai soll die Fußball-Bundesliga wieder den Spielbetrieb aufnehmen. Brandenburger Sportler stehen einer Fortsetzung eher ablehnend gegenüber

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Die Deutsche Fußball Liga will die Saison in der 1. und 2. Bundesliga unbedingt fortsetzen. Am Mittwoch soll eine Entscheidung der Bundesregierung fallen. Doch in anderen Sportarten kommt dieses Ansinnen gar nicht gut an, wie eine Umfrage des SPORTBUZZER unter Spitzensportlern in Brandenburg ergab. Auf die Frage: „Was halten Sie davon, wenn der Bundesliga-Fußball wieder rollt?“, äußerte sich die Mehrheit ablehnend.

Kanu-Olympiasieger Ronald Rauhe aus Falkensee sagte: „Fußball ist nicht Nabel der Welt. Aber er scheint in Deutschland eine andere Priorität zu haben als Schulen und Kitas, wie ich als Familienvater gerade erfahre. Hier haben sich die Prioritäten auf nicht nachvollziehbare Weise verschoben. Natürlich geht es um finanzielle Interessen, aber diese haben Vereine in anderen Sportarten auch.“

Auch Volleyballerin Antonia Stautz, Kapitän beim Bundesligisten SC Potsdam, kritisierte: „Das ist nicht fair gegenüber anderen Sportarten. Wir im Volleyball sind schon lange komplett draußen. Natürlich macht es einen Unterschied, ob der Sport draußen oder in der Halle stattfindet, aber Beachvolleyball ruht auch. Fußball ist die populärste Sportart in Deutschland, da kann ich einerseits nachvollziehen, wenn man es gerade hier versucht, andererseits auch nicht, weil das ein falsches Signal wäre. Wir sind längst nicht wieder im normalen Alltag.“

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Radprofi Christoph Pfingsten aus Teltow meinte: „Die Lobby-Arbeit für den Fußball in Deutschland funktioniert noch. Es kann nicht sein, dass der Fußball im Bundesligabereich wieder rollt und alle anderen fallen hinten runter. Das fände ich sehr schade und wäre das falsche Zeichen. Ich kann nicht verstehen, weshalb der Fußball wieder eine Sonderrolle bekommen soll, während es keine Idee gibt, wann die Kitas wieder öffnen. Ich bin Familienvater. Wenn dann einige Profis wieder einem Ball hinterherrennen, finde ich das irgendwie surreal. Und die Fans haben sowieso nichts davon, weil es Geisterspiele sind. Das ist unfair anderen Sportarten gegenüber, zumal es hier noch direkten Körperkontakt gibt. Dann könnte man Weitsprung oder Speerwerfen in der Leichtathletik auch wieder möglich machen, wo jeder für sich allein anläuft.“

Geher Christopher Linke aus Werder sagte: „Fair den anderen Sportlern gegenüber ist das nicht. Der Breitensportler darf nicht in seinen Verein, aber wenn 20 Leute über den Fußballplatz rennen, ist alles erlaubt. Ich kann auch ohne Fußball leben. Auch dem Nachwuchssport gegenüber ist es ungerecht.“

Denise Schindler: "Da hängen auch viele Arbeitsplätze dran"

Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel aus Potsdam sagte dagegen: „Wenn die Fußball Liga ein Konzept erstellt, dass die Sicherheit der Kicker gewährleistet, dann sollen sie es machen. Aber ich bin kein Fan von Wettbewerben ohne Zuschauer. Für mich wäre das wie ein Trainingswettkampf. Vielleicht ist es ja ein gutes Zeichen, wenn der Fußball wieder rollt, damit andere Sportarten nachziehen können.“

Ähnlich äußerte sich Para-Radsportlerin Denise Schindler vom BPRSV Cottbus: „Das wäre auch ein Zeichen an die Menschen, wenn die Leute die Geisterspiele am Bildschirm verfolgen können, dass vielleicht wieder Licht am Ende des Tunnels ist. Da hängen auch viele Arbeitsplätze dran. Ich wünsche mir, dass andere Sportarten bald nachziehen können.“