08. November 2021 / 20:05 Uhr

Umsetzung der Corona-Regeln: „Eine Frechheit, was der Fußballverband macht“

Umsetzung der Corona-Regeln: „Eine Frechheit, was der Fußballverband macht“

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Mike Geppert, Trainer des FSV Krostitz, ärgert sich über die neu entstandenen Umstände.
Mike Geppert, Trainer des FSV Krostitz, ärgert sich über die neu entstandenen Umstände. © Alexander Prautzsch
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Sachsens Amateursportvereine haben es seit Gelten der Vorwarnstufe mit Kontaktbeschränkungen zu tun. Die Frage ist: Wer ist eigentlich gemeint, wenn sich nur noch zehn Ungeimpfte treffen dürfen? Das Sozialministerium hat jetzt auf SPORTBUZZER-Nachfrage erklärt, wie die Regeln zu interpretieren sind.

Leipzig. Nach Unverständnis, Vorwürfen und Verärgerung wechselt Sachsens Amateursport in den Bewältigungsmodus. Der wird getragen von der Frage: Wie genau sollen die Kontaktbeschränkungen im Trainings- und vor allem im Spielbetrieb umgesetzt werden?

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Während der aktuell gültigen Vorwarnstufe dürfen sich maximal zehn Ungeimpfte treffen, während der Überlastungsstufe zwei. Geimpfte, Genesene und Kinder bis zum vollendeten 16. Lebensjahr (also bis zum 16. Geburtstag) zählen nicht mit. Wie das Sozialministerium (SMS) am Montag auf SPORTBUZZER-Anfrage mitteilte schließt diese Zahl „sämtliche an einem Spiel oder Training beteiligte Personen sowie zum Zeitpunkt des Spiels auf oder neben dem Spielfeld befindliche Personen“ ein. Heißt: Trainer und Trainerinnen, Physios oder Wechselspieler und -spielerinnen sind zu berücksichtigen.

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Wie genau die Vereine das absichern, bleibt ihnen überlassen. In der Sachsenliga wollten die SG Taucha und der FC Blau-Weiß am Samstag beispielsweise unbedingt spielen - beide Teams vereinbarten vorab: Jede Mannschaft darf fünf Ungeimpfte aufstellen. Doch die Praxis hielt schnell neue Hürden bereit: Denn kurz vor Anpfiff stellte sich heraus, dass auch das Schiri-Trio nicht vollständig geimpft war.


Kickers baten um Absetzung

In der Landesklasse wurde die Partie zwischen Torgau und Krostitz mit 15-minütiger Verspätung angepfiffen. Die Gäste bestanden zuvor auf einen Vermerk im Spielprotokoll, dass die Corona-Bestimmungen eingehalten worden seien. Trainer Mike Geppert begründete: „Wir wollten uns absichern, damit es im Nachhinein keinen Ärger gibt. Es ist eine Frechheit, was der Fußballverband macht, uns mit diesem Problem allein zu lassen. Eigentlich hätten am Freitag alle Spiele abgesagt werden müssen.“

Den Kickers Markkleeberg war die Situation zu heiß. Sie baten direkt um Absetzung ihres Gastspiels bei Dresden-Laubegast. Dem wurde entsprochen. Es war nicht die einzige Partie, die aus diesem Grund ausfiel.

Der Blick der Clubs geht also Richtung Verbände. Der Sächsische Fußball-Verband (SFV) verwies am Montag auf seiner Homepage an den Landessportbund (LSB). Der wiederum verwies auf ein ausstehendes Gespräch mit Sachsens Sozialministerin Köpping um die „gegenseitigen Standpunkte“ zu klären. Die Dauer dieser Abstimmung sei nicht vorhersehbar. Der Fußballverband der Stadt Leipzig wollte am Montagabend beraten, wie es mit dem Spielbetrieb konkret weitergehen soll. Das Ergebnis? Offen.

Zuschauerproblematik separat zu betrachten

Neben Fragen zum Wettbewerb tut sich ein weiteres Problem auf: das der Zuschauer. Denn kaum eine Partie, sei es nun Fußball, Handball oder Volleyball, begrüßt mehr als 1000 Fans, gilt mithin nicht als Großveranstaltung. Hallensportarten haben es „einfach“: Innen gelten die 2G-Regel, Maskenpflicht abseits des eigenen Platzes, Kontakterfassung sowie eine Kapazitätsbegrenzung, die die Einhaltung des Mindestabstands garantiert.

Und draußen? Da sind die Kontaktbeschränkungen zu beachten. „Es dürfen nicht mehr als zehn Ungeimpfte den Mindestabstand zueinander unterschreiten“, sagt das SMS dazu. Es wäre also theoretisch möglich, dass mehrere Gruppen von je zehn Ungeimpften, solange diese Gruppen Abstand voneinander halten, gemeinsam einem Spiel beiwohnen. Auch in diesem Punkt ist die praktische Umsetzbarkeit offen.

Mit: Frank Müller, Johannes David