25. Juli 2021 / 18:05 Uhr

Unentschieden zum Auftakt: FC Eilenburg und Chemie Leipzig trennen sich 1:1

Unentschieden zum Auftakt: FC Eilenburg und Chemie Leipzig trennen sich 1:1

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
FC Eilenburg - BSG Chemie Leipzig
FC Eilenburg - BSG Chemie Leipzig © Alexander Prautzsch
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Saisonstart befriedigend verlaufen: Die BSG Chemie erreicht beim Aufsteiger FC Eilenburg ein gerechtes 1:1-Unentschieden und hat noch etlichen Verbesserungsbedarf entdeckt.

Eilenburg. Eigentlich hätte es ein Tag für die Geschichtsbücher werden können. Das erste Spiel nach 266 Tagen, endlich wieder Fans dabei, Auftaktspiel des Aufsteigers gegen einen attraktiven Gegner aus Leipzig-Leutzsch – und tausend Geschichten. Denn der Querverbindungen zwischen den Vereinen gibt es unzählige. So spielten Stefan Karau und Benjamin Luis in der Muldestadt, andererseits schnürten Philipp Sauer und Brandon Stelmak die Töppen für die Chemiker. Einer, der Chemie im Herzen und das blau-rote Trikot auf dem Körper trägt, ist Tim Bunge. Doch der humpelte verletzt durchs mit 2380 Zuschauern gut gefüllte Ilburg-Stadion und musste sich den Kampf von draußen ansehen. Geschichte 1: Chemie-Capitano Karaus Einsatz stand in den Sternen, entschied sich erst spät: „Ich habe die ganze Woche nicht trainiert, bin gerade so noch fit geworden“, so das Schlachtross der Leutzscher, dem man über 90 Minuten nichts anmerkte. Sauer spielte bemerkenswert gut und lieferte ein tolles Spiel ab, der Ami Stelmak kam spät und zeigte sich wenig.

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„Der muss erst mal rein!“

Vorstandsvorsitzender Frank Kühne hatte es zeitig gesagt: Ein Punkt aus Eilenburg mitzubringen, wäre in Ordnung. Trainer Miro Jagatic hatte entsprechend gewarnt und sah sich früh bestätigt, als die Gastgeber nicht nur keck begannen, sondern auch früh in Führung gingen, als bei einem Eckball kurzzeitig Konfusion im grün-weißen Abwehrverbund herrschte und Torschütze Kevin Wadewitz der Ball förmlich vor die Füße fiel (10.). Chemie mit Licht und Schatten, sinnbildlich darf Neuzugang Timo Mauer genannt werden. Mal tankte er sich auf der rechten Seite gut durch, tunnelte gar den Gegner und passte scharf und präzise nach innen (Jäpel schoss aus Abseitsposition drüber, 7.), mal versprangen ihm einfache Bälle. Chemie mit nur einer großen Chance, als Burys Kopfball grandios von Schlussmann Andreas Naumann pariert wurde (27.). Wie sehr es teilweise noch durcheinanderging, zeigte die Szene in der 40. Minute, als ein eigentlich guter Angriff nicht abgeschlossen und die Verantwortung von einem zum anderen Angreifer gegeben wurde. Am Ende versprang der Ball im Gewühl.

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1:1! Der FC Eilenburg ergattert bei der Regionalliga-Premiere gegen die BSG Chemie Leipzig einen Punkt. Zur Galerie
1:1! Der FC Eilenburg ergattert bei der Regionalliga-Premiere gegen die BSG Chemie Leipzig einen Punkt. ©

In Hälfte zwei kam Flo Kirstein für Mauer, Chemie hatte nun mehr Ballbesitz. Lohn war der Elfmeter, als Torwart Naumann Jäpel fällte. Frank Kühne stöhnte: „Der muss erst mal rein!“ und verzog sich hinter die Tribüne, weil er nicht hinsehen konnte. Stephané Mvibudulu aber blieb eiskalt, schaute sich den Keeper in aller Seelenruhe aus und schob unten links ein (58.). „Ich hatte gesehen, wie stark der in der Luft ist, als er Burys Kopfball parierte, also war mir klar, dass es nur flach geht“, erzählte der Torschütze danach. Nach dem Ausgleich hoffte Chemie, dass den Eilenburgern die Luft ausgehen würde und brachte frisches Offensivpersonal. Doch so richtig zündete der Turbo nicht, alles blieb seltsames Stückwerk, etliches ging daneben. Eine schöne Kombination über Benjamin Luis und Mvibudulu jagte Kirstein in den wolkenlosen Himmel (78.), viel mehr gab es nicht zu vermelden.

„Nie an eine Niederlage gedacht“

Nur, dass es am Ende fast doch noch eine dieser wundervollen Geschichten gegeben hätte, die der Fußball manchmal zu schreiben beliebt. Denn in der 93. Minute, da rutschte ein Ball ins Zentrum der Eilenburger durch, wo der Ex-Eilenburger Benny Luis stand. „Ich hab den Ball geschoben und eigentlich auch gut erwischt, aber irgendwie hatte der Hüter die Finger noch dran“, ärgerte sich Luis. Direkt danach ertönte der Schlusspfiff.

Routinier Karau war am Ende froh über die Punkteteilung: „Das geht schon in Ordnung. Gut ist, wie wir uns wieder reingekämpft haben und zurückgekommen sind.“ Torschütze Mvibudulu gab zu: „Ich habe eigentlich nie an eine Niederlage gedacht und war mir sicher, dass wir was mitnehmen. Aber nach so langer Zeit ohne Wettkampfbetrieb weiß man eben erst mal nicht, wo man steht und wie alles läuft.“ Während Boss Kühne nun am Mittwoch zuhause im Alfred-Kunze-Sportpark gegen Halberstadt „nachwaschen“ will, ärgerte sich Trainer Jagatic noch über das Gegentor: „Da waren wir wohl noch im Coronaschlaf. Das hatten wir extra vorher angesprochen. Dann rennt man hinterher und verliert unnötig Körner. Aber hier werden sich noch andere ganz sicher die Zähne ausbeißen!“ Und Beinahe-Held Luis dachte schon an den kommenden Mittwoch: „Wenn ich dann so eine Chance kriege, probiere ich es mit einem Lupfer, vielleicht klappt es dann!“