20. Juni 2021 / 14:19 Uhr

Ungarn jubelt sich in Richtung DFB-Duell: Trainer Rossi nach Frankreich-Remis "wie ein Kind im Freizeitpark"

Ungarn jubelt sich in Richtung DFB-Duell: Trainer Rossi nach Frankreich-Remis "wie ein Kind im Freizeitpark"

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ungarn-Trainer Marco Rossi hat die Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale nach dem Unentschieden gegen Frankreich noch nicht aufgegeben.
Ungarn-Trainer Marco Rossi hat die Hoffnung auf den Einzug ins Achtelfinale nach dem Unentschieden gegen Frankreich noch nicht aufgegeben. © IMAGO/Getty/Montage
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Underdog Ungarn darf nach dem Unentschieden gegen Frankreich in der "Todes-Gruppe" F vor dem letzten Spieltag noch auf das Weiterkommen hoffen. Die Leistung beim 1:1 gegen Weltmeister machte bei Trainer Marco Rossi nicht nur wegen der prall gefüllten Puskas Arena Lust auf mehr.

Marco Rossi schien der Ratschlag wichtig. "Die Leute sollen einfach einen schönen Sonntag verbringen", lautete die Botschaft des ungarischen Nationaltrainers, nachdem sich seine heldenhaft fightenden Fußballer im Budapester Brutkessel ein 1:1 gegen den Weltmeister Frankreich erkämpft hatten. Die Menschenmenge wirkte nahezu berührt von so viel Einsatz, die Ehrenrunde wollte nicht enden, der Applaus sowieso nicht. Und bevor alles zu früh auf das Duell am Mittwoch gegen Deutschland blickt, fand der kahlköpfige Italiener Rossi, schenkt er den Menschen in seiner Wahlheimat mal ein freies Wochenende.

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Von einem besonderen Tag schwärmte Lebemann Rossi: "Vorher habe ich eine EM immer nur im Fernsehen gesehen. Jetzt bin ich hier und fühle mich wie ein Kind, das einen Freizeitpark besucht und die Fahrgeschäfte ausprobieren will."

"Ich sage nicht, dass wir nach München fahren und gewinnen"

Doch in Achterbahnen gehört dazu, dass es schnell wieder runtergeht. Ungeachtet aller Hochgefühle scheint die Aufgabe herausfordernd, mit einem Sieg gegen Deutschland als Außenseiter das Achtelfinalticket zu lösen. In München gibt es kein Geschrei, Gesang und Gegröle der eigenen Fans. In Budapest waren erneut Abertausende ungeachtet aller Corona-Regeln vom Heldenplatz in die Puskas-Arena gepilgert. Der Trainer weiß, dass am Mittwoch diese Rückendeckung fehlt. "Ich bin nicht dumm und arrogant. Ich sage nicht, dass wir nach München fahren und gewinnen“, meinte der 56-Jährige. "Ich sage, dass wir nach München fahren und alles versuchen werden, um das beste Ergebnis zu erzielen."

Notfalls geht man mit erhobenem Haupt aus diesem Turnier, das selbst für den sonst so besonnenen Tormann Peter Gulacsi (31) unvergessen bleiben wird. Ausgelassen wie ein Kind tanzte der Ballfänger von RB Leipzig durch seinen Torraum, sackte dann am Pfosten in die Knie und wunderte sich auch später noch, "dass wir so etwas erleben durften". Auch der mal für Werder Bremen spielende Mittelfeldmann Laszlo Kleinheisler, 27, als giftiger Schattenmann von Weltstar N’Golo Kanté zum "Spieler des Spiels" ausgezeichnet, äußerte sich gerührt: "Das alles gibt uns große Kraft für das letzte Gruppenspiel."

"Nach zwei Stunden voller Adrenalin und Spannung“ (Rossi) waren Spieler und Trainer im Überfluss der Emotionen trotzdem zunächst fix und fertig. Beim Nationalcoach entlud sich die anstrengende Arbeit von drei Jahren. Er erinnerte daran, wie er bei seinem Amtsantritt 2018 im ungarischen Trainingszentrum im Vorort Telki von einer "Beerdigungsatmosphäre begrüßt" worden sei: "Damals habe ich den Jungs gesagt, dass ich möchte, dass jeder Nationalspieler mit ganzem Herzen für die Mannschaft kämpft." Diese Botschaft kam offenbar an: Die Zulassung fürs halbe Heimturnier erarbeiteten sich die Magyaren erst in den letzten Minuten des Play-off-Rückspiels gegen Island. Damals noch vor leeren Rängen.

Einheimische mussten Corona-Impfung oder überstandene Erkrankung nachweisen

Am Samstagnachmittag erlebte nun eine dicht gedrängte Menschenmenge von offiziell 55.998 Besuchern – Einheimische mussten eine Impfung oder eine überstandene Erkrankung nachweisen – das Lehrstück vom tapferen Außenseiter, der dem trägen Favoriten ein Bein stellt. Als Verteidiger Attila Fiola einen Konter erfolgreich abschloss (45.+2), räumten Torschütze und Teamgefährten den am Spielfeldrand stehenden Tisch der Stadionsprecherin ab. Party pur – nur nicht bei den Franzosen ...


Wenn nicht Ungarns Abwehrchef Willi Orban den Ball nach einer Hereingabe des nie zu fassenden Stürmerstars Kylian Mbappé abgelenkt hätte, wäre Antoine Griezmann kaum zum Ausgleichstreffer gekommen (66.). Trotz seines siebten EM-Treffers fühlte sich Frankreichs Torschütze im Tollhaus gar nicht wohl: "Wir sind ein volles Stadion nicht mehr gewohnt. Wir haben uns nicht gehört", klagte der 30-Jährige. Überdies: "Der Rasen war trocken, es war heiß und schwül." Hörte sich bei Monsieur Griezmann ein bisschen an wie bei einem kleinen Kind, das im Freizeitpark keinen Spaß hatte.