23. Juni 2021 / 11:05 Uhr

Ungarn-Legende Lajos Detari über die volle Puskas Arena, Jürgen Klopp und seine Zeit bei Eintracht Frankfurt

Ungarn-Legende Lajos Detari über die volle Puskas Arena, Jürgen Klopp und seine Zeit bei Eintracht Frankfurt

Dimitrios Dimoulas
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Lajos Detari spielte in Deutschland für Eintracht Frankfurt.
Lajos Detari spielte in Deutschland für Eintracht Frankfurt. © IMAGO/Jan Huebner
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Nur ein Jahr spielte Lajos Detari für Eintracht Frankfurt - wurde in dieser Zeit aber zu einer Legende. Vor dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Detaris Ungarn sprach der SPORTBUZZER mit dem 58-Jährigen über seine Zeit bei der SGE und die zuletzt nahezu vollbesetzte Puskas Arena.

Obwohl Lajos Detari nur ein Jahr für Eintracht Frankfurt spielte, genießt er dort bis heute Legendenstatus. Sein Wechsel 1987 für 3,5 Millionen Deutsche Mark von Honved Budapest zur Eintracht war damals der teuerste Transfer der Bundesliga. Nach einem Fehlstart drehte der ungarische Regisseur in der Rückrunde auf, erzielte 14 Tore und führte das Team von Trainer Karl-Heinz Feldkamp mit einem Freistoßtreffer zum Pokalsieg gegen den VfL Bochum. Anschließend verkauften ihn die Frankfurter für die Rekord-Ablösesumme von 17 Millionen Mark an Olympiakos Piräus nach Griechenland. Heute betreibt der 58-Jährige, der zwischenzeitlich Trainer in Griechenland und Ungarn war, eine Fußball-Akademie in Budapest.

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SPORTBUZZER: 2016 schaffte Ungarn den Sprung ins Achtelfinale. Diesmal droht, trotz Heimvorteil, das Ausscheiden in der Gruppenphase. Sind Sie enttäuscht?

Lajos Detari: Nein, denn damals war die Gruppenkonstellation mit Österreich, Island und Portugal eine ganz andere. Jetzt musste man gegen den Titelverteidiger und den amtierenden Weltmeister und Deutschland antreten. Außerdem war das Team damals einen Tick besser und erfahrener, nun hingegen besitzt die Mannschaft einen besseren Trainer.

In Budapest scheint die Fußball-Normalität zurückgekehrt zu sein, wenn man die ausverkaufte Puskas-Arena sieht. Wie erklären Sie sich das?

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Prinzipiell ist die Rückkehr der Fans in die Stadien eine tolle Sache – sei es mit weniger oder mehr Zuschauern. Ein Turnier mit Geisterspielkulisse wäre unvorstellbar. In Budapest fußt die Entscheidung, ein volles Stadion zu präsentieren, auf der positiven Entwicklung in der Pandemiebekämpfung dank – unter anderem – der hohen Impfquote.

"Die Wertschätzung, die ich in Frankfurt noch immer erfahre, ist gigantisch"

Verfolgen Sie noch die Geschehnisse bei Eintracht Frankfurt?

Ich verfolge die Bundesliga im Allgemeinen und die Eintracht natürlich ganz besonders. Zudem habe ich einen guten Draht zu Charly Körbel und Andy Möller, der noch vor paar Jahren Co-Trainer der ungarischen Nationalmannschaft war. Das letzte Mal war ich als Gast beim Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea. Die Wertschätzung, die ich in Frankfurt immer noch erfahre, ist gigantisch!

Ähnlich dürfte es auch mit Jürgen Klopp gewesen sein?

Ich wusste gar nicht, dass Kloppo zu meiner Zeit in der Amateurmannschaft der Eintracht spielte und mich so auf dem Radar hatte! (lacht) Als ich vor Jahren in Mainz hospitierte, kam er auf mich zu und sprach mir seine Bewunderung aus. Anschließend waren wir gemeinsam beim Essen. Ein sehr besonderer Mensch und Trainer.

Betrachten Sie rückblickend Ihre Karriere als unvollendet, gemessen an den Stationen und den Titeln, die Sie holten? Immerhin jagten Sie damals fast alle Topklubs in Europa?

Ich bin mit mir im Reinen. Als Kind im kommunistischen Ungarn hätte ich mir diesen Werdegang nie zu träumen gewagt. Man muss zudem berücksichtigen, dass ich nicht immer alleiniger Entscheidungsträger war. Den Wechsel zu Eintracht fädelte der ungarische Verband ohne meine Kenntnisnahme ein – ich wurde im Nachhinein informiert. So war es damals bei den meisten Vereinen des Ostblocks. Monaco und Barcelona hatten damals auch Interesse, mich zu verpflichten, die Frankfurter beherrschten anscheinend besser die sportpolitische Diplomatie (lacht). Nach dem Pokalsieg wollte ich Frankfurt eigentlich nicht verlassen, und wenn, dann zu Juventus Turin wechseln, das mich unbedingt haben wollte und mein Lieblingsverein war.

"Ich wurde mit einem fürstlichen Vertrag ausgestattet"

Stattdessen landeten Sie bei Olympiakos Piräus und dem obskuren Vereinspräsidenten Georgios Koskotas.

Er überbot das Angebot der Italiener, was natürlich ein lukrativer Deal für alle Beteiligten war, den ungarischen Verband inbegriffen. Bei der Vorstellung am Rathausplatz begrüßten mich 10 000 Fans. Ich wurde mit einem fürstlichen Vertrag ausgestattet, spielte Woche für Woche vor frenetischem Publikum. Sportlich lief es aber nicht rund, zumal der besagte Koskotas fluchtartig das Land verlassen hatte, nachdem er sich als Hauptakteur eines riesigen finanzpolitischen Skandals entpuppte.

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