15. Oktober 2020 / 18:31 Uhr

Ungewohnte Verfolgerrolle: Wolfsburgs Frauen machen Jagd auf den FC Bayern

Ungewohnte Verfolgerrolle: Wolfsburgs Frauen machen Jagd auf den FC Bayern

Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Jetzt in der Verfolgerrolle: Die VfL-Frauen (M. Lena Oberdorf) erwarten Duisburg.
Jetzt in der Verfolgerrolle: Die VfL-Frauen (M. Lena Oberdorf) erwarten Duisburg. © Roland Hermstein
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In einer für Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg ungewohnten Verfolgerrolle geht das Team von Trainer Stephan Lerch am Sonntag gegen Duisburg auf den Platz - und muss sich dafür in der Offensive erneut etwas einfallen lassen.

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Schwere Verletzung von Kapitänin Alexandra Popp, zwei verlorene Punkte in Freiburg, Bayern nun Tabellenführer: Für die Bundesliga-Fußballerinnen des VfL Wolfsburg lief das Auswärtsspiel beim SC Freiburg letzten Sonntag nicht wie erhofft. Lange führte der Titelverteidiger mit 1:0, doch am Ende gab's nur einen Zähler. Am Sonntag möchte die Mannschaft von Trainer Stephan Lerch im Heimspiel gegen den MSV Duisburg (14 Uhr) wieder gewinnen. 743 Fans dürfen ins AOK-Stadion, Tickets können weiterhin online erworben werden.

"Nach dem Spiel waren alle niedergeschlagen und unzufrieden mit dem Ergebnis. Quasi mit Schlusspfiff das Gegentor zu kassieren ist auch psychologisch hektisch, da muss man sich erst einmal schütteln und das verarbeiten", so Lerch ehrlich, doch "wir haben das mit einer ausführlichen Analyse aufgearbeitet und die Situation, in der wir uns nun befinden, besprochen."

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Und die neue Rolle ist ganz klar: Der VfL ist jetzt als Tabellenzweiter (16 Punkte) in der Verfolgerrolle hinter Bayern (18 Zähler). "Auch diese Rolle wollen wir gut annehmen und ausführen", bestätigt der 36-Jährige. Auf dem Trainingsplatz habe die Mannschaft eine gute Reaktion gezeigt, die Spielerinnen haben "sehr fokussiert und konzentriert gearbeitet. Alle Sinne sind jetzt noch einmal geschärft und wir wollen unbedingt gegen Duisburg gewinnen." Aber: "Wir dürfen jetzt auch nicht verkrampfen. Diese Jetzt-erst-recht-Mentalität ist zwar gut, aber man muss trotzdem eine gewisse Lockerheit und Geduld an den Tag legen."

Neben Ewa Pajor (Knie-OP), Fridolina Rolfö (Nachwirkungen einer Gehirnerschütterung) und Pauline Bremer (Kreuzbandriss) fällit mit Popp (Kapselverletzung im Fuß) bereits die vierte Wolfsburger Offensiv-Spielerin aus. "Das setzt uns schon sehr zu. Das sind alles Ausfälle, die haben es in sich. Da geht uns Qualität mit viel Variabilität verloren", weiß Lerch. Gegen Duisburg erwartet der VfL eine Fünferkette. Helfen kann, dass "Zsanett Jakabfi wieder da ist und letzte Woche auch gut drauf war. Karina Saevik hat in Freiburg in der zweiten Halbzeit auch in der Spitze gespielt und mit Svenja Huth hätten wir eine weitere Option. Wir werden eine gute Lösung finden." Zudem werden die beiden Talente Lisanne Gräwe und Lotta Cordes gegen Duisburg wieder im Kader stehen.

Wer die Mannschaft gegen den MSV als Kapitänin aufs Feld führen wird, ist ebenfalls noch offen, doch "auch da gibt es Namen, die schon lange im Verein sind und Führungsqualitäten haben". Eigentlich bildeten Pernille Harder (wechselte zum FC Chelsea), Almuth Schult (befindet sich nach Schwangerschaft noch im Training) und Popp das Kapitäninnen-Trio.

Schult im Mannschaftstraining

Erst Schulter-OP, dann Schwangerschaft und Geburt von Zwillingen: Ihr letztes Spiel im VfL-Trikot absolvierte Torfrau Schult am 5. Mai 2019 beim 1:0-Erfolg in Hoffenheim. Mittlerweile befindet sich die 29-Jährige wieder im Mannschaftstraining. "Sie war über ein Jahr raus. Jetzt trainiert sie seit Montag wieder voll mit der Mannschaft", berichtet Lerch. "Sie muss jetzt dranbleiben, sich die Sicherheit holen und in die Abläufe finden. Es ist schön, sie wieder auf dem Platz zu haben. Sie ist sehr lautstark, kommunikativ, ehrgeizig und total engagiert auf dem Platz." Das sei super, doch "wir schauen von Woche zu Woche, wie es sich weiterentwickelt. Wir müssen die Belastung ab und zu noch steuern und anpassen. Wir gehen damit behutsam um."

Auch Sara Doorsoun ist auf dem Weg der Besserung. Die Verteidigerin zog sich im Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon eine Innenband-Verletzung im linken Knie zu. "Sie macht Fortschritte in der Reha. Anfangs hat es sich etwas gezogen, da ist der Heilungsprozess nicht so gelaufen wie erhofft." Die Defensivspielerin habe aber noch kein individuelles Training mit dem Ball auf dem Platz gemacht und ist "weit davon entfernt, mit der Mannschaft zu trainieren. Da müssen wir uns noch gedulden, aber wir sind guter Dinge, dass sie dieses Jahr vielleicht noch einmal zum Einsatz kommt".