13. Mai 2020 / 16:01 Uhr

Dynamo Dresden will die Saison zu Ende spielen

Dynamo Dresden will die Saison zu Ende spielen

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
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Dynamo Dresden kann derzeit nicht draußen trainieren, will aber die Saison zu Ende spielen. © Jochen Leimert
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Der Verein wehrt sich gegen Vorwürfe, die Schwarz-Gelben wollten einen Abbruch der Spielzeit erzwingen, um dem Abstieg zu entrinnen. Zudem fordert Dynamo die Verlegung des Bielefeld-Spiels.

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Dresden. In einer virtuellen Pressekonferenz hat Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden am Mittwochnachmittag Mutmaßungen Dritter, der Verein dränge in der Corona-Krise auf einen Saisonabbruch, entschieden zurückgewiesen. Sport-Geschäftsführer Ralf Minge erklärte, Dynamo wolle die Spielzeit sportlich beenden. Das habe man der DFL auch eindeutig kommuniziert: "Wir haben klar gesagt, dass wir die Saison zu Ende spielen wollen." Minge erinnerte an die umfangreichen Bemühungen, den Tabellenletzten in der Winterpause zu verstärken und sah Dynamo bisher auf einem guten Weg. Man habe den Rückstand deutlich verringert, liege nur noch einen Punkt hinter dem Relegationsplatz und vier hinter einem Nichtabstiegsplatz. "Wir sind in Schlagdistanz, was uns im Winter keiner zugetraut hätte", so Minge. Wenn man den Punkteschnitt aus den Spielen seit der Winterpause halten könne, "werden wir unser Ziel erreichen", so der ehemalige DDR-Auswahlspieler.

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Der Rasen im alten Trainingsgelände ist in Topzustand, doch genutzt werden darf er derzeit nicht. Zur Galerie
Der Rasen im alten Trainingsgelände ist in Topzustand, doch genutzt werden darf er derzeit nicht. ©

Die Bosse des Zweitliga-Schlusslichts versicherten, Dynamo habe alle Hygiene-Vorschriften der DFL strikt eingehalten, wisse immer noch nicht, wie es zu den Corona-Infektionen bei nun insgesamt drei Spieler der Schwarz-Gelben gekommen sei. Man habe auch keinen Druck auf das Gesundheitsamt Dresden ausgeübt, das die gesamte Mannschaft sowie Trainer und Betreuer am Sonnabend gegen 15.45 Uhr für zwei Wochen in häusliche Quarantäne geschickt hatte. Eine Streikandrohung der Spieler, von denen insgesamt fünf entweder gerade Vater geworden sind oder es in Kürze werden, habe es auch nicht gegeben. "Es stand nie im Raum, dass ein Spieler sagt: Ich habe keinen Bock mehr!", so Minge. Mannschaftsarzt Dr. Onays Al-Sadi habe aber alles unternommen, den besorgten Spielern die notwendigen Informationen zu übermitteln: "Der Doktor hat sich unendlich viel Zeit genommen, um die Jungs zu beruhigen", versicherte Minge. Sollte sich letztlich doch ein Spieler weigern, aus Gründen des Infektionsschutzes am Training oder Wettkampf teilzunehmen, könne man ihn dazu auch nicht zwingen.

Minge und Born gegen Absteiger bei Saisonabbruch

Wann Dynamo wieder spielen kann, das steht noch nicht fest. Darüber soll am Donnerstag noch einmal in der DFL-Versammlung beraten werden, sagte Michael Born, Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer. Der 52-Jährige erklärte nach einer Konferenz der Zweitligisten am Mittwoch, dass die Dresdner viel Unterstützung im Kampf um die Wahrung der Chancengleichheit im sportlichen Wettbewerb erhalten hätten. Er habe "Solidarität hinsichtlich der Integrität des Wettbewerbs" eingefordert und sei damit auf offene Ohren gestoßen, so Born, der für diese Woche schon ein Hotel gebucht hatte, um die Mannschaft abseits des Trainings vor dem ursprünglich am Sonntag geplanten Spiel in Hannover zu isolieren. Minge glaubt, dass Dynamo nach Ablauf der Quarantäne nicht sofort wieder kicken kann, ein Einstieg im Auswärtsspiel beim Spitzenreiter in Bielefeld nicht realistisch ist: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir dann schon wieder an den Start gehen können." Born ergänzte: "Unter einem fairen Wettbewerb verstehe ich nicht, wenn man drei Tage nach der Quarantäne wieder in ein Meisterschaftsspiel gehen muss. Man muss schon einige Tage Mannschaftstraining haben." Man werde bis dahin aber alles versuchen, den Substanzverlust bei den Profis "so gering wie möglich" zu halten, bekräftigte Minge. Daran, dass alle Zweitligisten später - also mit Dynamo - starten, glaubt er nicht: "Das wird nicht passieren", so der 59-Jährige.

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Deutlich machten Minge und Born, dass die Dresdner keiner Regelung zustimmen werden, die Absteiger im Falle eines Saisonabbruchs vorsieht: "Momentan kann ich mir das nicht vorstellen", sagte Born. Anfreunden könnten sich die Sachsen indes mit einer auf 20 Vereine aufgestockten Liga im kommenden Jahr. "Ich wäre dafür, glaube aber, nicht alle können dem folgen", zeigte sich Born skeptisch, dass dieser Ansatz einhellige Zustimmung in der Liga findet. In dieser Saison rechnen die Dresdner bislang mit rund 2,5 Millionen Euro Verlust, im nächsten Jahr - vorausgesetzt man bleibt Zweitligist - könnten es bis 5,5 Millionen Euro sein. Genau abschätzen könne das aber derzeit niemand, so Born.