12. Juni 2020 / 12:29 Uhr

Hütchenspiele im Sand: Unicorns aus Herrenhausen können endlich wieder beachen

Hütchenspiele im Sand: Unicorns aus Herrenhausen können endlich wieder beachen

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Anstrengendes Hütchenspiel: Jana Ackermann hüpft in Herrenhausen durch einen Parcours.  
Anstrengendes Hütchenspiel: Jana Ackermann hüpft in Herrenhausen durch einen Parcours.   © Debbie Jayne Kinsey
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Seit drei Wochen können die Beachhandball-Spielerinnen der Beach Unicorns Hannover wieder auf der Anlage des MTV Herrenhausen trainieren. Turniere sind aber wegen der Corona-Pandemie bisher komplett abgesagt worden. Egal. "Wir haben Spaß und können raus, das ist entscheidend“, sagt Trainer Dennis Glaser.

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Dennis Glaser hat vergessen, zu Beginn des Trainings die Partyhits einzuschalten. Nicht schlimm. Das muss der Coach auch gar nicht. Gute Laune haben die Beachhandball-Spielerinnen der Beach Unicorns Hannover ohnehin.

Dass es hin und wieder tröpfelt und von Ferne Gewitterdonner zu hören ist, stört nicht weiter. Die Frauen des amtierenden deutschen Vizemeisters sind richtig gut drauf und lachen oft. Seit drei Wochen können sie wieder auf ihrer Anlage vom MTV Herrenhausen trainieren. Trainer Glaser weiß zwar nicht, ob und wann in diesem Sommer überhaupt Turniere gespielt werden können. „Aber wir haben Spaß und können raus, das ist entscheidend“, sagt er.

Beachhandball fast körperlos

Im Gegensatz zum Handball in der Halle ist die Strandvariante fast körperlos. Der Rivale darf nicht attackiert und allein der Wurf geblockt werden. Daher ist es gar nicht so schwer, den strengen Corona-Auflagen zu genügen: Abstand halten. „Wir machen aus der Not eine Tugend und üben die Sachen, die sonst vielleicht etwas zu kurz kommen“, sagt Glaser.

Die Einheit beginnt unerfreulich, beim vorherigen Athletiktraining hat sich Laura Dewes am Knöchel verletzt. Die folgenden 90 Minuten mit Ball verpasst sie, setzt sich etwas abseits in den Sand. Zu sehen gibt es allerhand, da obendrein auf dem benachbarten Rasenplatz die Stallions üben, das Cricketteam des MTV.

Weiche Landung: Sarah Hennigsen von den Unicorns ist allein beim Wurftraining.
Weiche Landung: Sarah Hennigsen von den Unicorns ist allein beim Wurftraining. © Debbie Jayne Kinsey

Glaser hat viel Zeit auf den Aufbau verwendet, grelle Leibchen im Sand verteilt und Plastikbarrieren. Sie dienen zur Orientierung und helfen, die richtige Distanz zu wahren. Jede Spielerin bekommt dadurch Räume zugewiesen, in denen sie sich bewegen darf.

"Stimmungsvolle Musik gehört dazu"

Dann beginnen die elf Spielerinnen zu springen und Pirouetten zu drehen. Ein Tor nach Drehung um die eigene Achse in der Luft zählt ebenso doppelt wie ein Treffer auf Kempa-Anspiel. Sprungvermögen sowie exakte und weite Pässe lässt Glaser immer wieder üben. „Die Gegnerin, die den Ball noch blocken könnte, müssen wir uns allerdings dazu denken“, sagt der Coach.

Bevor es zum Torwurf geht, schaltet Glaser die Musik ein. „Sie hatte nur noch Schuhe an“, wummert aus der Box. Das passt insofern nicht, als die Frauen sehr wohl bekleidet, nur eben barfuß unterwegs sind. Der Stimmung ist es jedoch förderlich, die eine oder andere Spielerin singt bisweilen mit. „Stimmungsvolle Musik gehört zu den Turnieren dazu“, sagt Glaser schmunzelnd.

Achtet auf Distanz: Trainer Dennis Glaser verteilt die Leibchen.
Achtet auf Distanz: Trainer Dennis Glaser verteilt die Leibchen. © Debbie Jayne Kinsey

Gut in Form ist an diesem Abend Keeperin Jenny Schäfer vom MTV Rohrsen (die Unicorns-Spielerinnen kommen aus fünf Vereinen), sie zeigt viele Paraden.

Alle Beachturniere sind abgesagt

Für Maurice Dräger im anderen Kasten läuft es nicht ganz so gut, der Feldspieler von Drittligist Handball Burgwedel ist Co-Trainer. Der Zwei-Meter-Mann ist Nationalspieler und hilft heute im Tor aus – er nimmt jeden Treffer mit Humor.

Auf diese Weise gibt es noch mehr Platz auf dem großen Sandareal, die Unicorns kommen sich nicht in die Quere. Besonders viel Vergnügen hat Leonie Neuendorf, die Shooterin vom TV Baden­stedt knüpft augenscheinlich an ihre starken Leistungen vom vergangenen Sommer an.

Ob sie das noch unter Beweis stellen kann, ist unklar. Bisher sind alle Beachturniere wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden, so auch der Herrenhäuser Beachcup. „Es könnte zwei Turniere in Nordrhein-Westfalen geben, dort sind die Bestimmungen schon gelockert worden“, weiß Glaser. Zumindest auf abgespeckte Events hoffen die Unicorns. Die übliche Partystimmung dürfte in diesem Sommer nicht aufkommen, da machen sich die Einhörner nichts vor.

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Marie-Kristin Gerber kann das nicht schrecken, die sprunggewaltige Badenstedterin hat gefühlt den gesamten Abend ein Strahlen im Gesicht. „Mini“, wie sie genannt wird, steht damit für das gesamte Team.

Vereinzelt zucken Blitze über den Himmel, ein Regenschauer geht kurz nach Trainingsende nieder. Den Unicorns ist es egal. „Hauptsache, wir können wieder beachen. Es wurde Zeit“, betont Glaser.