12. Januar 2021 / 16:29 Uhr

Das sagt Unions Christopher Lenz über Hertha BSC und Bayerns Davies

Das sagt Unions Christopher Lenz über Hertha BSC und Bayerns Davies

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Immer am Ball: Unions Christopher Lenz (r.) kam bislang in allen 15 Saisonspielen für die Berliner zum Einsatz.
Immer am Ball: Unions Christopher Lenz (r.) kam bislang in allen 15 Saisonspielen für die Berliner zum Einsatz. © Getty Images Europe/Pool
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Vor dem Bundesliga-Spitzenspiel am Freitag zwischen Union Berlin und Bayer Leverkusen spricht Christopher Lenz auch über seine sportliche Zukunft. Der Linksverteidiger hat sich unter Trainer Urs Fischer so prächtig entwickelt wie der gesamte Verein.

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Bescheidenheit, so heißt es, sei eine Zier. Und nicht nur Christopher Lenz wird wissen, wie das geläufige Sprichwort weitergeht. Doch der Abwehrspieler des 1. FC Union Berlin hat es trotzdem weit gebracht. Trotzdem, weil er eben stets bescheiden, bodenständig und sachlich wirkt. Vor dem nächsten Spitzenspiel der Berliner gegen Bayer Leverkusen (Freitag, 20.30 Uhr, live bei Dazn) sind es auch jene Attribute, die Unions beachtliche Leistungen erklären. Und die Frage erlauben, ob der Verein nach 2001 bald wieder international spielen darf.

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Für die vielen Arbeiter in der Berliner Mannschaft, die sich über Europapokal-Spiele überhaupt keine Gedanken machen, steht stellvertretend Christopher Lenz. Auf der linken Abwehrseite brennt er selten ein Feuerwerk ab, spult sein Pensum aber meist solide herunter. Ein Tor hat Lenz in der Bundesliga noch nicht erzielt, aber geholfen, viele zu verhindern. Nur Leipzig (zwölf Gegentore), Leverkusen (15), Wolfsburg (17) und Dortmund (19) haben weniger Gegentore kassiert als Union (20).

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Das erste Hauptstadt-Derby in der Bundesliga zwischen Union Berlin und Hertha BSC steht an. Wir schauen, welche Spieler schon für jeweils beide Vereine gespielt haben. Zur Galerie
Das erste Hauptstadt-Derby in der Bundesliga zwischen Union Berlin und Hertha BSC steht an. Wir schauen, welche Spieler schon für jeweils beide Vereine gespielt haben. ©

Die stabile Defensive bildet auch in Unions zweiter Bundesliga-Saison das Herzstück der Mannschaft, Trainer Urs Fischer hat nur ein paar Details verändert. In manchen Phasen des Spiels kreist der Ball sehr ansehnlich durch die Berliner Reihen, beginnend in der Abwehr, die im vergangenen Jahr fast ausschließlich Langholz schlug. Die Kernarbeit findet trotz manch' spielerischer Schmankerl aber immer noch gegen den Ball statt. Keine andere Bundesligamannschaft sucht so energisch die Zweikämpfe wie Union - und führt sie dann auch so entschieden, als gäbe es dafür Extraprämien. "Ich glaube schon, dass es dieses Jahr für Leverkusen wieder eklig wird gegen uns; das haben die auch im Kopf", sagt Lenz vor dem Duell gegen den Tabellendritten.

Ob die Berliner mit ihrer kernigen Spielweise tatsächlich bis zum Ende der Saison ihren derzeitigen Europa-League-Platz verteidigen können, dürften die beiden kommenden Spiele weisen. Nur gegen Leverkusen und Leipzig, wo Union am Mittwoch (20. Januar) die Vorrunde abschließt, hat die Fischer-Elf in der Bundesliga bisher immer verloren. Gegen Bayer schieden die Berliner zudem in der vergangenen Saison im DFB-Pokal-Viertelfinale aus, auch weil Lenz bei eigener Führung einen Platzverweis erhielt. Kurz darauf kippte die Partie, Union unterlag 1:3. "Klar hat mich das extrem geärgert", sagt Lenz rückblickend. "Wenn ich nicht den Platzverweis bekomme, gewinnen wir das Pokalspiel." Zwei Tage habe er gebraucht, um die unnötige Gelb-Rote Karte zu verdauen – "aber ändern kannst du leider danach nichts".

Selbiges gilt für das Wolfsburger Führungstor durch den gerade mal 1,70 Meter kleinen Renato Steffen am vergangenen Samstag. Steffens Gegenspieler beim Eckball: der 1,80 Meter große Lenz. "Da hab ich mich einfach dumm angestellt im Zweikampf", erklärt Lenz seine erstaunliche Passivität. Seinem Trainer habe er gesagt, dass so etwas nicht noch einmal vorkomme. Lenz ist detailversessen. Akribisch studiert er die kommenden Aufgaben, zum Beispiel die offensiven Leverkusener Außenspieler Leon Bailey und Moussa Diaby. "Extrem schnell", "guter Abschluss", lobt Lenz, der auch auf den starken Fuß seiner Gegenspieler achtet, auf deren Positionsspiel, offensiv wie defensiv.

Spieler, die mitdenken, mag Unions Trainer Urs Fischer, der "Lenzi" in allen 15 Spielen von Anfang an auflaufen ließ. Nur ein Tor fehlt dem Fleißarbeiter noch zum perfekten Glück. "Wenn ich vorne bin, will ich auch mal einen machen", sagt Lenz, der als Parade-Linksverteidiger Bayerns Alphonso Davies nennt. "Keiner hat die Position so unglaublich gespielt wie er im letzten Jahr."

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Mit der eigenen Entwicklung, die so kontinuierlich nach oben verläuft wie die des gesamten Vereins, kann Lenz aber auch zufrieden sein. 2016 kam er von Borussia Mönchengladbach, wo er den Sprung zu den Profis nicht schaffte, nach Berlin. Zwischenzeitlich verlieh ihn Union an Holstein Kiel, in der Aufstiegssaison musste der Abwehrmann dann meistens seinem damaligen Konkurrenten Ken Reichel den Platz überlassen. Erst in der vergangenen Saison biss er sich als Stammkraft fest. "Ich bin immer dran geblieben, auch wenn ich in dem einen oder anderen Jahr mal hintendran stand", erklärt Lenz.

Das zahlt sich jetzt aus, womöglich sogar im doppelten Sinne. Lenz' Vertrag bei Union läuft im Sommer aus, einen Verbleib in Berlin kann sich der Abwehrmann gut vorstellen. Wohlbemerkt bei Union, Hertha sei "eher nicht mehr vorstellbar". Ausschließen aber will Lenz nichts, warum auch? Einen zuverlässigen Mannschaftsspieler wie ihn könnte die Einzelkönner-Elf des Stadtrivalen durchaus gebrauchen. Und ein bisschen mehr Bescheidenheit täte Hertha BSC wahrscheinlich auch ganz gut.