10. Januar 2021 / 18:13 Uhr

Union-Coach Urs Fischer deutlich: "Für mich ist das ein korrektes Tor"

Union-Coach Urs Fischer deutlich: "Für mich ist das ein korrektes Tor"

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Mit Haken und Ösen: Unions Taiwo Awoniyi (l.) und der Wolfsburger Marin Pongracic kämpfen um den Ball.
Mit Haken und Ösen: Unions Taiwo Awoniyi (l.) und der Wolfsburger Marin Pongracic kämpfen um den Ball. © John Macdougall/AFP-Pool/dpa
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Nach dem 2:2 zwischen Union Berlin und dem VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga ärgern sich die Berliner - zumindest ein bisschen. Vor allem zum nicht gegebenen Tor von Stürmer Taiwo Awoniyi hat Union-Trainer Fischer eine klare Meinung.

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Wie es sich anfühlt, der Depp zu sein, das weiß Robert Andrich ganz genau. Der Fußballer in Diensten des 1. FC Union Berlin hat in dieser Bundesliga-Saison schon eine Derbyniederlage eingeleitet, damals, Anfang Dezember, gegen Hertha BSC, als er seine Stollen ziemlich grässlich wie unnötig in die Ohren von Lucas Tousart drückte. Auf Kopfhöhe. Andrich sah Rot, Union verlor 1:3.

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Nun, am Samstag, hätte der Potsdamer ein Held werden können. 52 Minuten waren gespielt gegen den VfL Wolfsburg, als Andrich einen Freistoß ins Tor streichelte. Ein feines Kunstwerk, dieses 2:1, nachdem zuvor Sheraldo Becker (29. Minute) ebenfalls sehenswert die Wolfsburger Führung durch Renato Steffen (12.) egalisiert hatte. „Ich glaube, dass Robert Andrich mit einer sehr guten Technik ausgestattet ist“, lobte Unions Trainer Fischer die Qualitäten des sonst vor allem für seine „gesunde Härte“ (Fischer) bekannten Mittelfeldspielers.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 2:2 gegen den VfL Wolfsburg

Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Dass nach dem Spiel aber andere Themen in den Mittelpunkt des Interesses rückten, lag an mehreren Faktoren: Daran, dass Wout Weghorst den in Unterzahl spielenden Wolfsburgern noch per Handelfmeter den unterm Strich gerechten 2:2 (1:1)-Endstand schenkte (66. Minute). Oder daran, dass der Schiedsrichter den Berlinern ein eher reguläres denn irreguläres Tor durch Awoniyi aberkannt hatte. Und vielleicht auch daran, dass die Rote Karte wegen Notbremse für den Wolfsburger Maximilian Arnold mindestens so strittig schien wie der Handelfmeterpfiff gegen Unions Marcus Ingvartsen; viel Diskussionsstoff also nach 94 insgesamt unterhaltsamen wie intensiven Minuten im Stadion An der Alten Försterei.

Die Trainer der beiden Europa-League-Anwärter, von denen sich einer noch streng an das Ziel Klassenerhalt klammert, wollten trotz mehrerer heikler Situationen keine grundsätzliche Schiri-Schelte betreiben. Wolfsburgs Oliver Glasner freute sich darüber, dass seine Mannschaft nach Rückstand eben nochmal zurückgekommen sei („zeigt, dass wir gefestigt sind“). Und Urs Fischer, der für Europa so viel übrig hat, wie es sich für einen Schweizer geziemt, bemerkte sachlich: „Ein weiterer Punkt.“ Am Sonntagmittag, als das aufreibende Duell schon etwas länger verdaut war, stellte Fischer seine Sicht der Dinge ausführlicher dar.

Vor allem die Szene mit Taiwo Awoniyi, der Wolfsburgs Torwart Koen Casteels beim vermeintlichen 3:1 nach Meinung des schwachen Schiedsrichters Patrick Ittrich bedrängt haben soll, sah der Trainer entschieden anders als Manager Oliver Ruhnert. Aus Schiedsrichter-Sicht könne man das abpfeifen, aber aus Union-Sicht nicht, sagte Ruhnert im ZDF-Sportstudio. Fischer sagte: „Wir sind aus meiner Sicht 3:1 in Führung gegangen.“ Denn: „Taiwo steht da. Taiwo muss sich nicht in Luft auflösen. Taiwo muss auch nicht seine Position verändern. Für mich ist das ein korrektes Tor. Nur: Es wurde anders entschieden.“

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Statt der Vorentscheidung fiel der strittige Ausgleich, weshalb Andrichs Freistoßkunst am Ende nur einen Punkt wert war. „Ein bisschen Enttäuschung ist auf jeden Fall da. Nach der Roten Karte und unserer Führung stellt man sich das anders vor“, sagte der verhinderte Held.