02. April 2021 / 17:25 Uhr

Union-Berlin-Fan Marco Liebsch: Im Thüringischen eisern geworden

Union-Berlin-Fan Marco Liebsch: Im Thüringischen eisern geworden

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Auch beim sensationellen Aufstieg 2019 war Marco Liebsch (rundes Foto) live im Stadion dabei.
Auch beim sensationellen Aufstieg 2019 war Marco Liebsch (rundes Foto) live im Stadion dabei. © dpa, privat
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Der 47-jährige Neuruppiner ist Anhänger vom Bundesligisten aus Berlin-Köpenick - im Derby am Sonntag tippt er auf einen Sieg, drückt danach aber auch dem Stadtrivalen die Daumen.

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Eine Rostbratwurst vom Holzkohlegrill, ein frisch gezapftes kühles Bier und 90 Minuten Live-Fußball im Stadion – diese Dinge sind für Marco Liebsch im Zwei-Wochen-Takt Normalität. Eigentlich – denn seit der Corona-Pandemie ist alles anders. Am Sonntagabend, wenn sich ab 18 Uhr Union Berlin und Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga duellieren, geht es im mit Spannung erwarteten Derby ums Prestige – und die inoffizielle Stadtmeisterschaft. Statt wie gewöhnlich im Stadion an der Alten Försterei, seinem „“zweiten Wohnzimmer“, verfolgt Union-Anhänger Liebsch die Partie auf der heimischen Couch in Neuruppin.

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„Die Situation ist für jeden Fußballfan derzeit extrem traurig. Es besteht in der Pandemie aber keine andere Möglichkeit. Es ist eben, wie es ist“, erklärt der 47-Jährige, der selbst im Gesundheitswesen tätig ist. Marco Liebsch hat die Leitung Physiotherapie in den Ruppiner Kliniken inne – seit 2009 ist er in der Fontanestadt beheimatet. „Ich bin gebürtiger Altmärker, fühle mich aber in Thüringen zu Hause.“ Den Fußball mochte er schon von klein auf, mit dem Union-Fieber infizierte er sich Mitte der 1980er-Jahre, als die Eisernen im FDGB-Pokal – dem nationalen Cup-Wettbewerb in der DDR – bei Motor Nordhausen zu Gast waren.

In Bildern: So liefen die bisherigen Derbys zwischen Hertha BSC und Union Berlin.

Wir haben für euch die bisherigen Derbys zwischen Hertha BSC und Union Berlin zusammengefasst. Die Duelle der jeweiligen Vorgängervereine bis zur Gründung des 1. FC Union im Jahr 1966 werden jedoch außer Acht gelassen. Zur Galerie
Wir haben für euch die bisherigen Derbys zwischen Hertha BSC und Union Berlin zusammengefasst. Die Duelle der jeweiligen Vorgängervereine bis zur Gründung des 1. FC Union im Jahr 1966 werden jedoch außer Acht gelassen. ©

Die einzigartige Subkultur der Fans des FC Union war es, die den damaligen Teenager anschließend nicht mehr los ließ. „Ich fand es cool, so einen Verein vor der eigenen Haustür in der thüringischen Provinz zu sehen. Die Fans blieben mir mit ihrer Gesangesmentalität im Gedächtnis“, erinnert sich Marco Liebsch, „kurze Zeit später wechselte auch Steffen Schlegel, ein Torhüter, von Nordhausen zu Union. Seither habe ich das Geschehen mitverfolgt.“ Jahrzehnte später ist er selbst durch und durch ein Rot-Weißer, stolzes Vereinsmitglied und nicht erst seit dem sensationellen Bundesliga-Aufstieg 2019 Dauerkarteninhaber. Zudem gehört der einstige Jugendtrainer des SV Union Neuruppin dem Fanclub „Panik 82“ aus der Fontanestadt an.

Der etwa 30-köpfigen Gruppierung, die ihren Namen den Sympathien zu Musiker Udo Lindenberg und seinem Panikorchester zu verdanken hat, sitzt Mark Horvath vor. Der 52-jährige Neuruppiner, der auf einen 2:0-Erfolg im Derby gegen Hertha hofft, ist seit kurz nach der Gründung vor fast vier Dekaden dabei und kann sich sogar noch an sein erstes Spiel mit den Eisernen erinnern: „Da muss ich 16 Jahre alt gewesen sein, gegen die BSG Schifffahrt/Hafen Rostock war das. Zu den Heimspielen sind wir immer mit der Ferkeltaxe gefahren, da war die komplette Regionalbahn voll mit Unionern aus Neuruppin.“

"Viele ältere Unioner und Herthaner können gut miteinander"

„Union ist einfach anders, über allem steht der Verein und die Mannschaft. Anders als in anderen Klubs wird bei uns kein Spieler zum Sündenbock gemacht“, betont Marco Liebsch, der mit den „Schlosserjungs aus Oberschöneweide“, wie die Kicker des 1966 gegründeten 1. FC Union Berlin genannt werden, schon einiges erlebt hat: „Es fällt mir schwer, da irgendetwas hervorzuheben. Das erste DFB-Pokalspiel in Dortmund war ein Highlight, das Relegationsspiel gegen den VfB Stuttgart von der Emotionalität her kaum zu überbieten. Ich denke aber auch gerne an das Spiel gegen Wismut Aue, als es auf ein 0:0 hinauslief und Felix Kroos dann doch noch einen Freistoß versenkt hat. Das war wie eine Initialzündung in der Aufstiegssaison.“

In Berlin-Köpenick kann man bereits für das dritte Bundesliga-Jahr planen, sogar vom Europapokal träumen – so gut steht der Ostklub in der Tabelle da. Für die Fans wäre der Derbysieg gegen die Blau-Weißen aus Charlottenburg die Krönung, zumal das Hinspiel im Olympiastadion trotz 1:0-Führung mit 1:3 verloren ging. „Ob in Rom oder Madrid, Derbys machen überall Spaß. Die große Rivalität zwischen den Fanlagern herrscht auch eher bei der jüngeren Generation, viele ältere Unioner und Herthaner können gut miteinander und gönnen auch dem anderen Verein den Erfolg“, sagt Marco Liebsch, der eine „enge Kiste“ erwartet: „Herthas Form ist aufsteigend, dennoch glaube ich an einen 1:0-Sieg für Union. Vielleicht sogar per Elfmeter.“

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Und er hofft, dass der Rivale aus dem Westen der Hauptstadt die Klasse hält. „Absolut, es soll ja auch in der nächsten Saison Derbys geben.“ Dann hoffentlich wieder mit Zuschauern auf den Tribünen, einer Rostbratwurst vom Holzkohlegrill und Gekühltem aus dem Zapfhahn.