21. Mai 2020 / 15:33 Uhr

Union-Fan Olaf Forner: Einsatz gegen die "aufgebauschte Rivalität"

Union-Fan Olaf Forner: Einsatz gegen die "aufgebauschte Rivalität"

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Olaf Forner ist Mitglied im Verein Hertha-Union-Freunde. Normalerweise organisiert er Fan-Fahrten mit dem Schiff Viktoria (kl. Bild).
Olaf Forner ist Mitglied im Verein "Hertha-Union-Freunde". Normalerweise organisiert er Fan-Fahrten mit dem Schiff Viktoria (kl. Bild). © Privat/SPORTBUZZER-Montage
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Bundesliga: Union-Fan Olaf Forner setzt sich für die Fan-Freundschaft mit Hertha ein.

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Für Olaf Forner heißt es am Freitagabend Biergarten Bootshaus Grünau statt Schifffahrt zum Olympiastadion. „Mit dem Dampfer dürfen wir erst wieder ab dem 25. Mai fahren, sonst wären wir auf jeden Fall auf der Spree zum Derby unterwegs und hätten das Spiel auf dem Schiff geschaut“, erzählt der Fan von Union Berlin vor dem Derby am Freitagabend (20.30 Uhr/im SPORTBUZZER-Liveticker) bei Hertha BSC. Normalerweise organisiert Forner Fan-Fahrten mit der Viktoria, einem Schiff im Union-Design, von Mitte zur Alten Försterei. Auf dem Dampfer feierten die Union-Spieler auch ihren Aufstieg in die Bundesliga. Beim Derby-Hinspiel fuhren darauf Union- und Hertha-Fans gemeinsam nach Köpenick.

Doch Forner war nicht immer Anhänger der Eisernen, vielmehr schlug sein Herz ab dem Alter von acht Jahren für die Hertha. „Im Osten hast du immer eine West-Mannschaft gehabt“, sagt der 54-Jährige, der in Ost-Berlin aufgewachsen ist. In seiner Kindheit schwärmte er für die Hertha-Legenden wie Erich Beer oder Uwe Kliemann. 1981 besuchte er allerdings ein Spiel von Union gegen Dynamo Fürstenwalde. „Da waren dann Namen, die nichts mit Fußballgrößen zu tun hatten. Du kamst zu Union und im Sturm stand ,Disco-Lutz’, das war Lutz Hovest“, erzählt Forner. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – erlag er dem Charme der Eisernen, die damals in der DDR-Liga spielten.

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Doch die Hertha spielte weiter eine große Rolle in Forners Leben. 2016 trat er schließlich dem Verein „Hertha-Union-Freunde“ bei, der 2013 gegründet wurde. Forner erklärt: „Du merkst, dass Leute zu uns kommen, die sich nicht von dieser aufgebauschten Rivalität angesprochen fühlen.“

Die Facebook-Gruppe des Vereins hat mehr als 2000 Mitglieder, selbstverständlich drücke der ein oder andere schon einmal einen Spruch. „Die Herthaner freuen sich aktuell natürlich, dass sie in der Tabelle jetzt endlich wieder vor uns stehen. Ich würde sagen, die Fanclub-Mitglieder sind wie Geschwister, die sich immer ein bisschen kabbeln. Das gefällt vielen Leuten mehr, als in einer Hasswelt zu leben“, sagt Forner, der als Behindertenassistent arbeitet. Die Rivalität zum BFC Dynamo oder inzwischen auch zu RB Leipzig sei sehr viel größer, „da kommt Hertha nicht ran. Rivalität ja, aber wir wollen keine Hamburger, sachsen-anhaltinischen oder römischen Verhältnisse“, sagt Forner mit Blick auf brisante Derbys zwischen dem Hamburger SV und St. Pauli – auch hier hat Forner eine Dauerkarte –, dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC oder zwischen Lazio und AS Rom.

In Bildern: Der große Vergleich von Hertha BSC und Union Berlin.

Der große Vergleich der beiden Hauptstadtclubs. Zur Galerie
Der große Vergleich der beiden Hauptstadtclubs. ©

Zumal Forner überzeugt ist, dass die beiden Berliner Vereine sehr gut nebeneinander existieren können. „Das sind vollkommen verschiedene Strukturen und Modelle, auch komplett unterschiedliche Regionen in der Stadt. Das Schlimmste, was Union passieren könnte, wäre ein Abstieg von Hertha. Hertha bindet den Kommerz in Berlin und gibt uns die Chance, dass wir davon in Ruhe gelassen werden“, sagt Forner, der in der Fanszene von Union eine feste Größe ist. Unter anderem kümmert er sich um die Logistik der Stadionhefte, die am Spieltag verkauft werden.

Dass es am Freitag zu Auseinandersetzungen wie beim Hinspiel kommt, glaubt Forner nicht, „so wie in Dortmund beim Revierderby nichts passiert ist, wird auch bei uns nichts passieren“. Beim nächsten Heimspiel von Union will Forner wieder mit dem Dampfer durch Berlin fahren. Am 27. Mai empfangen die Eisernen den FSV Mainz 05 – auf den Tag genau ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg.