01. März 2020 / 20:00 Uhr

Union Berlin und Fangruppe "HammerHearts" nehmen Stellung zu Hopp-Plakat

Union Berlin und Fangruppe "HammerHearts" nehmen Stellung zu Hopp-Plakat

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Unions Fans auf der Waldseite zeigten während des Spiels gegen den VfL Wolfsburg ein Banner mit dem Schriftzug Hurensohn und das Abbild von Dietmar Hopp, Mäzen des TSG 1899 Hoffenheim, im Fadenkreuz.
Unions Fans auf der Waldseite zeigten während des Spiels gegen den VfL Wolfsburg ein Banner mit dem Schriftzug "Hurensohn" und das Abbild von Dietmar Hopp, Mäzen des TSG 1899 Hoffenheim, im Fadenkreuz. © Andreas Gora/dpa
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Bundesligist 1. FC Union Berlin wirbt für Differenzierung in der Fan-Debatte. Die Fangruppe "HammerHearts 2004" erklärt auf ihrer Internetseite, dass ihre Aktion "ganz klar provokant" gewesen sei, "aber keine Morddrohung".

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Der 1. FC Union Berlin hat in der Debatte um Proteste gegen den Deutschen Fußball-Bund und Schmähungen von Dietmar Hopp zu einer differenzierten Betrachtungsweise aufgerufen. „Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend“, sagte Club-Präsident Dirk Zingler in einer Mitteilung nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg.

"Recht zur freien Meinungsäußerung ist ein hohes Gut"

Gegen Ende der ersten Halbzeit hatten Anhänger der Köpenicker ein Plakat mit Hopp-Porträt im Fadenkreuz und eine Beleidigung des Mäzens von 1899 Hoffenheim präsentiert. Deshalb hatte Schiedsrichter Bastian Dankert die Teams zeitweise in die Kabinen geschickt, die Partie stand vor dem Abbruch. Erstmals war das Spiel unterbrochen gewesen, nachdem die Union-Fans die Wiederaufnahme von Kollektivstrafen durch den DFB scharf kritisiert hatten.

Die Chronologie im Fall Hopp: So eskalierte der Hass gegen den Hoffenheim-Mäzen

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! Zur Galerie
Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! ©

„Das Recht zur freien Meinungsäußerung ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft, das auch vermeintliche Geschmacklosigkeiten einschließt“, betonte Zingler. „Es darf selbstverständlich dazu genutzt werden, kritikwürdige Zustände im Fußball anzusprechen. Aber die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, diese gilt es zu schützen.“

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Die am Sonntag „gewählte Ausdrucksform des Fanprotests ist in ihrer Symbolik nicht geeignet, für Fananliegen zu werben. Sie erreicht zwar höchste mediale Aufmerksamkeit, erzeugt aber eine breite Ablehnung berechtigter Anliegen von Fans“, sagte Zingler. „Alle an dieser Protestform Beteiligten wären gut beraten, innezuhalten und geeignete Ausdrucksformen für ihre Positionen zu finden.“

HammerHearts 2004 für Plakat verantwortlich

Auch die Fangruppe "HammerHearts 2004", die für die Aktion verantwortlich ist, nahm auf ihrer Internetseite Stellung und veröffentlichte dazu ein Foto, wie zwei Personen das Plakat anfertigten: "Auch wir betrachten mit Sorge eine Entwicklung rund um den Fußball, die die 50+1-Regel, freie Meinungsäußerung, Mitbestimmung und andere Fanrechte nach und nach aufweicht. Darüber hinaus scheint jedoch der Einfluss gängiger Mäzen wie Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz groß genug zu sein, um den Fußball auch weit über den Sport hinaus bis in die Fanszenen zu beeinflussen und das notfalls auch per angeblich unabhängiger Sportgerichtsbarkeit des DFB", heißt es in dem Statement.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Union Berlin. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Union Berlin. ©

Außerdem schreibt "HammerHearts 2004": "Kollektivstrafen schützen eine Einzelperson zuungunsten tausender Unbeteiligter und ihrem Verein. Anstatt daraufhin jedoch die Verhältnismäßigkeit in Frage zu stellen oder gar die Entwicklungen im deutschen Profifußball, stürzt sich die Allgemeinheit wohl lieber auf die letzte Bastion eines einstigen Volkssports, nämlich die organisierte Fanszene. Weil sie laut, frech und oft provokativ auf Missstände aufmerksam macht. Der Doppelhalter, der vor wenigen Minuten auf der Waldseite zu sehen war, ist keine Morddrohung. Er ist aber ganz klar provokant und kritisiert eine Person und eine stetige Entwicklung. Heute steht er jedoch vor allem entgegen schleichender Zensur und für die Ausdrucksfreiheit in den Kurven."