09. Mai 2019 / 16:01 Uhr

So tickt Aufstiegs-Kandidat Union Berlin: "Scheiße, wir steigen auf"

So tickt Aufstiegs-Kandidat Union Berlin: "Scheiße, wir steigen auf"

Alexander Müller
Ostsee-Zeitung
Union Berlin hat eine bewegte Geschichte hinter sich und könnte erstmals in der Klub-Historie in die Bundesliga aufsteigen. 
Union Berlin hat eine bewegte Geschichte hinter sich und könnte erstmals in der Klub-Historie in die Bundesliga aufsteigen.  © imago images/dpa/Montage
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Union Berlin hat in dieser Saison gute Chancen, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga aufzusteigen. Ein Rückblick auf die bewegte Historie des traditionsreichen Ostklubs. 

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Zehn Jahre nach dem Abstieg von Energie Cottbus und elf Jahre nach dem Aus von Hansa Rostock in der Bundesliga könnte es jetzt wieder ein Traditions-Klub aus Ostdeutschland in die Bundesliga schaffen. Union Berlin, die „Eisernen“ aus Köpenick, kämpfen gegen Paderborn und den HSV um die verbliebenen zwei Tickets fürs Oberhaus. Mit dabei ist auch der frühere Rostocker Felix Kroos. Doch wie tickt dieser Verein, der vor einigen Jahren sportlich und finanziell am Ende war?

Beim 8:0 gegen BFC Dynamo lagen sich alte Männer in den Armen

Ein Schlüsselmoment war der 21. August 2005. Union war in der vierten Liga angekommen, doch an diesem Tag drängten sich 14 000 Zuschauer auf den bröckelnden Tribünen. Der Gegner hieß BFC Dynamo, der bei Unionern verhasste frühere Berliner „Stasi-Klub“. An diesem Tag gellte ein Torschrei nach dem anderen durch die Wuhlheide, am Ende stand es 8:0. Alte Männer mit grünen Parkas und Fluppe im Mund lagen sich in den Armen. Ich, damals 17 Jahre alt und neben dem Stadion „Alte Försterei“ aufgewachsen, konnte nur erahnen, was dieser Tag für den Verein bedeutete: Er war Abschluss mit der Vergangenheit und Aufbruch in eine neue Zukunft. Noch heute werden in der Alten Försterei die T-Shirts getragen, die nach dem Spiel gedruckt wurden: „8:0. Und icke hab’s jesehn“.

Kandidat für Bundesliga-Aufstieg: So tickt Union Berlin

Union Berlin kann auf eine reichte Geschichte zurückblicken. Zur Galerie
Union Berlin kann auf eine reichte Geschichte zurückblicken. ©
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Die Feindschaft zwischen Union Berlin und BFC stammt noch aus DDR-Zeiten und symbolisiert das Underdog-Image, das bei den Köpenickern jahrzehntelang aufgebaut wurde. Auf der einen Seite der Arbeiterverein, ein Auffangbecken für Andersdenkende, der fast nie was reißen konnte. Auf der anderen der von der Staatsführung zum Aushängeschild erkorene und von der Stasi unterstütze BFC. Auch nach der Wiedervereinigung bekam Unions Verlierer-Image neue Nahrung. Obwohl der Verein 1993 und 1994 sportlich den Aufstieg in die zweite Liga schaffte, bekam er wegen finanzieller Querelen keine Lizenz. Trainer Frank Pagelsdorf verließ daraufhin Berlin in Richtung Rostock, genauso wie die Spieler Martin Pieckenhagen, Marko Rehmer und Sergej Barbarez.

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Auf das DFB-Pokalfinale folgte der Absturz

2001 war Union dann doch plötzlich ganz oben. DFB-Pokalfinale gegen Schalke, zehntausende Fans mit roten Perücken im Berliner Olympiastadion, Nina Hagen schmettert die Hymne: „Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? Eisern Union!“. Sie verloren 2:0, doch weil Schalke sich schon für die Champions League qualifiziert hatte, spielte Union im Uefa-Cup und überstand sogar die erste Runde. Doch es kam, wie es immer kam: Als die Mannschaft wenig später sportlich einbrach, folgte auch der finanzielle Kollaps. Nur durch Fan-Aktionen wie „Bluten für Union“, bei der tausende Fans Blut spendeten und die Erlöse dem Verein gaben, konnte der Klub am Leben erhalten werden. Nach dem Abstieg aus Liga zwei ging es immer weiter runter bis Liga vier – mit eben dem Derby gegen den BFC.

Die Veränderungen, die darauf folgten, sind mit zwei Namen eng verbunden: Der eine ist Torsten Mattuscka, genannt „Tusche“, ein gelernte Maler aus Cottbus. Der Mittelfeldspieler schoss gegen Dynamo zwei Tore und prägte fortan Unions Marsch durch die Ligen – oft mit ein paar Kilos zu viel auf den Rippen, dafür aber mit wahnsinnig viel Gefühl im Fuß. Der für ihn unvergesslichste Moment, wie er später in einem Interview sagte, sollte aber noch folgen. Beim 2:1 im Jahr 2011 bei Stadtrivale Hertha im Olympiastadion schoss Mattuschka das entscheidende Tor. Die Fans sangen ein eigenes Lied für ihn: „Torsten Mattuuuscka, du kannst was keiner kann!“ Ein solcher Leader fehlt der Mannschaft von heute in einigen Momenten.

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„Alte Försterei“: Ausbau auf 37 000 Plätze geplant

Der andere prägende Mann ist Dirk Zingler, der in der vierten Liga Präsident wurde und den Verein im Schnelltempo nach oben gebracht hat. Der Baustoffhändler war es, der den Stadionumbau vorantrieb. Heute ist die alte Försterei kaum wiederzuerkennen. Es gibt eine neue Haupttribüne, Dach und VIP-Loge. Zingler sagt ganz offen seit Jahren, dass er mit Union in die Bundesliga will. Es gibt bereits neue Stadionpläne, 37:000 Fans sollen nach dem nächsten Ausbau hineinpassen (derzeit 22 000). Nicht allen Fans gefallen die Veränderungen und die Geschwindigkeit, mit der sich Union verändert. Bei ihnen zählen Kampf und Emotionen mehr als gute Ergebnisse. Als der Verein vor zwei Jahren schon mal um die Bundesliga mitspielte, wurde ein Banner berühmt: „Scheiße, wir steigen auf“.

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