01. Oktober 2021 / 16:26 Uhr

Union-Präsident Dirk Zingler: "Dieses Verhalten ist beschämend und nicht tolerierbar"

Union-Präsident Dirk Zingler: "Dieses Verhalten ist beschämend und nicht tolerierbar"

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Union-Präsident Dirk Zingler kritisierte die antisemitischen Zwischenfälle scharf.
Union-Präsident Dirk Zingler kritisierte die antisemitischen Zwischenfälle scharf. © IMAGO/Matthias Koch (Montage)
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Nach dem 3:0-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen Maccabi Haifa in der Conference League ermittelt der Staatsschutz wegen antisemitischer Vorfälle - der Fußball-Bundesligist verspricht, bei der Aufklärung zu helfen.

Die Pressekonferenz tief unten im Bauch des Berliner Olympiastadions war schon vorbei, da ergriff einer der mitgereisten israelischen Journalisten nochmal das Wort. Zum 3:0 (1:0)-Sieg des 1. FC Union Berlin gegen Maccabi Haifa nach Toren von Andreas Voglsammer (33. Minute), Kevin Behrens (48.) und Taiwo Awoniyi (76.) war zwar schon alles gesagt worden, nicht aber zur historischen Größe dieses donnerstäglichen Fußballabends.

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Er wolle sich bedanken für die Gastfreundschaft, sagte der Journalist also in einem Mix aus Englisch und Hebräisch, man habe sich willkommen gefühlt in Berlin und werde Union in Haifa auch einen tollen Empfang bereiten. Und dann erwähnte der redselige Kollege noch Maccabis 80-jährigen Präsidenten Ya’akov Shachar. Für diesen sei es in Coronavirus-Zeiten die erste Auswärtsreise gewesen, Berlin habe ihn sehr bewegt.

Union Berlin in Noten:  Die Einzelkritik zum 3:0 gegen Maccabi Haifa

Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Der erste Auftritt einer israelischen Fußballmannschaft im Berliner Olympiastadion vor 23. 342 Zuschauern galt bis zum späten Donnerstagabend als gelungen; als Fest der Verständigung, des Respekts und der Erinnerung. 1936 hatten Hitler und seine Propagandaspiele im Olympiastadion einen beispiellosen Hass auf Juden entfacht, dieses Mal wurden Maccabis Spieler mit Applaus von den Union-Fans verabschiedet; ein rundum schöner Fußballabend also – so schien es.

Dann aber, kurz vor Mitternacht, machten hässliche Meldungen die Runde. Zuerst berichtete der Tagesspiegel davon, dass Union-Fans versucht hätten, eine Israel-Flagge anzuzünden. In den Blöcken 13 und 14, wo Union- wie Maccabi-Fans saßen und eine 20-köpfige Delegation des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, soll es zu "permanenten Pöbeleien" gekommen sein. Bierbecher und Zigarettenstummel seien auf die Gruppe geflogen, die antisemitische Beleidigung "Scheiß-Jude" sei gefallen. Am Freitagmittag war aus dem Fußballfest vom Vortag ein Fall für die Polizei geworden.

"Das tut uns sehr leid für die betroffenen Maccabi-Fans. Schade, dass so etwas passieren musste", sagte Michael Koblenz, Sportvorstand von Makkabi Berlin, zur hässlichen Seite dieses Abends. Die Makkabi-Vereinsmitglieder aus Berlin waren auf Einladung des 1. FC Union hin im Olympiastadion, saßen aber nicht in den betroffenen Blöcken. "Wir haben das nicht mitbekommen. Für uns war es ein schöner Abend, der leider von einem Einzelfall überschattet wurde." Am Freitagnachmittag wurde bekannt, dass beschämend viele Einzelfälle vorliegen.

Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes ermittelt wegen antisemitischer Vorfälle in drei Fällen gegen mehrere Anhänger des 1. FC Union. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte die Berliner Polizei zudem mit, sie habe gegen mehrere noch unbekannte Personen wegen des Verdachts der Volksverhetzung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im Raum stehen verbale Provozierungen, Bedrohungen, Bierbecher-Würfe und fremdenfeindliche Äußerungen.


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Gegen einen noch nicht identifizierten Tatverdächtigen wird wegen Inbrandsetzens einer Handfahne und Beschädigung einer ausländischen Flagge ermittelt. Der Mann konnte sich einer Festnahme entziehen, nachdem er – beobachtet von einem Zivilbeamten – versucht hatte, eine israelische Fahne eines Haifa-Fans anzuzünden. Einem weiteren Mann wurde vorläufig die Freiheit entzogen, nachdem er nach dem 3:0 mehrfach "Sieg Heil" gerufen hatte. Er muss sich nun wegen "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" verantworten, teilte die Polizei mit. Insgesamt waren 470 Polizisten bei der Partie im Einsatz.

"Dieses Verhalten ist beschämend und nicht tolerierbar", sagte Unions Präsident Dirk Zingler, der die Betroffenen um Entschuldigung bat. "Antisemitismus ist leider in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhanden." Es gelte wachsam zu bleiben und unermüdlich dagegen anzugehen. "Wir unterstützen die Ermittlungen der Polizei mit allen uns zur Verfügung stehenden Informationsquellen", erklärte Zingler in einer Mitteilung des Vereins.