23. November 2020 / 18:11 Uhr

Urs Fischer erteilt Europa-Verbot für Union Berlin

Urs Fischer erteilt Europa-Verbot für Union Berlin

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Erstmals für Union erfolgreich: Taiwo Awoniyi (r.) trifft im Rheinland zur 1:0-Führung für die Berliner.
Erstmals für Union erfolgreich: Taiwo Awoniyi (r.) trifft im Rheinland zur 1:0-Führung für die Berliner. © dpa
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Der 1. FC Union ist momentan die Mannschaft der Stunde in der Fußball-Bundesliga – Nach dem 2:1-Sieg beim 1. FC Köln wird Trainer Urs Fischer bereits mit der Europa League konfrontiert. Das schmeckt ihm aber gar nicht.

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Fans von Hertha BSC werden es wahrscheinlich kaum glauben, aber tatsächlich coachte der Fußballtrainer Alexander Nouri mal ziemlich erfolgreich eine Bundesliga-Mannschaft. Die hieß Werder Bremen und glänzte im Saisonendspurt 2017 derart, dass Nouri zu einer möglichen Europapokal-Qualifikation Stellung beziehen musste – was er auch tat: „Ich habe nichts gegen Europa, ich bin ja nicht die AfD“, sagte Nouri.

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Urs Fischer ist, soweit bekannt, auch nicht die AfD. Dann aber enden die Parallelen mit Alexander Nouri. „Es ist doof und dumm. Dumm, über Europa nachzudenken“, sagte Fischer in einer digitalen Medienrunde am Montagmittag. Und weil die Reporterinnen und Reporter eifrig nachhakten, wurde er ein bisschen energischer in seiner Wortwahl: „Sprecht nicht von Europa. Legt uns die Worte nicht in den Mund.“ Dem Trainer ist es ernst mit seinen Warnungen. Träumereien, wie sie die Fans gerne pflegen (weshalb die Medien pflichtschuldig nachfragen), hält der überzeugte Pragmatiker für pure Zeitverschwendung. Andererseits: Wann, wenn nicht jetzt, sollte es dem Umfeld gestattet sein, über Europa, besser gesagt: den Europapokal, zu sprechen?

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 2:1-Sieg beim 1. FC Köln.

Max Kruse avancierte zum Matchwinner von Union Berlin in Köln - auch wenn er einen alleinigen Elfmeter-Rekord verpasste. Zur Galerie
Max Kruse avancierte zum Matchwinner von Union Berlin in Köln - auch wenn er einen alleinigen Elfmeter-Rekord verpasste. ©

2:1 (1:1) haben die Berliner dank Toren von Taiwo Awoniyi (27. Minute) und Max Kruse (72.) am Sonntagabend in Köln gewonnen. Für die Gastgeber traf lediglich Ellyes Skhiri (36.). Vielleicht war der Sieg am Ende ein wenig glücklich, weil Kölns Elvis Rexhbecaj in der Nachspielzeit den Ball noch an den Pfosten haute. In einem Spiel mit überschaubarem Unterhaltungswert spielten die Berliner insgesamt aber deutlich aktiver und zielgerichteter als der FC. „Heute war es mehr der Kampf und die Geduld, das hat uns ausgezeichnet“, resümierte Torschütze Kruse und fügte an: „Ich bin froh über die Momentaufnahme.“



Die Momentaufnahme verheißt einiges. Ihre Punkte 13 bis 15 sammelten die Unioner in Köln, sie stehen auf Platz fünf und wirken so stabil wie der stolze Hauptmann, der das Köpenicker Rathaus bewacht. Die Bronzefigur mit dem prächtigen Schnauzbart würde sich über europäischen Besuch sicher freuen. Über italienischen beispielsweise, der FC Internazionale aus Mailand wäre, Stand jetzt, ein potenzieller Gegner. Mamma mia!

Warum die Berliner in der Tabelle nur knapp hinter Teams wie Bayern München und Borussia Dortmund, aber noch vor Mönchengladbach liegen, veranschaulichte das Duell mit den tristen Kölnern, bei denen nur das Karnevalstrikot überzeugte. Union bewies, dass der Ausfall gleich mehrerer potenzieller Stammkräfte kein Problem für die Elf darstellen muss.

In der vergangenen Saison überzeugende Kräfte wie Marius Bülter oder Christian Gentner fehlten, auch die etatmäßige Sturmspitze Joel Pohjanpalo oder der spielerisch versierte Keita Endo fielen aus. Machte alles nichts. Statt Bülter oder Endo lieferte eben Marcus Ingvartsen die Assists. Statt Pohjanpalo traf Taiwo Awoniyi ins Tor, es war sein Premiertreffer für Union. „Er hat wirklich ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte Fischer den hart arbeitenden Angreifer. Das Beispiel Awoniyi zeigt, dass der Trainer über mehr Klasse jenseits der Stammelf verfügt als im Vorjahr. Auch die Einwechselspieler, gleich deren fünf schickte Fischer in Köln aufs Feld, halten das Niveau hoch.

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Vom nach Köln gewechselten Sebastian Andersson, der letztjährigen Lebensversicherung, spricht in Köpenick niemand mehr – weil ihn sportlich niemand vermisst. Gegen Köln konnte sich selbst Max Kruse, der bisherige Überflieger, über weite Teile des Spiels herausnehmen, Union kam trotzdem zu Chancen. Weil neben Kruse vor allem die Mannschaft der Star ist.

„Ich finde, dass Köln sehr destruktiv gespielt hat“, klagte Kruse hernach. Viele Spieler seien von den Kölnern in Manndeckung genommen worden, „sie wollten das Spiel einfach nur kaputtmachen.“ Kapitän Christopher Trimmel pflichtete Kruse bei: „Egal, wo der hingegangen ist, war ein Mann dabei.“ Nur in Minute 72 nicht, als Kruse Sheraldo Becker einsetzte, dessen Flanke auf Ingvartsen zum Elfmeter führte. Kruse traf im Nachschuss zum Sieg.

„Wenn wir solche Spiele auch gewinnen, geduldig bleiben, dann ist das ein gutes Zeichen“, fasste Trimmel den Auftritt in Köln zusammen. Zu möglichen Europatouren sagte er: „Der Klassenerhalt bleibt unser Ziel, das wird sich nicht ändern.“ Denn andere Gedanken finden sie in Köpenick eher dumm und doof.

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