20. Januar 2021 / 13:49 Uhr

Union Berlin erlebt vor dem Spiel bei RB Leipzig unruhige Tage

Union Berlin erlebt vor dem Spiel bei RB Leipzig unruhige Tage

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Gegen ihn laufen Ermittlungen: Union-Profi Cedric Teuchert.
Gegen ihn laufen Ermittlungen: Union-Profi Cedric Teuchert. © Maja Hitij/Getty Images
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Vor dem schweren Auswärtsspiel bei RB Leipzig muss der Berliner Fußball-Bundesligist auch im Fall Cedric Teuchert Stellung beziehen. Trainer Urs Fischer will den Fokus derweil aufs Sportliche legen.

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Die Welt des Sports ist manchmal etwas eigenartig, das erlebt gerade auch der Fußball-Bundesligist Union Berlin. Vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig an diesem Mittwoch (20.30 Uhr, live bei Sky) könnte ja eigentlich alles prima sein: 28 Punkte haben die Köpenicker gesammelt, putzmunter grüßen sie von Platz fünf. Zuletzt schlug die Mannschaft von Trainer Urs Fischer auch dem Spitzenteam Bayer Leverkusen beim 1:0 ein Schnippchen, im Umfeld reifen Europacup-Träume – und doch ist die Stimmung rund um den Kultverein aus Köpenick so trüb wie das Berliner Wetter. Rassismus-Vorwürfe stehen wie ein dicker Elefant im Raum, und die Art, wie Union mit ihnen umgeht, wirkt erstaunlich offensiv.

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Bekannt ist inzwischen, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nicht nur untersucht, ob Unions Florian Hübner den Leverkusener Nadiem Amiri rassistisch beleidigt haben könnte („Scheiß Afghane“); der DFB prüft auch Vergehen Cedric Teucherts. Der Siegtorschütze soll am Freitag zweimal negativ aufgefallen sein, ob rassistisch oder nicht, teilte der DFB nicht mit. Bis wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist, ebenso wenig. Es sei ein laufendes Verfahren, in dem sich jegliche Spekulationen verbieten würden, teilte ein Sprecher mit.

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Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Daran hält sich auch Bayer Leverkusen, das lediglich erklärt, dass Jonathan Tah und Nadiem Amiri Stellungnahmen beim DFB abgegeben hätten.

Während der DFB und Leverkusen also der Dinge harren, versucht Union öffentlich Druck zu machen, vor allem im Fall Hübner. Der Innenverteidiger, der sich am Montag dummerweise auch noch im Training verletzte und in der Berliner Charité untersucht wurde (zur Diagnose machte der Verein bis Dienstabend keine Angaben), hatte sich am Freitag nach dem Spiel bei Amiri entschuldigt. Für welche verbale Entgleisung genau, scheint für Union schon geklärt – angeblich keine rassistische. Der Club fährt in dieser Hinsicht eine konsequente Politik. Am Samstag bestritt Oliver Ruhnert, dass Hübner sich rassistisch geäußert habe, am Montag legte Pressesprecher Christian Arbeit nach. Union erwarte, dass der Vorwurf belegt werde, „niemand hat bislang etwas dahingehend gehört. Wenn es jemanden gibt, der diese Worte konkret vernommen hat, soll er sich melden.“


Die Aufforderung ist wohlfeil, denn die Leverkusener haben ja erklärt, die Sache öffentlich nicht mehr zu thematisieren. Und von Hübner selbst kam in dieser Causa noch kein eigenes Wort, genauso wenig wie von Teuchert. „Es beschäftigt ihn“, sagte Unions Trainer Urs Fischer am Montag über Hübner. „Es beschäftigt uns alle. Jetzt wird das Ganze geklärt und dann wissen wir hoffentlich mehr. Aber es geht ihm schon nahe.“

Fischer will den Fokus verständlicherweise lieber wieder aufs Sportliche legen. In Leipzig wird er eine höchst fokussierte Elf benötigen, denn, so Fischer: „Leipzig ist ein Top-Kandidat für die Meisterschaft und sicher der erste Verfolger der Bayern.“

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In der vergangenen Saison unterlag seine Elf zweimal RB (0:4, 1:3), in dieser scheint trotz personeller Probleme mehr möglich. Union hat bislang gegen alle Spitzenteams gepunktet, der eklige Stil, gepaart mit schnellen Kontern, fruchtete. Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann hat Respekt: Man müsse immer „das Momentum und die aktuelle Situation sehen und nicht die Anspruchshaltung des Clubs.“ Und das Momentum spricht derzeit klar für die Berliner – trotz der trüben Rassismus-Vorwürfe.