08. November 2020 / 14:32 Uhr

Union Berlin: Robert Andrich bricht die Benimm-Regeln, Trainer Urs Fischer bleibt zurückhaltend

Union Berlin: Robert Andrich bricht die Benimm-Regeln, Trainer Urs Fischer bleibt zurückhaltend

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Rein damit: Unions Robert Andrich trifft gegen Bielefeld sehenswert zum 2:0.
Rein damit: Unions Robert Andrich trifft gegen Bielefeld sehenswert zum 2:0. © Maja Hitij/dpa
Anzeige

Nach dem 5:0-Sieg über Aufsteiger Arminia Bielefeld gibt sich Urs Fischer äußerst defensiv. Neue Saisonziele will der Trainer von Union Berlin nicht ausgeben, dabei lässt seine Mannschaft deutliche Fortschritte erkennen - was vor allem mit einem Spieler zusammenhängt.

Anzeige

Deutsche Fußballspieler neigen selten dazu, ihre Leistungen in den Mittelpunkt zu rücken. Demut, Zurückhaltung, Teamgedanke. Das zählt in öffentlichen Gesprächen. Umso schöner, dass der Berliner Bundesligaprofi Robert Andrich nach Unions 5:0 (3:0)-Sieg gegen Bielefeld die Benimm-Regeln brach und tatsächlich sagte, was war. „Also erstmal: gute Spielverlagerung von mir“, lobte sich Andrich für die Einleitung des zweiten Berliner Tores, ehe er präzisierte: „Sehr gute Spielverlagerung.“ Und weil der gebürtige Potsdamer der sehr guten Spielverlagerung ein sehr schönes Tor hatte folgen lassen, durfte er das auch so selbstbewusst vortragen.

Anzeige

Nach dem nie gefährdeten Erfolg gegen Bielefeld, den Keita Endo (3. Minute), Andrich (13.), Sheraldo Becker (45. + 2), Max Kruse (52./Elfmeter) und Cedric Teuchert (89.) sicherstellten, beenden die Berliner den Spieltag auf einem Europapokalplatz. Und die Art und Weise, wie sie die drei Punkte einfuhren, war so vielversprechend, dass das Saisonziel Klassenverbleib bald überholt sein könnte. Nur hatte Unions Trainer Urs Fischer überhaupt keine Lust darauf, so selbstbewusste Aussagen wie Andrich zu tätigen. „Gar nichts“, antwortete Fischer auf die Frage, was dafür sprechen würde, die Saisonziele nach oben zu korrigieren. „Zwölf Punkte werden für unsere Zielsetzung nicht reichen. Zielsetzung bleibt der Klassenerhalt. Das sieht die Mannschaft genauso. Dem bleiben wir treu.“ Kapitän Christopher Trimmel sah das ganz ähnlich. Europacup-Ambitionen? „So weit sind wir noch nicht“, antwortete er.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 5:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld.

Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. Zur Galerie
Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Übrigens will auch Arminia Bielefeld „nur“ in der Liga bleiben, weshalb am Samstag Unions Fortschritte im Vergleich zur vergangenen Saison deutlich wurden – und der Klassenverbleib schnell zur Formsache werden könnte. Andrichs Tor zum 2:0 steht stellvertretend für das neue Union: Nach dem präzisen Diagonalball auf Kruses Brust war der Mittelfeldspieler zielstrebig in die gefährliche Zone marschiert, offensiv denkend, entschlossen, den Ball wieder zu erhalten. Und als er ihn wenige Sekunden später zurückbekam, setzte Andrich den Ball aus 16 Metern mit einer Selbstverständlichkeit ins obere Toreck, die nun wirklich nicht nach Abstiegskampf aussah.

„Wir machen das, worüber wir sprechen und sind sehr gut organisiert“, versuchte Sheraldo Becker Unions momentan starke Form zu erklären. Becker (ein Tor, eine Vorlage) war einer von drei Spielern, die gegen Bielefeld Premiere feierten. Wie Endo gelang dem Flügelspieler gegen Bielefeld sein erstes Bundesliga-Tor. Nur musste Endo nach 20 Minuten verletzt vom Platz humpeln; um den Oberschenkel bekam er einen dicken blauen Verband gelegt, die Diagnose steht noch aus. Das Liga-Debüt des spät eingewechselten Tim Luis Maciejewski erlebte Endo nicht mehr.


Mehr zu Union Berlin

Der Mann aus der eigenen Jugend kam, als Unions bester Spieler in den wohlverdienten Feierabend ging: Max Kruse, an vier Toren entscheidend beteiligt, hob das Berliner Spiel – wieder mal – auf ein anderes Level. „Was er mit seinen Füßen anstellt, ist beeindruckend“, sagte Becker über Kruse. Und Andrich fand: „Ich habe öfter mal die Position, dass ich da stehe und kriege den Ball nicht; und bei Max krieg’ ich den ein bisschen häufiger.“ Und weil das so ist, dürfen die Berliner in dieser Saison durchaus forschere Ziele ausgeben, etwas mehr Andrich wagen.