20. Dezember 2020 / 13:16 Uhr

Unions Sebastian Griesbeck geht einen ungewöhnlichen Karriereweg

Unions Sebastian Griesbeck geht einen ungewöhnlichen Karriereweg

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Eiserner Zweikämpfer: Sebastian Griesbeck (M.), hier gegen Herthas Dilrosun, ist bei Union angekommen.
Eiserner Zweikämpfer: Sebastian Griesbeck (M.), hier gegen Herthas Dilrosun, ist bei Union angekommen. © Odd Andersen/Pool Photo via AP
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Von Wiblingen in die große Welt: Bis der defensive Mittelfeldspieler bei Union Berlin in der Fußball-Bundesliga landete, kickte er fast in sämtlichen Amateurligen. Nun scheint er ganz oben angekommen, auch wenn seinem Spiel manchmal noch die Dynamik fehlt.

Wenn der 1. FC Union Berlin in der Fußball-Bundesliga Borussia Dortmund schlägt, ist das für Unions Trainer Urs Fischer „immer noch ein Coup“. 2:1 (0:0) hatten die Berliner am Freitagabend nach Toren von Taiwo Awoniyi (57. Minute) und Marvin Friedrich (78.) den Vizemeister geschlagen, der lediglich durch Youssoufa Moukoko (60.) zum zwischenzeitlichen Ausgleich kam.

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Warum die Berliner den erneuten Heimsieg gegen den BVB als kleines Wunder feiern durften, veranschaulichen die Karrierewege von Sebastian Griesbeck und Marco Reus.

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Der SPORTBUZZER bewertet: Die Spieler von Union Berlin in der Einzelkritik. ©

Beide Spieler standen in der Startformation ihrer Teams, der eine, Griesbeck spielte eher als Notnagel, weil Union der Potsdamer Robert Andrich im defensiven Mittelfeld rotgesperrt fehlte; der andere, Reus, weil er immerhin Kapitän seiner Mannschaft ist. Beide Spieler sind inzwischen 30 Jahre alt, aber über reichlich Bundesliga-Erfahrung verfügt nur Reus (291 Spiele, 130 Tore). Griesbeck steht bei zwölf Spielen und null Toren.

Warum die Bilanzen so unterschiedlich sind, erklärt der Blick auf die Vita der beiden. Als der Dortmunder Fußballprofi Reus 2009 anfing, bei Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga für Furore zu sorgen, kickte Griesbeck beim TV Wiblingen. Das ist ein grundsolider Amateurverein in Ulm, mit dem Griesbeck damals von der Bezirksliga in die Landesliga aufstieg und wo Annette Griesbeck, Griesbecks Mutter, ehrenamtliche Jugendleiterin war.

Am 28. August 2009 schoss Reus beim 2:0-Sieg gegen Mainz sein erstes Bundesligator, in dem er im Stile Maradonas ein 54-Meter-Solo hinlegte. Griesbecks Wiblinger spielten am selben Wochenende gegen die Sportfreunde Dorfmerkingen (und gewannen 1:0). „Dass Sebastian einmal Karriere als Profifußballer machen würde, ist bei uns zuhause nie ein Thema gewesen“, sagte Annette Griesbeck mal.

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Ein Nachwuchsleistungszentrum hat ihr Sohn nie besucht. Entsprechend lang war der Weg in die Bundesliga. Weil er einfach fast alles mitnahm, Bezirksliga, Landesliga, Oberliga, Regionalliga, Dritte Liga, Zweite Liga. Und jetzt eben Bundesliga, in der zu sehen ist, dass Griesbeck manchmal etwas schwer vom Fleck kommt, nicht so agil und dynamisch wirkt wie Nebenmann Grischa Prömel. Und schon gar nicht so flott unterwegs ist wie ein Marco Reus.


Trotzdem grätschte der Wiblinger dem Nationalspieler nach 33 Minuten mit einer Selbstverständlichkeit den Ball vom Fuß, als stünde auch er bald vor seinem 300. Bundesligaspiel. Es war nur eine Szene von vielen, die Unions Stärke repräsentiert. So homogen wie die Mannschaft agiert, vor allem defensiv, befähigt sie auch den Wiblinger Griesbeck gegen die ganz Großen der Branche mitzuhalten. Das ist der eigentliche Coup.