16. September 2021 / 20:40 Uhr

Union Berlin verliert Auftaktspiel in der Conference League bei Slavia Prag in Unterzahl 1:3

Union Berlin verliert Auftaktspiel in der Conference League bei Slavia Prag in Unterzahl 1:3

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
16.09.2021, Tschechien, Prag: Fußball: UEFA Europa Conference League, Slavia Prag - 1. FC Union Berlin, Gruppenphase, Gruppe E, 1. Spieltag, Eden Arena. Schiedsrichter Fabio Verissimo zeigt Berlins Paul Jaeckel (r) die Rote Karte, Rani Khedira (2.v.l) diskutiert, Prags Petr Sevcik läuft vorbei. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Eine Schlüsselszene: Paul Jaeckel (r.) sieht Gelb-Rot, da hilft auch das protestieren von Rani Khedira nichts. © (c) dpa-Zentralbild
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Der Berliner Fußball-Bundesligist zeigt in der zweiten Halbzeit eine couragierte Leistung, hat spielerisch aber Nachteile gegen den tschechischen Meister - Paul Jaeckel muss in der ersten Halbzeit mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz. 

Unions Kevin Behrens wird ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher sein. Nur interessieren dürfte das den Berliner Stürmer kaum. Nach 70 Minuten schoss er zwar das erste Tor für eine deutsche Mannschaft in der neu geschaffenen Uefa Conference League, am Ende verloren die Gäste ihr erstes Gruppenspiel bei Slavia Prag aber 1:3 (0:1). Für Slavia trafen Alexander Bah (18. Minute), Jan Kuchta (84.) und Ivan Schranz (88.). Unions Paul Jaeckel sah nach 40 Minuten die Gelb-Rote Karte.

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"Schade, dass wir nichts mitgenommen haben, die Möglichkeiten waren da", sagte Unions Trainer Urs Fischer bei der Pressekonferenz. Da war das Spiel schon über eine halbe Stunde vorbei, die Berliner Fans feierten sich und ihr Team aber mit lautstarken Gesängen einfach weiter. "Die Mannschaft hat das in der zweiten Halbzeit sehr gut gemacht, der Ausgleich war mehr als verdient", sagte Fischer über das zwischenzeitliche 1:1. Jaeckels Platzverweis nach wiederholtem Foulspiel schmeckte dem Trainer weniger. "Da hat er sich nicht so geschickt angestellt", kommentierte er. "Wenn du schon vorbelastet bist, musst du dich anders verhalten."

Das Wetter war so grau wie die massive Betonwand hinter dem Block der Slavia-Fans. Weit vor Spielbeginn hatte der Himmel seine Schleusen über Prag geöffnet, und er schloss sie nicht mit Anpfiff. Die Union-Fans, die tagsüber viele Knödel mit Soße und Bier aus runden Gläsern genossen hatten, störte das nicht. Sie standen in der Kurve unterm Dach, schwangen ihre rot-weißen Schals und zündeten mit Anpfiff knapp 30 pyrotechnische Erzeugnisse. Weil die Slavia-Fans zumindest mit Feuer in der Stimme sangen, war die Atmosphäre im Sinobo-Stadion unter den 15.286 Zuschauern von Beginn an knisternd.

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Am ersten Gruppenspieltag der Conference League gastiert der 1. FC Union Berlin am Donnerstagabend beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag und muss sich mit 1:3 geschlagen geben. Zur Galerie
Am ersten Gruppenspieltag der Conference League gastiert der 1. FC Union Berlin am Donnerstagabend beim tschechischen Traditionsverein Slavia Prag und muss sich mit 1:3 geschlagen geben. ©

Schick gemacht hatte sich auch Unions Trainer Urs Fischer, der passend zum dunklen Anzug ein schwarzes Cap trug. Seine Startformation veränderte Fischer auf zwei Positionen im Vergleich zum 0:0 gegen Augsburg in der Bundesliga: Paul Jaeckel ersetzte Timo Baumgartl als linker Innenverteidiger, die defensive linke Außenbahn durfte Tymoteusz Puchacz anstelle des zuletzt starken Niko Gießelmann bearbeiten. So richtig ins Spiel fanden beide nicht – und für den früh verwarnten Jaeckel endete der Europapokal-Abend nach 40 Minuten vorzeitig. Nach einem Foul an Ondrej Lingr in der Slavia-Hälfte zeigte ihm Schiedsrichter Fabio Verissimo (Portugal) die Gelb-Rote Karte.

Zu diesem Zeitpunkt führten die spielfreudigeren Gastgeber bereits mit 1:0. Alexander Bah hatte im Anschluss an einen Eckball für Unions Torwart Andreas Luthe unhaltbar ins linke Eck getroffen (18.). Dem vorausgegangen war der schönste Spielzug der ersten Halbzeit, als sich Slavia über mehrere Stationen links durchkombiniert hatte. Den Torschuss des umtriebigen Petr Sevcik lenkte Rani Khedira zur Ecke – nach der dann Bah zur Stelle war.

Führung für Slavia verdient

Verdient war die Führung für Slavia allemal. Wesentlich passsicherer als die Berliner präsentierte sich der tschechische Meister. Dass Trainer Jindrich Trpisovsky keine höhere Führung zur Pause notieren durfte, lag an der Abschlussschwäche seiner Spieler. Nach neun Minuten schlug Trpisovsky erstmals die Hände vors Gesicht, als Bah aus guter Position klar verzog. Kurz darauf rettete Luthe gegen Slavias Spielgestalter Ibrahim Traore zur Ecke.


Anders wäre das Duell wohl verlaufen, wenn Max Kruse die Berliner mit der ersten Chance des Spiels in Führung gebracht hätte. Nach drei Minuten zielte er aber neben das Tor, nachdem Sturmpartner Taiwo Awoniyi zuvor am Ball vorbeigeschlagen hatte. Unions Sturmspitzen hatten insgesamt einen schweren Stand gegen Slavias umsichtige Defensive. Und als sich doch mal eine Lücke auftat, segelte Awoniyi an Kruses feiner Hereingabe vorbei (31.).

Zur zweiten Halbzeit kehrte der Regen zurück und kostete die dezimierten Berliner weitere Kräfte. Slavia blieb spielbestimmend, Union immerhin anwesend. Rani Khedira zielte knapp links vorbei (54.), Awoniyi sogar ins Tor – nach Vorlage Kruses allerdings aus einer Abseitsposition heraus (57.). Der kollektive Torschrei im Union-Block verstummte schnell wieder.

Für Kruse und Awoniyi war danach Schluss, auch Öztunali und Khedira mussten weichen. Mit vier neuen Kräften wollte Trainer Fischer nach einer Stunde Spielzeit ein frühes Zeichen setzen und schickte Kevin Behrens, Andreas Voglsammer, Sheraldo Becker und Grischa Prömel auf den durchweichten Platz.

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Zehn Minuten später gab’s auch schon die Belohnung. Becker sprintete nach einem Konter Slavias Abwehr auf rechts davon, passte präzise in die Mitte, wo Behrens locker Ales Mandous überwand, das 1:1. Fischer ballte die Fäuste, im Gästeblock herrschte Ekstase, Trinkbecher flogen. "Die Jungs, die von der Bank kamen, haben nochmals frischen Wind gebracht", meinte Fischer später.

Slavia suchte nach einer Antwort, fand aber nur Berliner Abwehrbeine. Weit zogen sich die Gäste zurück, das 1:1 schmeckte ihnen prächtig, Slavias konsterniertem Trainer Trpisovsky weniger. Seine Elf passte weiter fleißig hin und her und wieder zurück, rüttelte am Berliner Beton, der in den letzten Minuten dann doch noch riss. Die eingewechselten Kuchta und Schranz drückten den Ball über die Linie, sehr zur Freude von Slavias Fans, die hinter Luthes Tor ihre nackten Oberkörper präsentierten. Die Union-Fans feierten auch, allerdings nicht das Ergebnis, sondern ihre in der zweiten Halbzeit couragierte Elf.

"Wir haben heute ein bisschen Lehrgeld bezahlt, aber es ist noch nichts vorbei. Es gibt noch genügend Spiele, um das zu drehen", resümierte Trainer Fischer. Kapitän Christopher Trimmel sagte: "Ich muss der Mannschaf ein Lob aussprechen, Mentalität und der Einsatz haben absolut gestimmt." Die Art und Weise sei in Ordnung gewesen, "so kann man verlieren." Fanden auch die leidenschaftlichen singenden Union-Fans, die noch lange nach Abpfiff im Stadion ausharrten.