17. Juli 2021 / 16:06 Uhr

Union eine Nummer zu groß: Dynamo Dresden verpatzt die Generalprobe

Union eine Nummer zu groß: Dynamo Dresden verpatzt die Generalprobe

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
17.07.2021, Berlin: Fußball: Testspiele, 1. FC Union Berlin - Dynamo Dresden, Stadion An der Alten Försterei. Berlins Robin Knoche (r) trifft mit dem Kopf zum 3:0. Foto: Andreas Gora/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Berlins Robin Knoche (r) trifft mit dem Kopf zum 3:0. © dpa
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Die Sportgemeinschaft unterliegt beim 1. FC Union Berlin deutlich mit 0:3 (0:2). Julius Kade steht offenbar vor der Rückkehr nach Dresden.

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Berlin. Wenn die Generalprobe schief geht, dann gelingt die Premiere – so denken die Theaterleute. Und hoffentlich trifft die alte Schauspieler-Weisheit auch auf den Fußball zu, denn Dynamo Dresden hat sein letztes Testspiel vor Beginn der neuen Zweitliga-Saison deutlich verloren. Beim Bundesligisten 1. FC Union Berlin unterlagen die Schwarz-Gelben am Sonnabend vor 3278 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei mit 0:3 (0:2). Sie hoffen nun, dass es in einer Woche beim scharfen Start gegen den FC Ingolstadt besser läuft und die ersten drei Punkte für den Klassenerhalt eingefahren werden. Frisches Selbstbewusstsein gegen die neuformierten Unioner konnten sie jedenfalls nicht tanken, nur phasenweise mithalten. “So verliert man nicht gern”, gab Dynamo-Coach Alexander Schmidt hinterher zu.

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Königsdörffer überraschend in der Startelf

Bei den „Eisernen“ hatte Schmidt in einem 3-5-2-System, in dem überraschend Ransford-Yeboah Königsdörffer als zweiter Stürmer neben Christoph Daferner auftauchte, begonnen. Der 19-Jährige war bislang nach seiner Knie-Operation noch nicht in den Vorbereitungsspielen zum Einsatz gekommen. Nun nutzte Schmidt die letzte Chance und schaute sich den Ex-Herthaner eine gute halbe Stunde an, ehe den Youngster die Kräfte verließen. Philipp Hosiner fehlte wegen Magen-Darm-Problemen, die ihn unter der Woche geschwächt hatten. Ansonsten baute Schmidt auf eine Dreier-Abwehrkette mit Michael Sollbauer, Paul Will und Tim Knipping, davor auf die Sechser Yannick Stark und Luca Herrmann. Die Außenpositionen besetzten Routinier Chris Löwe und der Ex-Zwickauer Morris Schröter. Den Spielmacher gab wie erwartet Heinz Mörschel.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Testspiel zwischen Union Berlin und Dynamo Dresden.

Bundesligist Union Berlin war eine Nummer zu groß für die Dresdner. Zur Galerie
Bundesligist Union Berlin war eine Nummer zu groß für die Dresdner. ©

In dieser Formation begann Dynamo forsch, die ersten Minuten gehörten den Gästen, die durch Königsdörffer auch zum ersten Abschluss (3./vorbei) kamen. Schröter drang einmal gefährlich in den Strafraum ein, doch sein Pass in die Mitte wurde noch geklärt (7.). Dann aber kamen die Unioner, bei denen vor allem Neuzugänge mitwirkten, besser ins Spiel und vor allem zu einer Reihe von Eckbällen, von denen der dritte von Robin Knoche gefährlich knapp links neben das Tor geköpft wurde (12.). Union setzte sich nun mehr und mehr in der Hälfte der Sachsen fest und hatte auch weiter Chancen: Tim Knipping musste erst gegen Marcus Ingvartsen retten (24.), dann prüfte Ingvartsen nach einem Ballverlust von Will Kevin Broll mit einem satten Schuss (27.). Noch einmal war Broll gefordert, als der Pole Tymoteusz Puchacz aus spitzem Winkel abzog (32.).

Mörschel vergibt, Union trifft

Aber auch Dynamo hätte das 1:0 machen können, als Heinz Mörschel aus 15 Metern auf das Tor schoss, es aber knapp verfehlte (34.). Doch Union antwortete sofort, Knipping musste einen Schuss von Andreas Voglsammer blocken, den fälligen Eckball köpfte Puchacz vorbei (35.). Zwei Minuten später fiel dann die Führung für die Köpenicker, als Ingvartsen Sollbauer entwischte und wuchtig ins rechte obere Eck einschoss (37.).

Dynamo vergab dann den möglichen Ausgleich, als Will aus spitzem Winkel an Andreas Luthe im Berliner Tor scheiterte (40.). Dafür führte ein Missverständnis in der Dresdner Hintermannschaft zum 2:0 für die Hausherren: Der in diesem Sommer aus Bielefeld gekommene Voglsammer traf im Nachsetzen zum 2:0. (42.). “Das hat uns demoralisiert”, ärgerte sich Schmidt.

Union erhöht nach der Pause auf 3:0

Nach der Pause, in der Schmidt Schröter gegen Brandon Borrello austauschte, kam es noch schlimmer für den Zweitliga-Aufsteiger, denn Ingvartsen trat eine Ecke, Knoche bugsierte den Ball mit der Stirn unhaltbar zum 3:0 für Union in die Maschen (54.). Dann musste Broll gegen Voglsammer die nächste Chance des Erstligisten vereiteln (59.). Auch Suleiman Andullahi hatte die Möglichkeit, die Führung für die Berliner auszubauen, als er an Will vorbei lief, aber auch am Tor vorbei schoss (63.). Unübersehbar waren die Schnelligkeitsvorteile der Hauptstädter, die munter durchwechselten und auch Ex-Dynamo Robert Andrich auf dem Feld hatten. Der in der abgelaufenen Saison überragende Sechser ist nur ein Grund, warum Union Julius Kade möglicherweise erneut nach Dresden abgibt, den Berliner offenbar diesmal ausleiht. “Wir würden ihn mit Kusshand nehmen”, gestand Schmidt.

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In einer insgesamt wenig erbaulichen Partie aus Sicht der Dresdner vergab Einwechsler Luka Stor den möglichen Ehrentreffer, als er nach einem Konter freistehend nicht abschloss, sondern einen schlechten Querpass auf Panagiotis Vlachodimos spielte, den der Deutsch-Grieche nicht erreichen konnte (75.). In den letzten Minuten blieb Dynamo nicht viel mehr, als sich um Schadensbegrenzung zu bemühen. Nach vorn ging für den Drittliga-Meister nichts mehr, hinten hatten die Dresdner genug zu tun, weitere Gegentreffer zu verhindern. Erst in der Schlussminute tat sich noch eine Möglichkeit auf, aber Vlachodimos scheiterte aus Nahdistanz am herausgelaufenen Luthe (90.).

Dynamo: Broll – Knipping, Will, Sollbauer – C. Löwe (58. Stor), Herrmann (65. Akoto), Stark, Mörschel (58. Sohm), Schröter (46. Borrello) – Königsdörffer (33. Vlachodimos), Daferner (72. Aidonis)