18. Juni 2014 / 11:06 Uhr

Union-Kicker finden verschollene Trophäe in Leipzig

Union-Kicker finden verschollene Trophäe in Leipzig

Heidi Gruner
Leipziger Volkszeitung
Wolfgang Wruck, Ralf Quest, Harald Betke und Jürgen Stoppok (v.l.) mit dem Pokal.
Wolfgang Wruck, Ralf Quest, Harald Betke und Jürgen Stoppok (v.l.) mit dem Pokal. © Christian Nitsche
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Nach 46 Jahren halten die Sieger von 1968 den FDGB-Pokal wieder in den Händen.

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Leipzig. Das Stehen fällt ihm schwer, die Knochen machen nicht mehr mit. Die Haare sind silbern geworden, die Stimme ist brüchig. Und trotzdem blitzt aus Wolfgang Wrucks Augen jener Schalk, der vor 46 Jahren auf einem mittlerweile legendären Foto verewigt wurde.

Am 9. Juni 1968 gewann der 1. FC Union Berlin völlig überraschend den FDGB-Pokal - mit einem 2:1 gegen den FC Carl Zeiss Jena, der eine Woche zuvor DDR-Meister geworden war. Union dagegen hatte mit Ach und Krach den Abstieg aus der Oberliga verhindert. Jena war klarer Favorit auf den FDGB-Pokal - doch 90 Minuten später hielten die jubelnden Berliner die mächtige Bronzestatue in die Höhe.

Jene Jubelfotos fielen dem Union-Chronisten Gerald Karpa in die Hände. Er fragte sich, was aus dem als verschollen geltenden Pokal wohl geworden ist, fand ihn im Fundus des Sportmuseums Leipzig und beschloss, die mittlerweile angegrauten Helden von einst und „ihren“ Pokal noch einmal zusammenzubringen.

Am Dienstag kamen die alten Herren samt Ehefrauen im Union-Mannschaftsbus nach Leipzig, um die Trophäe noch einmal in der Hand zu halten. Wruck, ehemaliger Mannschaftskapitän und DDR-Nationalspieler, wollte aufgrund gesundheitlicher Probleme erst zu Hause bleiben, ließ sich von seiner Frau aber doch noch überreden.

Als Gerlinde Rohr, Chefin des Sportmuseums, den einen Meter hohen und fast 40 Kilo schweren Pokal enthüllt, entfährt auch Wruck ein freudiges Raunen. Andächtig stehen die über 70-Jährigen um die Bronzestatue, suchen die Gravur, die ihren Sieg von 1968 bezeugt. Kameras werden gezückt, mancher stemmt den schweren Pokal fürs Erinnerungsfoto sogar alleine in die Höhe, wenn auch nur kurz. Weiße Handschuhe sind dabei Pflicht, schließlich ist der Pokal inzwischen ein wertvolles Museumsstück. Auch Wolfgang Wruck zieht sie über und steckt fürs Gruppenfoto keck die Zunge heraus - wie vor 46 Jahren.

An das Pokalfinale im Hallenser Kurt-Wabbel-Stadion kann sich der 70-Jährige gut erinnern: „Mit dem Sieg hat keiner von uns gerechnet. Jena hatte die besseren Fußballer, vielleicht waren sie deshalb überheblich.“ Geklärt wurde der Grund für die Niederlage des DDR-Meisters nicht.„Wir haben hinterher nie wieder groß miteinander gesprochen“, so Wruck augenzwinkernd.

Für den 1. FC Union ist der Triumph der größte Erfolg der Vereinsgeschichte - auch in Meinhard Uentz’ Fußballerkarriere. Der heute 75-Jährige schoss 1968 eines der beiden Tore und wurde wenig später um seinen Auftritt auf internationalem Parkett gebracht. Wegen des Prager Frühlings sagten viele Länder ihre Teilnahme am Europapokal der Pokalsieger ab. Union entging damit eine einmalige Chance. Wruck aber kam in der Welt herum und verdankt einem Turnier 1968 in Chile sein schönstes Erlebnis. Nach dem 1:3 der DDR-Auswahl im Endspiel gegen den FC Santos knöpfte er Pelé dessen verschwitztes Trikot ab.

Freudestrahlend verlassen die „Eisernen“ nach 90 Minuten das Sportmuseum, um sich im Kunze-Sportpark noch mit Chemie-Granden aus Oberliga-Zeiten zu treffen.  Museumschefin Gerlinde Rohr ist so glücklich wie die Berliner: „Es war schön zu sehen, wie sehr sich die alten Herren über den Pokal gefreut haben.“ Dann räumt sie die Ein-Meter-Statue zurück an ihren sicheren Platz.

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