10. Mai 2019 / 16:52 Uhr

Ärger und Unmut bei den Vereinen: Willkür beim Handballverband Niedersachsen?

Ärger und Unmut bei den Vereinen: Willkür beim Handballverband Niedersachsen?

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer Jürgen Löffler (vorn) und der HV Barsinghausen warten lange auf Antwort vom HVN.
Trainer Jürgen Löffler (vorn) und der HV Barsinghausen warten lange auf Antwort vom HVN. © Uwe Serreck
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Dreieinhalb Monate nach der Weltmeisterschaft in Deutschland ist immer noch eine nachwirkende Begeisterung zu spüren, die sich am Zuschauerzuwachs in der Bundesliga und an höheren Einschaltquoten im TV ablesen lässt. Aber es ist bei Weitem nicht alles Gold, was glänzt.

Bei vielen Aktiven und Verantwortlichen in den Vereinen steigt der Frust über Entscheidungen und Kommunikation der Funktionäre des Handballverbandes Niedersachsen (HVN). „Da hat für mich vieles mit Willkür zu tun“, sagt ein Vereinsvertreter, der anonym bleiben möchte.

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Unbeliebte Regionalligapläne

Für Unmut sorgt der Vorstoß von Jens Schoof, dem Vizepräsidenten Spieltechnik des HVN, ab der Spielzeit 2020/2021 zwischen den Oberligen Niedersachsen und Bremen sowie der 3. Liga eine Regionalliga einzuführen, um das sportliche Niveau anzuheben. Das könnte dazu führen, dass Vereine aus Göttingen in Aurich antreten müssen.

Es regt sich Widerstand

Damit verbunden wären aus Sicht von Gerald Oberbeck unverhältnismäßig hohe Kosten. Der Geschäftsführer von Eintracht Hildesheim stellte daher auf dem WSL-Regionstag einen Antrag, die geplante Regionalliga abzulehnen, und bekam die Zustimmung aller Vereine. „Auch in anderen Regionen regt sich Widerstand. Ich hoffe, dass wir eine entsprechende Mehrheit auf dem HVN-Verbandstag bekommen“, sagt Oberbeck. Jörg Beckmann, lange für die Alten Herren des TSV Barsinghausen aktiv, hält es ohnehin für sinnvoller, die Verbandsliga abzuschaffen.

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Wirbel um Wertung

Weil der Abstiegskampf in der Oberliga davon betroffen war, sorgte die Wertung der ursprünglich für den 9. März terminierten Partie des HV Barsinghausen gegen die HSG Nienburg für einigen Wirbel. Die geplanten Schiedsrichter hatten das Spiel zurückgegeben, der Ansetzer des HVN aber nicht für Ersatz gesorgt, sodass keine Unparteiischen in der Halle erschienen. Ein zufällig anwesendes Gespann lehnten die Gäste ab. Trotz gegenteiliger Einschätzung einiger Präsidiumsmitglieder wertete Staffelleiter Schoof die Partie gegen beide Klubs.

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Keine Begründung vom HVN

Der HVB legte am 18. März Protest ein und bekam vom Schiedsgericht des HVN recht, weshalb die Begegnung neu angesetzt wurde. Zumindest strittig, da Nienburg die Schiedsrichter abgelehnt hatte. Eine Begründung wurde mit Hinweis auf den „Vertrauensschutz“ nicht geliefert.

"Es prüfen ehrenamtliche Mitarbeiter die Sachlage"

Ebenso unverständlich ist es , warum das Urteil erst am 28. April, also sechs Tage vor Saisonende, gesprochen wurde. „Es prüfen ehrenamtliche Mitarbeiter die Sachlage“, erklärt Schoof die lange Dauer. Obwohl dadurch kaum noch Zeit für eine neue Terminierung blieb, dauerte es drei Tage bis zur Information an die Vereine. „Das geschriebene Urteil wird den Beisitzern nochmals zur Prüfung vorgelegt“, sagt Schoof. Für Marc Brandes vom HVB-Vorstand nicht nachvollziehbar. Dass obendrein das Duo pfiff, welches ursprünglich von der HSG abgelehnt wurde, spricht für wenig Fingerspitzengefühl seitens des Verbandes.

Relegation zur Frauen-Landesliga ebenfalls umstritten

Gute Kommunikation sieht bestimmt anders aus. Ein Umstand, den auch Markus Waldeck, Trainer der Frauen des TuS Empelde, im Zusammenhang mit der Relegation zur Landesliga bemängelt. Lange Zeit kämpften die Lila-Weißen gegen den Abstieg. Weil die HSG Fuhlen aus der Oberliga runterkommt, ging Waldeck davon aus, dass drei Teams die Liga verlassen müssen. Anfang April stellte sich heraus: Der Drittletzte bestreitet am Sonntag eine Relegation.

Bis zuletzt im Unklaren

Im Rahmenspielplan findet sich der Termin jedoch nicht. Für Waldeck ist das ein Unding: „Ich habe als Mannschaftsverantwortlicher keine Informationen erhalten, sondern diese von Trainerkollegen gesammelt.“ Bis zuletzt waren die Vereine im Unklaren über den Modus. „Die Richtlinien sind noch nicht veröffentlicht. Ich gehe davon, dass diese am Mittwoch an die Vereine gehen“, erklärte Staffelleiter Andreas Werner am Dienstag. WM-Euphorie lässt sich so nicht pflegen.