30. Januar 2020 / 10:19 Uhr

Zwischen Unmut und Zuversicht: 96-Fans bauen die Spieler auf - Kocaks Kaderkritik

Zwischen Unmut und Zuversicht: 96-Fans bauen die Spieler auf - Kocaks Kaderkritik

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mit der Arbeit von Sportdirektor Jan Schlaudraff, der gemeinsam den Kader mit Mirko Slomka zusammenstellte, hadert Kenan Kocak. Die Fans leisten Aufbauarbeit bei der Mannschaft, nachdem sie 0:1 in Regensburg verlor.
Mit der Arbeit von Sportdirektor Jan Schlaudraff, der gemeinsam den Kader mit Mirko Slomka zusammenstellte, hadert Kenan Kocak. Die Fans leisten Aufbauarbeit bei der Mannschaft, nachdem sie 0:1 in Regensburg verlor. © imago/Petrow/Montage
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Mitgereiste Fans waren frustriert, aber trotzdem nicht sauer auf die Spieler stellten, die sich den Anhängern nach der Auftaktpleite stellten. Nach dem Fehlstart in das Fußballjahr 2020 übt Kenan Kocak Kritik an der Zusammenstellung des Kaders - und beruhigt letztlich dennoch die Gemüter, indem er den Fans ein Versprechen gibt. 

Wenn ein Spiel am Zaun endet, vor den eigenen Fans, dann ist die Not mal wieder groß. Knapp zehn Minuten standen die 96-Spieler nach dem 0:1 in Regensburg vor den mitgereisten 400 Anhängern. Einer kletterte stellvertretend herunter auf den Platz und diskutierte mit den Verlierern. Marvin Bakalorz, Waldemar Anton, Felipe, John Guidetti und Ron-Robert Zieler waren die Wortführer der Mannschaft. Der Torwart äußerte nachher Verständnis für die Sorgen: „Sie haben ihren Unmut kundgetan. Die Fans suchen auch nach dem Strohhalm.“

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Die User-Noten: So habt Ihr die Leistung der Profis von Hannover 96 gegen Jahn Regensburg bewertet

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Ducksch vergibt und Anton bestraft's

Sie waren damit nicht weit entfernt von Kenan Kocak. Der 96-Trainer spürte eine „sehr große Enttäuschung“ über den verunglückten Start in den Ligaalltag. Seine Analyse: 96 hatte das Spiel in der ersten Hälfte unter Kontrolle, hätte in Führung gehen müssen bei einer Chance von Marvin Ducksch, geriet „durch eine unnötige Aktion“, das Foul von Waldemar Anton, und den folgenden Elfmeter in Rückstand und fand in der zweiten Hälfte nicht mehr ins Spiel zurück.

Kocak: Symptomatische Zweitliga-Verhältnisse

Das heißt, für Kocak war’s eigentlich „kein Fußballspiel, das war gefühlt nur ein einziges Herumliegen“. Viele Unterbrechungen und Nickligkeiten auf dem rutschigen Schneeboden – „es gab keinen Rhythmus“, aber für Kocak wieder einmal die Erkenntnis „Das ist die 2. Liga, Regensburg hat es vorgemacht, so holen sie ihre Punkte.“

Das Problem: Mentalität und zweite Bälle

Kocak wirkte niedergeschlagen: „Gegen solche Mannschaften zu verlieren, die nur mit langen Bällen operieren und auf die zweiten Bälle gehen, ist viel zu einfach.“ Besonders dann, wenn die Gegner die abprallenden Bälle immer gewinnen. Das weist auf große Probleme im defensiven 96-Mittelfeld hin.

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Der 39-Jährige vermisste in der zweiten Hälfte bei seinen Spielern „Zweikampfpräsenz, Ballbehauptung, tiefe Laufwege und die Präzision beim Spiel in die Spitze“. Was vor allem jedoch fehlte, war das, was Kocak immer einfordert: Mentalität! Jahn hat 96 gezeigt, was Mentalität und aggressives Zweikampfverhalten bedeuten.

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Taktik-Fehler, Ineffizienz, Kader-Probleme

Kocak selbst lag allerdings mit seinem Taktik-Wechsel zur Halbzeit – von Dreier- auf Vierer-Abwehrkette – auch falsch. Ebenfalls auffällig: Marvin Ducksch vergibt zu viele Chancen.

Kocak wollte aber die Unruhe nach dem Sportchef-Wechsel von Jan Schlaudraff zu Gerhard Zuber „nicht als Ausrede gelten lassen. Wir sollten uns nicht hinter Alibis verstecken. Die Leistung hat nichts damit zu tun, wer hier Manager ist.“

Kocak pflegt ein Vertrauensverhältnis zu Zuber – ganz anders als mit Schlaudraff. Kocak und Zuber besprechen sich intensiv, wie beim gemeinsamen Gang über den Platz in die Halbzeit auch gut zu besichtigen.

Die beiden waren zu Saisonbeginn noch nicht in die Kader-Planungen einbezogen. „Ich habe die Mannschaft nicht zusammengestellt“, kritisierte Kocak deutlich die Arbeit von Schlaudraff und Ex-Trainer Mirko Slomka: „Man hat ja gesehen, dass wir nicht nachlegen können in so einer Situation. Wir müssen mit dem Personal versuchen, das Beste daraus zu machen.“

Die Stimmen zum 96-Spiel beim SSV Jahn Regensburg

96-Trainer Kenan Kocak: Wir hatten in der ersten Halbzeit drei Riesenchancen, wo wir in Führung gehen müssen. Wir hatten die Kontrolle über das Spiel. Die zweite Halbzeit war auch für die Zuschauer nicht schön. Wir haben schlecht verteidigt, offensiv wenig Mut gehabt, wie bei zwei Aktionen von Linton Maina. Zur Galerie
96-Trainer Kenan Kocak: "Wir hatten in der ersten Halbzeit drei Riesenchancen, wo wir in Führung gehen müssen. Wir hatten die Kontrolle über das Spiel. Die zweite Halbzeit war auch für die Zuschauer nicht schön. Wir haben schlecht verteidigt, offensiv wenig Mut gehabt, wie bei zwei Aktionen von Linton Maina." ©

Die 2020-Bilanz: Vier Spiele, null Siege

Mit dem Stürmer John Guidetti feierte ein Kocak-Zuber-Wintertransfer einen ordentlichen Einstand: „Er war sehr engagiert, ich bin zufrieden mit ihm.“ Mittelfeldmann Dominik Kaiser, der zweite Spieler des neuen Führungsdoppels, kam erst nach einer Stunde ins Spiel. „Er hatte eine heftige Vorbereitung in Kopenhagen hinter sich und war nicht so frisch“, erklärte der Coach die späte Einwechslung.


Das Versprechen an die aufbauenden Fans

Kocak wollte jedenfalls „nicht mit leeren Händen dastehen“ nach dem ersten Spiel des Jahres. Inklusive der vier Testpartien hat 96 noch überhaupt nicht gewonnen im neuen Jahr. Dass sich das am Samstag gegen Wehen Wiesbaden än­dern muss, da sind sich Fans, Mannschaft und Trainer einig. „Macht es für die Stadt, den Verein und für uns“ lautete der beim versöhnlichen Ende am Zaun erteilte Auftrag der Fans: „Und jetzt Kopf hoch.“

Der Trainer verspricht ihnen sogar: „Fans, keine Sorge, wir werden unsere Ziele erreichen.“

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