11. Juni 2022 / 14:33 Uhr

Vom Unsicherheitsfaktor zum Abwehrboss: Darum ist Antonio Rüdiger bei Bundestrainer Hansi Flick gesetzt

Vom Unsicherheitsfaktor zum Abwehrboss: Darum ist Antonio Rüdiger bei Bundestrainer Hansi Flick gesetzt

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Verteidiger Antonio Rüdiger absolvierte bisher 52 Länderspiele für die Nationalmannschaft. 
Verteidiger Antonio Rüdiger absolvierte bisher 52 Länderspiele für die Nationalmannschaft.  © Claudio Villa/Getty Images
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Antonio Rüdiger, der in der kommenden Saison das Trikot von Real Madrid trägt, hat sich zu einem der besten Verteidiger der Welt entwickelt – dabei wurde er lange Zeit verspottet. In der Nationalmannschaft ist er der unumstrittene Abwehrboss, Bundestrainer Hansi Flick schwärmt von ihm. 

Das Video, welches sein neuer Arbeitgeber über den deutschen Zugang bei Youtube postete, dauert gut 3:30 Minuten. Es ist vollgepackt mit dem gesamten Repertoire, welches Antonio Rüdiger zu bieten hat, und soll vermutlich eindrucksvoll belegen, warum er nun ein Spieler bei Real Madrid ist, dem größten Fußballklub der Welt. Rüdigers Grätschen und rustikale Zweikämpfe sind darin zu sehen, ebenso einige Tore, Pässe und spektakuläre Rettungsaktionen bei seinen bisherigen Vereinen VfB Stuttgart, AS Rom, dem FC Chelsea, aber natürlich auch bei der Nationalmannschaft.

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Dort sitzt mit Hansi Flick inzwischen der zweite Bundestrainer auf der Bank, der sich in den 1,90-Meter-Verteidiger regelrecht verknallt hat. "Toni hat eine fantastische Entwicklung gemacht. Dass er jetzt bei Real Madrid spielen darf, ist der Lohn für all seinen Aufwand. Er ist sehr fokussiert im Training und kann eigentlich immer alle Spiele spielen", schwärmt der DFB-Coach. "Er ist ein sehr guter Zweikämpfer und Kopfballspieler. Zudem hat er enormes Tempo und weiß auch im Spielaufbau zu glänzen. Toni ist da hinten drin ein absoluter Leader." Diese Lobeshymne hätte eins zu eins auch aus dem Mund von Joachim Löw stammen können, der nach dem Abgang von Mats Hummels und Jeromé Boateng immer auf Rüdiger setzte – auch wenn dieser mal patzte.

Dass Rüdiger hin und wieder einen sogenannten Bock schoss, wurde ihm eine Zeit lang ebenso um die Ohren gehauen wie die Anekdote, dass er zur WM 2018 eine "Shisha" (Wasserpfeife) mit in seinen WM-Koffer gepackt hatte. Inzwischen wird Rüdiger nicht mehr belächelt, sondern von den wichtigsten Akteuren im Geschäft als Topstar akzeptiert: von Trainern und Mitspielern.

Thomas Tuchel machte keinen Hehl daraus, dass er schrecklich gerne weiter mit seinem Landsmann gearbeitet hätte, allerdings konnte ihm der FC Chelsea nach dem Eigentümerwechsel kein adäquates Angebot unterbreiten. So reichte dem Vernehmen nach ein einziges Telefonat mit dem nächsten Topcoach, Carlo Ancelotti, um ihn nach Madrid zu locken. "Ich hatte viele Gespräche, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich nur Real oder Chelsea in Betracht gezogen", verriet Rüdiger gerade der Marca. "Als sich Madrid das erste Mal gemeldet hat, das war wie... Wow! Ein Klub wie dieser ruft nicht oft an, es war unglaublich."

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Wie groß sein Standing inzwischen ist, belegt auch die Tatsache, dass ihn die Kollegen der Premier League gerade ins "Team des Jahres" wählten, wofür sich der anständige und allseits beliebte Rüdiger herzlich bedankte. Auf dem Platz ist er dagegen einer, den man nicht unbedingt treffen will: kompromisslos und knallhart im Zweikampf, mit allen Wassern gewaschen – so etwas wie der schwarze Sergio Ramos, der bei Real eine Legende ist.

Bei Flick ist Rüdiger als Abwehrboss gesetzt. Mit Blick auf die Endrunde in Katar ist es nur noch die Frage, wer an seiner Seite spielen darf: Niklas Süle oder Nico Schlotterbeck? Matthias Ginter und Jonathan Tah haben wohl nur noch Außenseiterchancen. Der WM-Titel fehlt noch in Tonis Trophäenschrank, der sich in den letzten Jahren reichlich gefüllt hat – und den will er unbedingt. Dass es bereits in der Gruppenphase ausgerechnet gegen sein neues Heimatland Spanien geht, beeindruckt Rüdiger indes nicht: "Wenn du Weltmeister werden willst, musst du die Besten schlagen." Recht hat er.

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