09. Juli 2019 / 17:50 Uhr

Nach Pokalsieg-Entzug: Neustadt-Reserve erwägt Einspruch gegen Urteil

Nach Pokalsieg-Entzug: Neustadt-Reserve erwägt Einspruch gegen Urteil

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Neustädter Danny Tessmer (l.) und Danny Blessin jubelten nach dem Pokalsieg gegen Demerthin. Mittlerweile wurde den Schwarz-Roten der Erfolg aberkannt.
Die Neustädter Danny Tessmer (l.) und Danny Blessin jubelten nach dem Pokalsieg gegen Demerthin. Mittlerweile wurde den Schwarz-Roten der Erfolg aberkannt. © Stefan Peglow
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Unterer Kreispokal Prignitz/Ruppin: Nachdem der Reserve von Schwarz-Rot Neustadt der Kreispokalsieg vom Sportgericht aberkannt wurde, überlegt der Verein, Einspruch gegen das Urteil einzulegen.

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Es wäre die nächste Wende im Unteren Kreispokal Prignitz/Ruppin: Nachdem Schwarz-Rot Neustadt II Ende vergangener Woche der Kreispokalsieg vom Sportgericht aberkannt wurde, erwägt der Verein, Einspruch gegen das Urteil einzulegen. "Das überlegen wir aktuell. Ich denke, es könnte auch so kommen", sagte Fußball-Abteilungsleiter Bernd Lorenz auf SPORTBUZZER-Nachfrage.

Neustadt setzt unerlaubt Spieler ein

Streitpunkt ist das Pokalfinale vom 21. Juni, das die Neustädter mit einem satten 10:1 gegen den SV Demerthin für sich entschieden haben. Im Anschluss legte Demerthin aber Einspruch gegen die Spielwertung ein. Der Grund: Bei Neustadt hatte mit dem im Finale eingesetzten Martin Otto ein Spieler 15 von 29 Saisonspielen bei der ersten Mannschaft in der Landesliga absolviert - und damit mehr als 50 Prozent der Partien. Dadurch greift die sogenannte Stammspieler-Regel. So steht in der Spielordnung des Fußball-Landesverbandes Brandenburg (FLB):

"An den letzten vier Spieltagen sowie in nachfolgenden Entscheidungsspielen der jeweilig betreffenden Spielklassen und Pokalspielen in diesem Zeitraum dürfen keine Spieler höherer Mannschaften eingesetzt werden. Spieler höherer Mannschaften sind Spieler, die nach dem zweiten Punktspiel zum jeweiligen Zeitpunkt in mehr als der Hälfte der bis dahin ausgetragenen Punktspiele des laufenden Spieljahres in einer höheren Mannschaft zum Einsatz kamen. Als eingesetzt zählen auch Spieler, die in diesen Spielen ein- oder ausgewechselt wurden.'

In Bildern: Schwarz-Rot Neustadt II besiegt im Finale des unteren Kreispokals Prignitz/Ruppin den SV Demerthin mit 10:1 (1:1).

Schwarz-Rot Neustadt II (rote Trikots) gewinnt das Kreispokalfinale gegen den SV Demerthin mit 10:1. Zur Galerie
Schwarz-Rot Neustadt II (rote Trikots) gewinnt das Kreispokalfinale gegen den SV Demerthin mit 10:1. © Stefan Peglow
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Den Neustädtern war das Problem durchaus bewusst, weshalb sich Neustadt-Spieler Danny Tessmer per E-Mail schon zwei Wochen vor dem Pokalfinale bei Martin Hagemeister, beim FLB verantwortlich für den Spielbetrieb der Herren, über die Stammspieler-Regel erkundigt hatte. Hagemeister bestätigte das SPORTBUZZER, ergänzte aber: "Allerdings haben sie nicht nach einem konkreten Spieler gefragt."

Tessmer sieht das ein bisschen anders. Am 15. Juni stellte er die Anfrage, ob ein Demerthiner spielberechtigt ist, der zuvor bei einem anderen Verein gemeldet war. Außerdem stellte er in der gleichen Mail die Frage, ob er eine mögliche Spielberechtigung für Martin Otto prüfen könne - laut Tessmer antwortete Hagemeister, dass Otto das Spielrecht besitze. "Vielleicht hat er das auf die Anfrage davor bezogen, dass Otto generell spielberechtigt ist", vermutet Tessmer.

Vier Tage nach dem Finale kam den Neustädtern zu Ohren, dass Demerthin Einspruch gegen das Finale einlegen wolle. Daraufhin fragte Tessmer noch einmal bei Hagemeister nach. "Er hat geantwortet: Martin Otto hat 15 von 30 Spiele absolviert, deshalb ist er spielberechtigt", sagt Tessmer. Darin liegt die Krux bei der Geschichte: Denn Hagemeister wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass das Landesliga-Hinrundenspiel der Neustädter gegen den Angermünder FC am Grünen Tisch entschieden wurde.

Hagemeister: "Sehr unglücklich gelaufen"

Somit wurden nur 29 der 30 Saisonpartien auch wirklich auf dem Platz gespielt - und nur das zählt laut Hagemeister. Dadurch stieg Ottos Quote an Einsätzen von 50 Prozent (bei 30 Spielen) auf 51,72 Prozent (bei 29 Partien). Die Neustädter gingen davon aus, dass die 30 Saisonspiele, die in der Tabelle stehen, Grundlage für die Berechnung der Stammspieler-Regel sind, womit Otto einsatzberechtigt gewesen wäre. Sie hatten ihn sogar extra im letzten Landesliga-Saisonspiel nicht eingesetzt, damit er im Pokalfinale spielberechtigt ist. "Das Problem ist, dass keiner dieses nicht ausgetragene Spiel auf dem Schirm hatte", sagte Hagemeister, der auf die Spielordnung verweist, in der ausdrücklich "ausgetragene" Spiele steht. "Das ist wirklich sehr unglücklich gelaufen", meinte der FLB-Mann.

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Für Tessmer ist klar, dass der Verein Einspruch einlegen sollte. "Es steht auch nirgends in der Spielordnung, dass ein ,ausgetragenes' Spiel angepfiffen sein muss, das wurde nur so ausgelegt, hat Martin Hagemeister gesagt. Ich kann doch nicht nach etwas entscheiden, was gar nicht in der Spielordnung steht", sagt Tessmer.

"Neutral betrachtet muss man auch sagen, dass Demerthin 1:10 verloren und Martin ein Tor geschossen hat und in der 74. Minute ausgewechselt wurde. Hätten wir gewusst, dass er nicht spielberechtigt ist, hätten wir ihn auch nicht spielen lassen", sagt Tessmer, für den das Spiel auch persönlich wichtig war. "Ich habe bis vor drei Jahren noch in Demerthin gespielt, vor zehn Jahren haben wir den Pokal gewonnen. Ich wollte wirklich auf Nummer sicher gehen, dass alles korrekt abläuft." Jetzt endet es womöglich mit einem Berufungsverfahren.

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