25. Oktober 2020 / 13:17 Uhr

Union Berlin überzeugt – SC-Trainer Streich findet's "schrecklich"

Union Berlin überzeugt – SC-Trainer Streich findet's "schrecklich"

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
Unter Strom: SC-Trainer Christian Streich beim Auswärtsspiel seiner Elf gegen Union Berlin.
Unter Strom: SC-Trainer Christian Streich beim Auswärtsspiel seiner Elf gegen Union Berlin. © Andreas Gora/dpa
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Der Berliner Fußball-Bundesligist kombiniert gegen den SC Freiburg teils sehr ansehnlich. "Wenn du so einen hohen Aufwand betreibst, musst du so ein Spiel gewinnen", sagt Unions Trainer Urs Fischer. Freiburgs Coach Christian Streich kritisiert seine Elf deutlich.

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Ein Fußballspiel lebt von den Geräuschen, die es umgeben; von den Kommandos der Spieler, wenn sie brüllen, fauchen und fluchen, von den durchdringenden Pfiffen der Schiedsrichter – und von den stimmgewaltigen Anweisungen der Trainer.

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Ein besonders lautstarker Vertreter seiner Zunft ist der Freiburger Übungsleiter Christian Streich, das war auch am Samstag wieder zu hören, als der badische Bundesligist beim 1. FC Union Berlin im Stadion An der Alten Försterei 1:1 (1:1) spielte.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 1:1 gegen den SC Freiburg.

Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 1:1 gegen den SC Freiburg Zur Galerie
Union Berlin in Noten: Die Einzelkritik zum 1:1 gegen den SC Freiburg ©

31 Minuten waren in einem intensiven Spiel vergangen, als der Berliner Marcus Ingvartsen dem Gästespieler Jonathan Schmid einen derben Bodycheck im Mittelfeld verpasste – worin Schiedsrichter Robert Schröder zur Empörung Streichs nicht mal ein Foul sah. Was also blieb Streich da anderes übrig, als wutentbrannt zum Vierten Offiziellen zu galoppieren, mit den Händen zu gestikulieren und Schreie auszustoßen, auf die jeder röhrende Hirsch stolz hätte sein dürfen.

Der Unparteiische revidierte seine Entscheidung daraufhin natürlich nicht, immerhin aber schien Streichs Spektakel seine Spieler wachzurütteln. Bis dahin hatten sie nämlich überhaupt nicht stattgefunden, während der 1. FC Union die vielleicht spielstärkste und dominanteste erste halbe Stunde seiner noch jungen Bundesliga-Geschichte gezeigt hatte.

Und weil die Berliner – nach zwischenzeitlichem Leerlauf zwischen der 46. und 70. Minute – auch in der Endphase gieriger auf den Sieg waren, hätten sie selbigen durchaus verdient gehabt. Marvin Friedrich zielte aber zweimal knapp neben das Tor.

Robert Andrich: "Wir waren heute dem Dreier näher als Freiburg"

„Ich war überhaupt nicht zufrieden mit den ersten 25, 30 Minuten, weil wir nicht ballsicher waren“, sagte Streich über jene Phase, in der Union überaus engagiert auftrat, den Ball in den eigenen Reihen fein zirkulieren ließ und Stürmer Joel Pohjanpalo, assistiert von den fleißigen Offensivkräften Max Kruse und Sheraldo Becker, einige gute Möglichkeiten erhielt. Immer wieder initiierten die Innenverteidiger Friedrich und Robin Knoche mit dem defensiven Mittelfeldspieler Robert Andrich temporeiche Angriffe, allein der Torerfolg blieb zunächst aus.

„Ich bin mit der Leistung sehr zufrieden. Wir haben einen hohen Aufwand betrieben für einen Punkt“, resümierte Unions Trainer Urs Fischer, nur mit dem Resultat dürfe seine Elf nicht einverstanden sein. „Wenn du so einen hohen Aufwand betreibst, musst du so ein Spiel gewinnen.“ Und Andrich fand: „Wir waren heute dem Dreier näher als Freiburg.“

Diese Meinung teilte er mit Freiburgs Trainer Streich, der froh sein durfte, dass seine Mannschaft einen Kunstschützen wie Vincenzo Grifo in den eigenen Reihen hat. Der war es nämlich, der nach 34 Minuten den Ball flach und präzise an den Innenpfosten des Berliner Tores setzte, von wo aus das Spielgerät ins Netz sauste. „Das ist halt Qualität“, sagte Andrich anerkennend.

Bis zum Gegentor habe seine Elf „ein richtig gutes Spiel gemacht“, fand Unions Antreiber, dem es nur zwei Minuten nach Grifos 0:1 vorbehalten war, den mehr als gerechten Ausgleich per Distanzschuss herzustellen. „Das 1:1 ist schrecklich, weil das zu einfach war. Das darf so überhaupt nicht passieren“, kritisierte Streich seine nicht nur in dieser Szene passive Elf.

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Nur die „ballsicheren“ und „guten“ Berliner, so der Freiburger Trainer, hätten den Sieg an diesem Tag verdient gehabt – vor rund 4500 Union-Fans, die ihre Lieblinge sogar mit Topfdeckeln anfeuerten. Gesänge waren coronabedingt verboten worden, was die Anhänger nicht daran hinderte, andere Mittel zur Unterstützung einzusetzen.

Nur das größte Geschenk, drei Punkte nämlich, blieb ihnen verwehrt. Warum das so war, dafür hatte Andrich eine simple Antwort: „Wir hätten einfach noch eins mehr drauflegen müssen.“ Mehr Vorwürfe musste sich im Berliner Lager keiner gefallen lassen, das zeigte auch die Reaktion der Fans, die für das 1:1 lautstark Applaus donnerten. Ein Geräusch, das an diesem Tag gut zum Berliner Auftritt passte.