15. April 2020 / 08:29 Uhr

USADA-Chef Travis Tygart über Doping-Tests trotz Corona: „Wer jetzt dopt, kann weiter erwischt werden“

USADA-Chef Travis Tygart über Doping-Tests trotz Corona: „Wer jetzt dopt, kann weiter erwischt werden“

Tom Mustroph
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Travis Tygart, Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, spricht über die Kontrollen in Zeiten der Corona-Krise.
Travis Tygart, Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, spricht über die Kontrollen in Zeiten der Corona-Krise. © imago images
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In den USA läuft der Doping-Testbetrieb weiter. Travis Tygart, Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur erklärt im Interview, wie das trotz der aktuellen Corona-Krise funktioniert .

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Während in Europa die Doping-Kontrolleure weitgehend zu Hause blieben, hat in den USA die dortige Anti-Doping-Agentur USADA Wege gefunden, den Testbetrieb aufrechtzuerhalten. Die erfahrenen Doping-Jäger, die bereits Superstars wie Lance Armstrong (Radsport) und Marion Jones (Leichtatletik) überführten, sind auch in Covid-19-Zeiten die Avantgarde im Kampf gegen den Sportbetrug. Der Chef der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur erläutert das Vorgehen.

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Travis Tygart, die USADA kontrolliert weiter. Wie machen Sie das?

Ja, wir sind immer noch operativ. Wir setzen unsere Ermittlungsarbeit fort, unser Whistleblowerprogramm läuft weiter. Und dort, wo wir es machen können, wo es die staatlichen Anordnungen zulassen und wo es auch sicher ist, führen wir auch Dopingkontrollen durch. Wir haben einige zusätzliche Elemente eingeführt wie chirurgische Masken und Handschuhe. Es wird desinfiziert und auch die soziale Distanz wird eingehalten.

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Wie reagieren die Sportler? Sind sie erleichtert, weil Testen ja auch eine Art Glaubwürdigkeitsversicherung für sie darstellt, sind sie empört? Oder lehnen sie Tests gar als potenziell gefährlich ab?

Bis jetzt sind die Sportler sehr aufgeschlossen. Bevor wir bekannt gegeben haben, wie wir in dieser besonderen Situation vorgehen wollen, hatten wir Gespräche mit unseren Athleten. Sie haben alle gesagt: „Ihr müsst weiter testen, um zu verhindern, dass manche versuchen könnten, Vorteile aus der Situation zu ziehen.“ Sie waren sehr zustimmend gegenüber den Tests. Saubere Athleten wollen zeigen, dass sie sauber sind. Sie helfen also selbst mit, um zu demonstrieren, dass sie sauber sind.

"Es sind generell schwere Bedinungen"

Wie beurteilen Sie, dass in anderen Ländern aktuell weniger oder sogar gar nicht getestet wird?

Es sind generell schwere Bedingungen, und in jedem Land herrschen unterschiedliche Vorgaben. Ich möchte mich nicht zu anderen äußern. Uns ist es wichtig, dass wir die Möglichkeiten ausnutzen und auch innovative Wege gehen.

Die USADA arbeitet gegenwärtig an neuartigen Testverfahren, die in Corona-Zeiten effektiveres Testen ermöglichen sollen.

Wir entwickeln neue Testkits für die Entnahmen von Blut- wie Urinkon­trollen.

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Die internationalen Pressestimmen zum WADA-Urteil gegen Russland. ©

Erwarten Sie nach Rücknahme der Reisebeschränkungen wegen Covid-19 Monsterwettkämpfe, weil zahlreiche Sportler den Versuchungen nachgegeben haben könnten, in Zeiten reduzierter Kontrollen zu dopen?

Ich glaube, kein Athlet wächst mit der Vorstellung auf, es nicht erwarten zu können, sich die Spritze zu setzen, um ein großer Sieger zu werden. Aber natürlich wäre es naiv anzunehmen, dass niemand die aktuelle Situation ausnutzen möchte. Wir haben jetzt Glück, dass die Olympischen Spiele verschoben wurden. Die kritische Phase für die Spiele beginnt etwa sechs Monate zuvor. Für den Zeitpunkt 2021 werden wir gut gerüstet sein. Ich möchte aber auch ganz klar sagen: Wer jetzt versucht zu dopen, kann weiter erwischt werden.

Die USADA kontrolliert nur innerhalb des eigenen Landes. Mit welchen Methoden könnte die Kontroll-Lücke jetzt überbrückt werden?

Einzelne Substanzen kann man längere Zeit nachweisen. Und man könnte bei den individuellen Athletenpässen eine Periode vor Covid-19 festlegen und eine Periode nach Covid-19. Stellt man dort größere Variationen fest, könnten Sportler überführt werden.