15. August 2019 / 06:00 Uhr

Usain Bolt exklusiv im Interview: "Eines Tages wird jemand meinen Rekord brechen"

Usain Bolt exklusiv im Interview: "Eines Tages wird jemand meinen Rekord brechen"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
(K)ein Rekord für die Ewigkeit? Sprint-Legende Usain Bolt stuft seinen Fabel-Weltrekord über die 100 Meter als gefährdet ein.
(K)ein Rekord für die Ewigkeit? Sprint-Legende Usain Bolt stuft seinen Fabel-Weltrekord über die 100 Meter als gefährdet ein. © imago images / Xinhua
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Am Freitag vor zehn Jahren stellte der Jamaikaner Usain Bolt bei der Leichtathletik-WM in Berlin einen Fabel-Weltrekord über 100 Meter auf, der bis heute Bestand hat. Der 32-Jährige spricht im SPORTBUZZER-Interview über sein schnellstes Rennen und sein neues Leben als Frührentner.

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Herr Bolt, erinnern Sie sich noch an den 16. August 2009?

Ja! Das ist der Tag, an dem ich über 100 Meter bei der WM in Berlin mit 9,58 Sekunden einen neuen Weltrekord aufgestellt habe. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich damals diese Zeit gelaufen bin – und dass sie zehn Jahre später noch immer Rekord bedeutet. Hoffentlich bleibt das noch einige Jahre so.

Können Sie sich noch genau an den Lauf erinnern?

Ich weiß, dass ich in Berlin in guter Form war. Ich hatte bei den Olympischen Spielen ein Jahr zuvor das Triple aus 100, 200 Meter und der Staffel gewonnen und hatte einen guten Trainingswinter. Nach zwei Läufen über 9,7 Sekunden in Ostrau und Paris zuvor war ich sehr selbstbewusst bei der WM. Im Finale stand ich neben Tyson Gay und Asafa Powell. Ich hatte einen guten Start, habe gut beschleunigt und war schon nach der Hälfte vorn. Ich konnte es nicht glauben, dass ich der erste Mensch war, der unter 9,6 Sekunden geblieben ist.

Bolt über Fabel-Weltrekord: "Hatte das Gefühl, dass ich diese Zeiten sogar noch verbessern könnte"

Wie war das möglich?

Es war eine Kombination aus Talent, harter Arbeit, tollem Trainerteam.

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Vier Tage später haben Sie über die 200 Meter ebenfalls einen neuen Weltrekord aufgestellt – 19,19 Sekunden. War der Usain Bolt von 2009 der beste aller Zeiten?

2009 war auf jeden Fall das Jahr, in dem ich meine schnellsten Zeiten gelaufen bin. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese Zeiten sogar noch verbessern könnte. Das haben Verletzungen leider verhindert. Und so bleiben die Zeiten von 2009.

Wird das auf ewig so bleiben?

Ich sage immer, dass Rekorde dazu da sind, gebrochen zu werden. Eines Tages wird da jemand sein, der meine Zeiten unterbieten kann. Ich hoffe aber, dass ich noch eine Zeit lang der schnellste Mann der Welt bleibe. Die aktuelle Sprinter-Generation muss noch schneller werden, um an meine Rekorde heranzukommen. Die sind eher bei 9,7 Sekunden über die 100 Meter und 19,5 Sekunden über die 200 Meter.

Usain Bolt: Auch nach seinem Karriereende noch schnell

Lag es damals auch an der blauen Bahn im Berliner Olympiastadion? Sie gilt als eine der schnellsten der Welt.

Ja, ich denke schon. Es ist schließlich die Bahn, auf der ich die Weltrekorde geschafft habe. Ich erinnere mich an jedes Training in Berlin, weil ich wenig später eine Partnerschaft mit einem Bahnbauer eingegangen bin, der mir eine ähnliche Bahn auf Jamaika gelegt hat. Seitdem habe ich bei jedem Training an Berlin zurückgedacht.

Sie haben Ihre Karriere 2017 beendet. Wie schnell sind Sie noch?

Ich habe seit meinem Karriereende kein Sprinttraining mehr gemacht. Aber ich denke, ich hätte über die 100 Meter noch eine Zeit von 10,4 oder 10,5 Sekunden drin. Über die 200 Meter wäre ich aber sicher außerhalb der 20 Sekunden.

Dass Sie noch schnell laufen können, haben Sie bei einem Showwettkampf für die Football-Liga NFL gezeigt, als Sie dort einen neuen Rekord über 40 Yards aufgestellt haben.

Ich bin noch fit – trainiere aber nicht mehr für spezielle Rennen. Während meiner Karriere haben Athleten aus anderen Sportarten immer erzählt, wie schnell auch sie seien. Ich bin die Zeit über die 40 Yards in normalen Sportschuhen und Jogginghose gelaufen. Das zeigt doch deutlich den Unterschied zwischen schnellem Laufen in der Leichtathletik und in anderen Sportarten.

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Bolt: "Ich kann endlich trinken und essen, was ich will"

Wie sieht denn Ihr aktueller Tagesablauf ohne Trainings und Rennen aus?

Es ist sogar stressiger als vorher – aber in einer anderen Art. Ich arbeite hart für meine Sponsoren, Partner und vor allem meine Stiftung. Aber ich genieße dieses Leben sehr. Ich kann endlich trinken und essen, was ich will. Und ich muss nicht mehr darauf achten, früh ins Bett zu gehen.

Zwischendurch haben Sie auch mal versucht, eine Fußballkarriere zu starten.

Ich wollte es als Profi schaffen und habe diese Erfahrung sehr genossen. Ich wollte wirklich auf dem höchsten Level spielen, aber habe realisiert, dass ich dafür viel Zeit und Training benötigt hätte. Das wäre schwer mit all meinen anderen Verpflichtungen vereinbar gewesen. Jetzt spiele ich weiter aus Spaß bei Charity- und Showspielen. Aber ich werde nicht mehr versuchen, Profi zu werden.

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"Ich bin sehr glücklich als Leichtathletikrentner"

Haben Sie an ein Comeback gedacht?

Nein. Ich bin sehr glücklich als Leichtathletikrentner. Es war die richtige Entscheidung. Ich habe in meiner Karriere alles gewonnen, was ich gewinnen wollte, und ich hatte nicht mehr die Motivation, im Training zu schuften. Leichtathletiktraining ist unglaublich hart.

Wer wird in Doha Weltmeister?

Christian Coleman und Noah Lyles haben die US-Meisterschaften gewonnen und laufen die schnellsten Zeiten. Sie sind die Favoriten. Ich glaube, es wird auf jeden Fall ein schnelles Rennen. Das zeigen die Erfahrungen aus den Diamond-League-Meetings in Doha.

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Bolt über seine Karriere: "Ich glaube, die Menschen haben meine Persönlichkeit gesehen"

Mit Ihnen ging auch der ganz große Star der Leichtathletik. Was hat die Menschen an Ihnen begeistert?

Ich war immer schnell, habe gewonnen, wenn es darauf ankam, und hatte immer Spaß. Ich glaube, die Menschen haben meine Persönlichkeit gesehen, und ich bin glücklich, dass ich meiner Sportart so viel Aufmerksamkeit verschaffen konnte.

Was muss ein Leichtathlet denn mitbringen, um ein Star zu sein?

Das Wichtigste ist natürlich, dass er seine Leistung vor allem bei wichtigen Meisterschaften abruft. Wenn du gewinnen kannst und eine sympathische Persönlichkeit bist, kommen die Leute automatisch.

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